Die Nachtwache [Während Kapitel 6] | Nyala, Rhorax

Gespräche und Ereignisse zwischen den Kapiteln
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Rhorax
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Re: Die Nachtwache [Während Kapitel 6] | Nyala, Rhorax

Beitrag von Rhorax »

Rhorax nickte zufrieden, als Nyala geendet und eine Art Schwur abgelegt hatte, ihn in Kenntnis zu setzen, sollte er ihrer Meinung nach eine falsche Entscheidung treffen. Es konnte nicht schaden, so jemanden zu haben und bei all dem, was die Wölfin ihm jetzt erzählt hatte und mit dem Eindruck, den er bisher von ihr gewonnen hatte, schien sie dafür durchaus geeignet. Auch wenn sie anscheinend irgendwann einmal so leichtsinnig gewesen zu sein schien, sich mit einem Bären anzulegen. Viel hatte sie von diesem Vorfall nicht berichtet, aber die Bewegung ihres Beines und die Art wie sie davon erzählte, sprachen Bände.

"Anscheinend ist Fehler machen normal,"

zog der Bär nach einer kurzen Denkpause als Lehre hieraus. Dennoch war es etwas anderes, wenn man einen Fehler beging und dafür selbst zur Verantwortung gezogen wurde als wenn die Folgen des eigenen Fehlers andere zu erleiden hatten. Und die Schuld würde bleiben, egal wie sehr er versuchen würde alles wieder wett zu machen. Ein tiefes Schnaufen folgte. Wieder war er an den Punkt gelangt, an dem ihm diese Gewissheit ein Ende seiner Grübeleien bereitete.

Rhorax richtete den Blick auf Nyala und musterte die Wölfin, seine neuen Erkenntnisse in das Gesamtbild, das er von ihr hatte, mit einfließen lassend. Sie als Leittier zu bestimmten war keine schlechte Entscheidung vom Rat gewesen. Über Kailan, die andere Bärin, mochte er diesen Schluss noch nicht ziehen, dafür wusste er zu wenig über sie. Aber es war auch nicht leicht sich ein objektives Bild über jemanden zu machen, der einen mit solch einer Verachtung begegnete. So blieb ihm vorerst nur mehr die Weiße als Bezugspunkt, sollte er das Bedürfnis empfinden sich mitzuteilen, Vorschläge zu machen oder Einwände zu erheben. Dass er nicht Leittier war hieß schließlich nicht, dass er sich nicht auch hier und da Gedanken machte. Und irgendwo war es doch ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man miteinander reden und auf den Rat anderer zählen konnte, wenn es darauf ankam.

"Ich sag dir auch Bescheid, wenn ich denke, dass du einen Fehler machst."

Die Bemerkung kam beiläufig und relativ tonlos, beinahe wie selbstverständlich.
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Nyala
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Re: Die Nachtwache [Während Kapitel 6] | Nyala, Rhorax

Beitrag von Nyala »

Sie glaubte nicht, dass es irgendjemanden leicht fiel Fehler zu machen, aber sie gehörten zum Leben und zum Lernen dazu. Das blöde daran war eben nur, dass manche Fehler schwerwiegender waren als andere, einige waren wirklich nützlich, andere konnten sehr schmerzhaft enden und doch kam niemand von ihnen drumherum. Sie selbst genauso wenig wie Rhorax und sie wusste, dass sie nicht immer einsichtig genug war, um sich ihre eigenen Fehler einzugestehen. Oft genug verdrängte sie oder war sogar regelrecht großkotzig, doch am Ende war sie bisher doch immer auf die Nase gefallen, nur um festzustellen, dass auch sie nicht Fehlerfrei war. Ganz im Gegenteil sogar.

“Scheint ganz so,

stimmte sie ihm nickend zu.
Sie hoffte inständig, dass sie morgen bei ihrer Mission die richtigen Entscheidungen traf und Fehlern entging. Als Leittier lastete eine ganz eigene Verantwortung auf ihren Schultern, auch wenn sie diese Last mit Kailan teilte, am Ende zählte das was sie sagte und entschied. Zwar durften alle ihre Meinungen äußern und Vorschläge einbringen, dass war schließlich wichtig und gehörte zur Gruppendynamik dazu. Auch in einem Wolfsrudel gab es nicht nur einen Weg, der zum Ziel führte, sondern mehrere. Allen gemein war nur eines, der Alpha hatte das letzte Wort, er oder sie entschied welchen dieser Pfade sie gingen. Sowohl Scheitern als auch Siegen wurde ihnen zugeschrieben. Nyala hoffte wirklich, dass sie bereit dazu war ein Leittier zu sein. Ein Traum, der ihr bisher verwehrt blieb, ob zurecht würde sich morgen zeigen. Ihr Blick huschte hinüber zu Rhorax, der ihr mitteilte ebenso für sie dazu sein, wie sie für ihn… zumindest in Hinsicht auf das Fehler-machen.

“Einverstanden“,

sprach sie und rappelte sich schließlich auf, schüttelte den hellen Pelz einmal und drehte sich herum.

“Wir sollten noch etwas schlafen, wer weiß was uns dort drinnen erwartet“,

meinte sie und deutete mit der Nase Richtung Wald, ehe sie zurück zu den anderen trottete und sich wieder zusammenrollte.


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