Die Nachtwache [Während Kapitel 6] | Nyala, Rhorax

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Die Nachtwache [Während Kapitel 6] | Nyala, Rhorax

Beitrag von Rhorax » 4. November 2019, 18:45

Während Kapitel 6, die Nacht bevor wir den Geisterwald betreten
  • Handlungsort: nördlichen Ufer des Weißwassers, Rastplatz am Rande des Geisterwalds
  • Tageszeit: Nacht, die Sonne ist schon vor einer Weile untergegangen, der Mond steht hoch am Himmel und die Sterne leuchten
  • Wetter: Die Wärme des Tages verliert sich, es wird zunehmend kühler, ist beinahe windstill und nur einige wenige, hauchdünne Wolken hängen am Himmel

Egal wie sehr sich Rhorax auch bemühte die optimale Schlafposition zu finden, selbst wenn er es dann einigermaßen bequem hatte und die Augen schloss, driftete er doch nicht ab ins Land der Träume. Die üblichen Strategien, wie die Augen mit den Vorderpranken abzudecken oder bis zehn zu zählen und sich fest vorzunehmen, spätestens bei acht eingeschlafen zu sein, halfen nicht. Er fühlte eine innere Unruhe, die ihn einfach nicht loslassen wollte. Eine Weile kämpfte er, blinzelte in den Nachthimmel, seufzte leise und versuchte es weiter. Doch er merkt bald, dass er diesen Kampf im Moment nicht gewinnen konnte. Leise rumorend richtete er sich langsam in eine sitzende Position auf und Gähnte herzhaft. Sein Problem war definitiv nicht mangelnde Müdigkeit, so viel stand fest. Er witterte in die Dunkelheit hinein und sah sich um. Es schien, als würden die anderen bereits schlafen. Auch, wenn er bereits den ganzen Tag mit dieser Gruppe unterwegs war, so kamen ihm ihre Gerüche immer noch fremd vor und es würde sicher noch eine Weile dauern, bis er sich an sie gewöhnt hätte.

Träge kratzte er sich mit den langen Krallen den Unterbauch während er überlegte, was er jetzt tun sollte. Gelangweilt und Ratlos sah er sich um, blieb nur kurz mit dem Blick an der Silhouette des Geisterwalds hängen, der bei Nacht nicht weniger unscheinbar und harmlos wirkte als bei Tag. Dennoch würde er sich hüten, auch nur eine Tatze da alleine hinein zu setzen. Selbst wenn er recht behielt und es einfach nur ein dummer, öder Wald wie jeder andere war, irgendjemand seiner Reisegenossen würde sich bestimmt daran stören und unnötig Ärger oder Unruhe heraufbeschwören wollte er nicht.

Als sein Blick auf dem Weißwassersee am Fuße ihrer Anhöhe hängen blieb, da zuckte eines der runden Ohren und ein heißer Schwall Luft wurde resignierend aus der riesigen Nase geschnaubt. Vielleicht würden ja ein paar Schlucke Wasser und etwas Bewegung helfen ihn bei seiner Rückkehr endlich schlafen zu lassen. Leise richtete er sich auch und schlich, sofern es einem Bären denn möglich war zu schleichen, davon. Als er einen kleinen abstand zwischen sich und seine Begleiter gebracht hatte ging das vorsichtige Stapfen eher in ein Lustloses Schlürfen über. Das Gras raschelte leise und Insektenschwirren erfüllte die Luft. Alles wirkte friedlich und ruhig, so als wäre alles auf der Welt vollkommen in Ordnung. Wahrscheinlich war sie das auch für diejenigen, die den Ska bisher noch nicht begegnet waren. Ein beneidenswerter Gedanke, aber Selbstmitleid lag Rhorax fern. Sie hatten ihr Lager klug aufgeschlagen. Es dauerte nicht lange und er konnte seine Kehle erfrischen und sich am Ufer des Sees setzen. Die Knopfaugen des Bären wanderten über die glatte Oberfläche des Wassers, die nur zum Ufer hin von kleinsten Wellen bewegt wurde, welche die Reflektionen der Sterne tanzen ließen. Auch sein eigenes Spiegelbild, für das er sich ein Stück weit vorbeugen musste um es zu sehen, tanzte, verformte und verzog sich immer wieder und ließ ihn mal dick, mal dünn, mal groß, mal klein und oft ziemlich unförmig wirken. Ein interessantes Schauspiel. Der Bär reckte die rechte Vordertatze vor und wischte mit den Spitzen seiner Krallen über das Wasser, erzeugte neue Wellen, einige Ringe, wo er das Wasser nur kurz mit einer Kralle berührte und verformte so sein Spiegelbild auf die eine oder andere Art und Weise.
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Re: Die Nachtwache [Während Kapitel 6] | Nyala, Rhorax

Beitrag von Nyala » 9. November 2019, 19:55

Während sich ihre Mitstreiter ein Nachtlager suchten, sich zusammenrollten und die Nasen in den buschigen Schwänzen, die Schnäbel unter den Flügeln oder die Köpfe auf die Tatzen legten, blieb Nyala am Rande der Gruppe sitzen und wach. Ihr Geist war noch zu unruhig, um sich den anderen anzuschließen und so sah sie den letzten rötlichen Schimmern der untergegangenen Sonne hinterher, bevor der Nachthimmel sich zur Gänze entfaltete und der Mond die Wache übernahm. Sie war sich nicht sicher, ob sie geeignet war die Widerstandsgruppe anzuführen. Sie kannte die Tiere alle noch nicht lange genug und auch die Tatsache, dass sie nicht allein auserkoren wurde, behagte der Wölfin nicht. Sie hatte noch nie ein Rudel angeführt, lediglich die Jungen auf ihre ersten Jagden geführt. Noch dazu handelte es sich bei dieser Mission um eine ebenso wichtige, wie verrückte Aufgabe. Nichts von dem was Brask erzählt hatte, deutete daraufhin, dass sie in einen Kampf zogen. Etwas das der weißen Wölfin deutlich einfach gefallen wäre. Nun hieß es jedoch das Rätsel um einen merkwürdigen Wald und einen weißen Raben lösen. Ein Tier, dass sich durch seine Farbe ebenso von seinen Artgenossen unterschied wie sie. Das war eine Gemeinsamkeit, aber mehr vermochte Nyala darin nicht zu erkennen.

Nach einer Weile ließ sie sich mit einem dumpfen Seufzen nieder, bettete ihren Kopf auf ihre Vorderpfoten und versuchte wenigstens ein bisschen Schlaf abzubekommen, bevor sie ihre Mission am nächsten Tag in Angriff nahmen. Nach einer Weile hatte sie sich auf die Seite gedreht, die Beine von sich gestreckt und jagte in ihren Träumen einem Hasen hinterher, der sich in dem dunklen Wald versteckte. Ihre Läufe zuckten, ebenso ihre Ohren und Lider als sich das Kaninchen in einen weißen Raben verwandelte und unerreichbar in den hohen Ästen der Bäume verschwand. Ein leises Jaulen entwich ihrer Kehle, dann wachte sie auf und hob ruckartig den Kopf. Ein Traum.
Sie ließ den Kopf erneut auf ihre Pfoten sinken, sah hinauf zum Sternenhimmel und zum Mond, der des Nachts schon immer ihr Wegweiser war. Ihre Ohren zuckten leicht als sie ein leises Geräusch unweit des Sees vernahm. Nya setzte sich auf, streckte kurz ihren Kopf und blickte auf ihre schlafenden Kameraden. Ein Bär fehlte und es war nicht Kailan.

Leise erhob sie sich und trabte anfangs noch hinkend die kleine Anhöhe hinunter in Richtung Rhorax, den sie am Wasser ausgemacht hatte. Sie verlangsamte ihre Schritte und beobachtete den Braunpelz, der noch so fremd war. Offensichtlich hatte er auch nicht mehr schlafen können und suchte nun etwas Ablenkung im Spiegel des Weißwassersees. Die Wölfin lief langsam weiter und gesellte sich an seine rechte Seite, ließ jedoch genügend Abstand. Ihre Begegnung mit Khiran hatte sie geprägt mit Bären vorsichtig zu sein. Sie trank ein paar Schlucke und ließ sich dann auf ihr Hinterteil nieder, ehe ihre braunen Augen kurz hinüber zum verzerrten Spiegelbild des Bären blickten.
„Interessant, nicht wahr?“, fragte sie ruhig und deutete mit der Nase auf die Wasseroberfläche, dass auch ihr Bild in kleinen Kreisen verschwimmen ließ.
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Re: Die Nachtwache [Während Kapitel 6] | Nyala, Rhorax

Beitrag von Rhorax » 13. November 2019, 18:11

In Gedanken versunken die so flüchtig waren, dass sich kein einziger klar fassen ließ, verstrich die Zeit für Rhorax unbemerkt, während er die Oberfläche des Sees beobachtete und mit seinen Krallen Muster malte, die immer neue Verzerrungen seines Spiegelbilds hervorbrachten. Abwesend und wie in Trance bemerkte er zunächst nicht, dass jemand sich ihm näherte. Erst, als das Spiegelbild der weißen Wölfin sich am Rande seines Sichtfelds im Wasser zeigte, sah er wie ertappt auf und beobachtete die Leitwölfin skeptisch dabei, wie sie trank. Ihre Zunge erzeugte genau wie seine Krallen zuvor Muster und Wellen auf der Oberfläche, die zu ihm hinüberschwappten und sich mit den letzten Spuren seiner Wasserzeichenkünste vermengten.

Tief atmete der Bär die kühle, frische Nachtluft ein, bis sie jeden noch so kleinen Winkel seiner Lunge gefüllt und sich Bauch und Brust aufs Maximum geweitet hatten. Er hielt den Atem einen Moment lang an, wobei er die Augen schloss, ehe er langsam wieder ausatmete und sich dabei entspannte. Erst, als alle Luft wieder draußen war, atmete er normal weiter und öffnete die Augen wieder. Diese Übung, vor allem wenn er sie mehrfach wiederholte, half, wieder einen klaren Kopf zu bekommen und sich zu fokussieren. Etwas, das er während seiner langen Zeit im Krankenlager des Widerstands von einem sehr betagten Puma gelernt hatte. Gleichzeitig spürte er dabei die Narben auf seiner Haut, die der dichte Pelz verbarg und erinnerte sich an ihren Ursprung. Und so auch an seine Kameraden.

Die Worte der Wölfin ließen den Blick des Bären erst auf sie und dann ihrer Nase folgend auf die Wasseroberfläche wandern, die gerade dabei war, sich wieder zu beruhigen. Wie zur Bestätigung beugte sich der Oberkörper des Bären noch einmal mit vorgestreckter Pranke nach vorne und erneut fuhren die Krallen in Schleifenbewegungen noch einige Züge lang durch das Wasser. Dabei ging Rhorax mit einer Vorsicht und Präzision vor, die man ihm vielleicht nicht so einfach zugetraut hätte, so als bestünde das Wasser aus rohen, leicht zerbrechlichen Eiern.

"Ja.", war die knappe und nüchterne Erwiderung auf Nyalas Frage. Dabei zog er die Tatze wieder zurück und beobachte weiter die Oberfläche. Erst jetzt stellte sich ihm die Frage, was die Leitwölfin hier machte, wo doch alle anderen schliefen um ihre Kraftreserven für den nächsten Tag aufzufüllen. Die erstbeste Begründung, die ihm in den Sinn kam, erschien sogleich als die Schlüssigste.

"Ich stehe unter Beobachtung, hm?"

Der Bär brummte eher, als dass er sprach und stellte diese Frage auch nur rhetorisch, da er meinte die Antwort schon zu kennen. Das wäre zumindest nur logisch, nach der Vorstellung die Brastk am Morgen abgegeben hatte und dem Verhalten vor allem von Kailan ihm gegenüber.
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Re: Die Nachtwache [Während Kapitel 6] | Nyala, Rhorax

Beitrag von Nyala » 16. November 2019, 19:30

Sie beobachtete den Bären an ihrer Seite, der seinen großen Kopf in ihre Richtung gedreht hatte und sich danach wieder dem Wasser widmete. Mit einer seiner Krallen zeichnete erneut ein verschwimmendes Bild und schien über ihre Worte nachzudenken. In der Bewegung war kaum etwas von der Rohheit oder der Stärke des Bären zu erkennen. Es glich viel mehr den eleganten Bewegungen eines Pumas oder den Fischen unter der Wasseroberfläche. Schließlich antwortete er mit einem knappen ‚Ja‘ und zog die Pfote zurück, ohne den Blick zu heben.
Der Wölfin war bereits aufgefallen, dass es sich bei Rhorax eher um einen ruhigeren Gesellen handelte. Er fiel zwar durch seine beeindruckende Gestalt und Größe auf, nicht jedoch durch Worte. Letzteres machte ihn der Weißen gegenüber sympathisch, schließlich hatte auch sie nichts dagegen einfach mal den Fang zu halten und wie in diesem Moment die Aussicht zu genießen. Der Mond übte schon immer eine faszinierende Anziehung auf sie und vermutlich auch andere Wölfe aus, er war so manches Mal ein tröstender Kamerad in der Nacht, wenn sonst niemand da war und er konnte die Nacht auf eine andere Art und Weise als die Sonne erhellen.
Nyala hatte den Kopf wieder gehoben, blickte über den See, in dem sich die Sterne und der Mond spiegelten und erinnerte sich an längst vergangene Tage. Zumindest so lange, bis die gebrummten Worte des Braunpelzes ihre Ohren erreichten und sie diese leicht zucken ließen. Sie sah zu ihm und ließ ihren Kopf leicht in die Schräge kippen.

“Nein, das tust du nicht“,

erwiderte sie und musterte den Älteren. Ganz offensichtlich machte er sich mehr Gedanken über das was Brastk ihnen am Morgen erzählt hatte als sie es tat. Sie hatte es nicht vergessen, aber sie war selbst kein unbeschriebenes Blatt und hatte ihre Schattenseiten. Der Rat hatte sicherlich gute Gründe ihrer Gruppe mit einem weiteren Bären zu verstärken. Außerdem hätte der Ratswolf ihnen sicherlich mehr Informationen mitgeteilt, wenn sie Rhorax hätten im Auge behalten sollen.

“Ich konnte nicht mehr schlafen. Vermutlich genau wie du“,

sprach sie weiter und sah wieder auf den See hinaus,

“Gibt es einen Grund, dich lieber im Blick zu behalten? Muss ich mir Sorgen um die Gruppe machen?“,

fragte Nya, denn das A und O ihrer leitenden Position war es zum Einen ihre Mission erfolgreich zu bestehen und zum Anderen kein Rudelmitglied zu verlieren.
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Re: Die Nachtwache [Während Kapitel 6] | Nyala, Rhorax

Beitrag von Rhorax » 28. November 2019, 19:35

Ihre Blicke trafen sich, als Rhorax den Kopf neigte und zu der weißen Wölfin hinab sah. Dass sie seine Frage verneinte, sagte, dass er angeblich nicht unter ihrer Beobachtung stand, überraschte ihn und das merkte man den fragenden Knopfaugen vielleicht auch an. So wie Nyala ihn musterte, musterte er auch die Fähe und besah sie sich von der dunklen Nase bis zur hellen Schwanzspitze, wobei sein Blick etwas länger auf der Mimik der Leitwölfin ruhte. Er wusste nicht genau wie er ihre Antwort einschätzen sollte. Vielleicht behauptete sie auch einfach nur clever, dass er nicht unter Beobachtung stand, um ihn so besser im Auge behalten zu können, als wenn er sich dessen bewusst war. Doch ehe er auch nur in die Nähe einer ersten, groben Einschätzung kam, riss ihn die Erklärung für ihre Anwesenheit aus den Gedanken. Als sie vermutete, dass auch er einfach nicht schlafen könne, nickte er leicht, wandte den Blick wieder ab und kratzte sich mit der linken Pranke verlegen an der Brust, während er kleinlaut eingestand:

"Stimmt."

Vielleicht sagte sie ja doch die Wahrheit. Als er wieder zu ihr hinüber sah, hatte sie den Blick erneut auf den See gerichtet. Verglichen mit einigen anderen Tieren ihrer Gruppe strahlte die Wölfin nicht nur Autorität, sondern vor allem auch Ruhe aus. Das gefiel ihm. Nur sehr ungern hätte er jetzt eine Plaudertasche neben sich sitzen gehabt, die nicht nur die Ruhe der Nacht zunichte gemacht, sondern unter Umständen auch noch die anderen geweckt hätte.

Als sie ihn schließlich fragte, ob es einen Grund gäbe ihn im Blick zu behalten und ob sie sich Sorgen um die Gruppe machen müsse, musste Rhorax erst einmal nachdenken. Das waren verdammt gute Fragen. Und schwierige. Er runzelte die Stirn und blickte hinab auf die Wasseroberfläche, auf sein Spiegelbild. Musste man auf ihn aufpassen? Musste man sich wegen ihm Sorgen um die Gruppe machen? Die Wölfin wusste nicht viel über ihn. Es gab wenige, die die Dinge über ihn wussten, die womöglich zu einer schnelleren Antwort auf ihre Fragen geführt hätten. Durch die Reflektionen der Wasseroberfläche sah er einen eigentlich unscheinbaren, ruhigen, freundlichen und harmlosen Bären vor sich. Doch Rhorax wusste nur zu gut, dass er auch anders sein konnte, auch wenn er sich vorgenommen hatte nie wieder die Kontrolle zu verlieren.

Er war sich unsicher, wie viel er Nyala anvertrauen sollte, auch wenn sie sein neues Leittier war. Und noch weniger wusste er, wie viel er ihr überhaupt anvertrauen wollte. Andersherum wusste er schließlich auch nicht viel über die Helle. Seine Stimme war leise und klang nachdenklich, als er zu einer Antwort bereit war.

"Wäre ich noch Leittier und hätte dich zugeteilt bekommen... mit den selben Worten, die Brastk auf mich bezogen gesagt hat... ich würde dich wohl sorgfältig im Blick behalten."

Er holte tief Luft, ehe er weiter sprach. Auch wenn es vielleicht nicht die klügste Antwort auf ihre zweite Frage war, so war sie doch zumindest aufrichtig.

"Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob man sich wegen mir Sorgen machen muss."
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Re: Die Nachtwache [Während Kapitel 6] | Nyala, Rhorax

Beitrag von Nyala » 1. Dezember 2019, 12:20

Sie beide hatten also nicht mehr schlafen können, etwas das die weiße Wölfin nicht ungewöhnlich fand. Sie hatten eine Mission zu erfüllen, die vielleicht weniger auf ihre Kampfkraft setzte, dafür jedoch ein großes Maß an Ungewissheit mit sich brachte. Niemand von ihnen konnte mit Bestimmtheit sagen, dass es den weißen Raben wirklich gab, sah man einmal von Raaka ab, der davon ziemlich überzeugt schien. Aber selbst, wenn es den außergewöhnlichen Vogel gab, mussten sie ihn immer noch finden und das in einem Wald, der Erzählungen nach, mehr als nur seltsam war. Die Regeln des Otters waren der Fähe nicht mehr aus dem Kopf gegangen und hatten sich in ihre Träume gemischt, aus denen sie letztlich hochgeschreckt war.

Es erstaunte sie, dass der große Bär glaubte, sie würde ihn beobachten. Zwar hatte Brastk ein paar Andeutungen gemacht, aber sie hatten keine konkreten Informationen bekommen. Kailan hatte sich eigentlich etwas näher mit dem Braunpelz unterhalten wollen, um etwas mehr in Erfahrung zu bringen. Vermutlich war sie bisher noch nicht dazu gekommen oder sie hatte durchklingen lassen, dass sie Rhorax im Auge behielt. Nyala fragte ihn schließlich, ob sie sich Sorgen machen musste und ob es berechtigt war ihn im Auge zu behalten. Die Antwort ließ etwas auf sich warten, so dass sie selbst noch einmal darüber nachdachte, was der alte Wolf gesagt hatte.
Was auch immer Rhorax getan hatte, musste mit einer Kopflosen Entscheidung und dem Leittierposten zu tun gehabt haben. Die Mahnung lag ihr noch in den Ohren, dass sie sich gefälligst einigen oder die Gruppe nicht entzweien sollten.
Sie drehte den Kopf wieder zum Bären als dieser leise und nachdenklich eine Antwort gab, mit der er sie erneut zum Grübeln brachte. Sie musterte ihn von der Seite, sich dessen vollkommen bewusst, dass hinter der großen Gestalt und den Muskeln eine enorme Kraft steckte, der sie allein kaum etwas entgegen zu wirken hatte. Sich also Sorgen machen, weil er sie vielleicht überfallen konnte? Das erschien ihr absurd. In diesen Zeiten mussten sie alle zusammenhalten, wenn man dazu nicht in der Lage war, war man beim Widerstand an der falschen Adresse.

“Dann ist ja gut, dass ich eins der Leittiere bin und nicht du“,

erwiderte sie schließlich und deutete ein kurzes Grinsen an, bevor sie den Blick wieder über den See gleiten ließ.

“Weißt du, ich bin selbst noch nicht lange Teil des Widerstandes. Ich habe mich lange Zeit gegen die Vorstellung von Riesenkäfern gesträubt, bis ich ihnen das erste Mal begegnete und einsehen musste, dass ich falsch lag. Ich war bis vor Kurzem noch das neue Mitglied, die die unter Beobachtung stand. Es ist nicht so, dass ich dich nicht beobachtete, aber das tue ich mit allen. Außerdem heißt das nicht, dass du ständig einen Aufpasser an deiner Seite haben musst.“

Viele Worte, die ihren Fang verließen, bevor sie sich mit einem Seufzen hinlegte und an ihrer Pfote knabberte, um dem Bären etwas Zeit zugeben. Erst nach einer kleinen Weile sah Nya wieder zu ihm auf.

“Was ist passiert, dass dich Brastk mit so viel Feindseligkeit bedacht hat? Vielleicht hilft mir das dabei zu entscheiden, ob ich mir Sorgen machen muss“,

fragte sie schließlich und behielt ihn dabei genau im Auge.
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