Was du nicht willst, das man dir tu [vor Kap. 5] Yai & Nyph

Gespräche und Ereignisse zwischen den Kapiteln
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Nyphteq
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Was du nicht willst, das man dir tu [vor Kap. 5] Yai & Nyph

Beitrag von Nyphteq » 10. März 2019, 14:30

Wenige Tage vor dem Aufbruch zum Geisterwald
Yaize & Nyphteq
In der Nähe des südöstlichen Ufers des Weißwasser Sees
Früher nachmittag, warm, nur wenige Wolken am Himmel


Es war kein Geheimnis – jedenfalls nicht für die Fell und Federn tragenden Bewohner Kihromahs – dass der Weißwasser See zur neuen Sammelstätte des Widerstands geworden war. Das Gefühl der Sicherheit, das diesen Ort damit umgab und das zumindest bislang nicht getrogen hatte, erfüllte die hier ansässigen Tiere und hatte bald seine Kreise geschlagen, sodass die ein oder andere furchtsame Seele bereits einen weiteren Marsch hinter sich gebracht hatte, um sich unter den wachsamen Augen des Widerstands vorübergehend hier anzusiedeln. Ein Plan, den auch eine besorgte Schwarzbärenmutter verfolgt hatte. Erst vor wenigen Tagen war sie angekommen, gemeinsam mit ihren beiden halbstarken Jungtieren – Teenager in Körper und Geiste, zu jung, um auf sich alleine gestellt zu sein und zu dickköpfig, um diese Tatsache zu akzeptieren. Es war nicht nur ihre Mutter, die ihr liebes Leid mit den beiden Knaben hatte: Die Hauptbeschäftigung der Brüder bestand seit einiger Zeit darin, sich gegenseitig die Hölle auf Erden zu bereiten. Wenn es nicht gerade darum ging, wer den größeren Fisch erbeuten oder den höheren Baum erklimmen konnte, stritten sie um des Streitens Willen. Und diese Auseinandersetzungen waren, wie es eben für junge Bärenmänner typisch war, lautstark und so rabiat, dass man meinen musste, ein unschneidbarer Hass verbinde die Brüder stärker als das geteilte Blut. Kehat und Moara waren die unschuldig genug klingenden Namen der beiden, doch wehe der armen außenstehenden Seele, die das Pech hatte, einen der Namen durch die Kehle des jeweils anderen geschrieen hören zu müssen. Dass es mit der Ruhe aus und vorbei war und es die Jagdbeute über alle Berge verscheucht hatte, war mehr als offensichtlich.

Genau dieses Pech hatte Nyphteq, die sich, in völligem Unwissen über die neue Nachbarschaft, auf die Jagd begeben hatte und nun statt mit einer Mahlzeit mit ohrenbetäubenden Krach belohnt wurde. Kehat und Moara veranstalteten ein Gezeter, dass man denken konnte, die Ska seien nun doch in ihr Revier einmarschiert und als die alarmierte Raubkatze aus sicherer Entfernung nur zwei zankende Bären vorfand, war sie im ersten Moment erleichtert, danach genervt und schließlich irritiert. In dem Wissen, dass es äußerst unklug war, sich zwischen zwei kämpfende Bären zu drängen, auch wenn es sich dabei nur um halbwüchsige handelte, beobachtete die Berglöwin die Streithähne eine Weile lang aus der Deckung heraus mit der Absicht, den Grund für die Ruhestörung und vor allem auch einen Möglichkeit, dieselbige zu beenden herauszufinden. Bisher hatte sie soviel aufschnappen können, dass es wohl darum ging, wem der beiden später das Revier zustünde. So ganz sicher war sich die Katze aber nicht, da in entscheidenen Momenten immer mal wieder eine Pranke im Gesicht des anderen landete oder Zähne in ein Ohr kniffen.

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Yaize
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Re: Was du nicht willst, das man dir tu [vor Kap. 5] Yai & N

Beitrag von Yaize » 3. April 2019, 20:46

Es war eher Zufall, dass Yaize an diesem Tag eine andere Route als gewöhnlich zum See nahm, um sich nach ihrem frühen Mittagsschlaf den Bauch mit etwas kühlem Nass zu füllen und den Tag im Schatten großer Bäume mit Blick auf den Himmel zu verbringen und mit ihren Gedanken Bilder in den Wolken zu formen. Ein schönes Spiel um die Kreativität anzuregen und herauszufinden, was einem gerade so durch den Kopf schwirrte. Normalerweise wählte sie eine Route näher am Ufer, doch der Tipp eines Freundes, dass es nicht weit entfernt ein paar noch nicht komplett abgefressenen Johannisbeersträuche geben könnte, hatte ihre Neugier und ihren Appetit geweckt. Ohne diesen Tipp wäre sie niemals hier vorbei gekommen und hätte aus dem Augenwinkel niemals ein ihr inzwischen sehr gut vertrautes, drahtig muskulöses und elegantes Pumahinterteil erblickt. Und zwar noch bevor eine leichte Brise ihr die wohlbekannte Fährte von Nyphteq zutrug.

Der Antrieb zu trinken und schnellstmöglich zu überprüfen, ob besagtes Johannisbeerwunder auch wirklich existierte, wich der Neugier herauszufinden, was ihre neue Freundin dort tat. Es schien, als beobachte sie etwas aus der Deckung heraus. Da sie die Raubkatze nicht auffliegen lassen wollte, tappte die Füchsin wortlos an deren Seite und schob die neugierige Fuchsnase gerade so weit aus der Deckung hervor, dass Augen und Ohren erfassen konnten, was es dort so Interessantes zu Beobachten gab. Der Blick auf die beiden streitenden Bärenkinder entlockte der Füchsin ein leichtes Schmunzeln. Wortwörtlich Kindsköpfe, die dort aufeinander prallten. Da sie den Anfang verpasst hatte, konnte sie noch nicht genau ausmachen, worum sich die Auseinandersetzung drehte, doch dagegen ließ sich ja etwas unternehmen.

"Hat der eine dem anderen einen Fisch geklaut?"

Flüsterte sie verschwörerisch zischend aus dem Winkel ihres Mauls in Richtung der Puma, ohne dabei den Blick abzuwenden. Diese hatte sicherlich schon längst mitbekommen, wer da zu ihr gestoßen war und ihr nun Gesellschaft leistete. Die Füchsin wusste um das gute Gehör und auch die anderen scharfen Sinne von Nyph, also hatte es gar keinen Sinn gemacht zu versuchen sich anzuschleichen.

"Eine Stimme in meinem Kopf sagt mir, dass man da als quasi Diplomat und Botschafter des Rats doch eigentlich dazwischen gehen und Schlichten sollte. Eine andere Stimme mahnt: Stell dich nicht zwischen zwei Tiere, die dich im Nu fressen könnten. Irgendwie glaube ich, das ist die Klügere."

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Re: Was du nicht willst, das man dir tu [vor Kap. 5] Yai & N

Beitrag von Nyphteq » 11. April 2019, 16:09

Ein leises Rascheln im Laub kündigte Nyphteq an, dass sie nicht mehr alleine in ihrer stillen Beobachterposition war. Das linke Ohr richtete sich demnach nach hinten und die Nase sog erwartungsvoll die Luft ein. Es half nicht viel, denn der Wind stand ungünstig, sodass die Katze zwar die Witterung der Bären ausmachen könnte, nicht aber die ihrer nahenden Gesellschaft. Ein Seitenblick folgte, noch nicht alarmiert, aber durchaus aufmerksam, wer sich da so wagemutig an sie heranpirschen mochte. Es genügte jedoch ein kurzes Linsen – klein, rot, die Auswahl war nicht allzu groß – ehe die Katze den Blick wieder nach vorne richtete und kurz darauf der Frage der erwarteten Stimme lauschen durfte.

„Ich bin nicht sicher. Aber ich glaube, es geht um Revierstreitigkeiten.“

Und just hatte sie diese Worte ausgesprochen, untermauerte der eine Bär diese Vermutung mit einem Biss in den Nacken des anderen. Nyphteq verdrehte die Augen und schüttelte leicht den Kopf. Solcherlei Streitigkeiten waren ja nicht unüblich für Jungtiere. Das einzig Ungewöhnliche und vor allem Nervige war die Vehemenz mit der sie ihre Ruhestörung aufrecht erhielten.

„Fressen?“,

hakte die Katze indes nach, während sich in ihre Stimme langsam das Laster der Ungeduld mischte.

„Mit deren Milchzähnen kommen sie doch nicht einmal durch deinen Pelz… Aber wenn ich mir das da vorne noch eine Minute länger anhören muss, rollen Köpfe.“

Die Berglöwin bleckte einen Moment lang die Zähne, wobei sie jedoch nicht ganz durchscheinen ließ, wie ernst diese Drohgebärde war. Immerhin hatten sie hier Kinder vor sich. Unerzogene, äußert nervige zwar, aber dennoch Kinder, deren Mangel an Urteilsvermögen beinahe schon mitleidserregend war.

„Komm mit!“

Es war Zeit, die Notbremse zu ziehen und diese bestand darin, dass die Katze einen Satz nach vorne machte. Mit geduckten Schultern aber ansonsten nicht weiter auf besondere Deckung bestehend – die beiden Schreihälse waren ohnehin viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt – eilte sie in mit raschen Sprüngen in Richtung der Jungbären. Die kurze Distanz war schnell überbrückt und der letzte Satz katapultierte die Berglöwin direkt gegen die Flanke desjenigen, der kurz zuvor noch seinen Bruder in den Nacken gezwickt hatte.
Tatsächlich war für einen Moment ein erschricktes Quietschen zu vernehmen, das in einem hellen Brüllen endete. Die Katze hatte sich wie bei einem Sprung gegen eine Felswand in derselben Bewegung wieder von ihrem Opfer abgedrückt, stand nun mit allen vier Pfoten fest auf dem Boden, während der kleine Bär jammernd auf den runden Hintern purzelte.

So aus der Nähe betrachtet, wirkten die Jünglinge gleich gar nicht mehr so groß. Sie reichten einem Puma kaum bis zur Schulter und Nyphteq war sich nach der kurzen Tuchfühlung ziemlich sicher, dass das meiste an ihnen bloß Pelz war. Ihr Blick war inzwischen bestimmt auf den zweiten Kindskopf im Bunde gerichtet, während eines der Ohren nach hinten lauschte, wie der zweite Bär sich wieder aufrappelte.

„Das hier, was immer das auch ist, hat jetzt ein Ende! Hat euch denn niemand erzählt, was mit Kindern passiert, die nicht aufhören, sich zu streiten?“

Eine belehrende Strenge lag in den Worten der Katze, die sich sodann suchend nach Yaize umblickte, während sie im Augenwinkel wahrzunehmen meinte, wie der eine Bär ihr frivol die Zunge herausstreckte.

„Ihr wollte doch nicht etwa so enden, wie meine Freundin hier? Aber lasst euch von ihr erzählen, was passiert ist. Das heißt natürlich, falls ihr so eine Geschichte überhaupt ertragen könnt.“

Nyphteqs Augen lagen auffordernd und von einem leichten Flehen erfüllt auf der Füchsin. Der Redekunst der Roten konnte keiner so leicht das Wasser reichen. Wenn es also jemanden gab, der eine herzzerreißende, belehrende und vor allem ruhestiftende Geschichte aus dem Ärmel schütteln konnte, dann musste doch sie das sein. Und das am besten schnell, bevor die kurzweilige Irritation, für die der Auftritt der Katze gesorgt hatte, verflog und sie selbst noch Teil des Gezankes wurden.

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Re: Was du nicht willst, das man dir tu [vor Kap. 5] Yai & N

Beitrag von Yaize » 24. Mai 2019, 12:45

"Revierstreitigkeiten? Fressen?"

Yaize wirkte für einen kurzen Augenblick überrascht. In Zeiten, in denen man allgemein froh sein sollte noch am Leben zu sein und einen Ort gefunden zu haben, an dem man einigermaßen sicher sein Dasein fristen konnte und überhaupt noch was zu fressen fand, schienen ihr solche Dinge eher wie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Etwas, worüber man sprach, wenn man von früher redete. Sie schnalzte leicht mit der Zunge und besah sich die beiden Jungbären noch einmal intensiver. Halbstarke, Dickköpfe und hormongesteuerte Angeber. Das war das Resümee.

Die nächsten Bemerkungen von Nyphteq entlockten der Füchsin einen altklugen und besserwisserischen Seitenblick.

"Ja, JETZT haben sie noch Milchzähne. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass manche sich in späteren Jahren gerne an Dinge aus der Vergangenheit erinnern und dazu neigen, frühere Missstände gerade rücken."

Nyphs abrupter Aufbruch, noch während die Füchsin antwortete, verstörte Yaize und zunächst folgte nur ein irritierter Blick dem sich entfernenden Pumakörper. Sie hatte jetzt nicht wirklich vor sich einzumischen, oder? ODER? Offensichtlich doch... Noch ein Sturkopf. Und dazu wollte sie auch noch, dass Yaize es ihr gleich tat. Es wäre vermutlich auch zu einfach gewesen, sich ein anderes, ruhigeres Plätzchen für seine Mittagsruhe auszusuchen. Nach kurzem Zögern und rollenden Augen tappte dann auch die Füchsin resignierend aus der Deckung hervor und folgte ihrer Freundin erst langsam, dann in langen Sätzen zu ihr aufschließend.

Wie nicht anders zu erwarten war riss der Auftritt einer ausgewachsenen, schlecht gelaunten Pumadame die beiden Bären aus ihrer Balgerei. Erst recht, als einer der Bären durch das Anspringen besagter Pumadame zu Boden ging und seine Empörung lautstark zum Ausdruck brachte.

Yaize überlegte noch einen Moment lang, ob es zu spät war einfach umzukehren und zu tun, als wäre sie hier nie vorbei gekommen, doch dann begann Nyphteq schon die beiden Bären zurückzuweisen und irgendetwas in ihr meinte, die Puma im Zweifel vor sich selbst schützen zu müssen. Wo Bärenjungen waren, da war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Bärenmutter nicht weit entfernt war. Und Yaize zweifelte daran, dass Nyph in der Lage wäre sich hier wieder heile herauszureden, sollte es zu einem Missverständnis kommen. So erreichte sie die Raubkatze just in dem Moment, in dem diese Yaize direkt in die Sache mit hinein zog.

Na bravo... ich hätte abhauen sollen.

Die Rote sah mit wenig Begeisterung zu Nyphteq auf. Ein Ohr zuckte leicht und der Blick wanderte kurz zu den Bären, dann wieder zur Puma.

“So enden wie ich?"

Die Worte ein Flüstern. Wieder Irritation. Die Blicke von Füchsin und Puma trafen sich, doch die Botschaft der verzweifelten Aufforderung ihre Redekunst spielen zu lassen, kam nicht sofort bei Yaize an. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt sich zu fragen, was Nyphteq denn eigentlich meinen könnte.

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Re: Was du nicht willst, das man dir tu [vor Kap. 5] Yai & Nyph

Beitrag von Nyphteq » 3. August 2019, 01:02

Den fragende Blick, den Yaize zur Schau stellte, teilten zunächst wohl auch die Bärenjungen. Allerdings meinte Nyphteq, deren Augen noch immer auf der Füchsin lagen, förmlich im Nacken zu spüren, wie die runden, puscheligen Gesichter begannen, sich in Skepsis zu verziehen. Die Miene der Raubkatze wurde indessen nur verzweifelter. Wie konnte sie Yai ihren Wink nur eindeutiger verklickern, ohne dabei den Verdacht der Brummbären zu wecken?

Letztendlich entschied sich die Berglöwin für die einzige Idee, die ihr in den Sinn kam. Und diese war, es einfach noch einmal zu versuchen. Mit mehr Nachdruck und einem noch eindringlicheren Blick.

„Weißt du nicht mehr? Du hast mir doch diese Geschichte erzählt von den zwei Füchsen, die sich immer stritten, und bei der am Ende … du weißt schon was passiert ist…“

Die Stimme der Kätzin war beinahe verschwörerisch, ehe sie ihre Rede mit einem demonstrativen Hochziehen der Brauen beendete.

Bitte, Yaize…

ging es ihr durch den Kopf, denn ein Reserveplan, etwa selbst eine Geschichte zu erzählen, wollte in ihr noch nicht so recht aufkeimen. Mit etwas Glück konnte sie die Bären bestenfalls noch einen Moment hinhalten. So sprach sie die Unruhestifter, indem sich ihr Blick über die eigene Schulter hinweg nach hinten wandte, noch einmal direkt an.

„Eine schlimme Sache das. Darüber zu reden, würde wohl jedem schwer fallen.“

Passend dazu setzte Nyphteq eine betrübte Miene auf, was ihr überraschenderweise sogar sehr gut gelang. Es musste wohl daran legen, dass ihre Laune aufgrund der klingelnden Ohren ohnehin nicht auf der Höhe war. Und daran, dass sie im Notfall womöglich schnellstmöglich selbst mit irgendeiner Geschichte über zwei streitende Füchse aufkommen musste. Und das, wo sie doch so ein Fuchs-Experte war.
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Re: Was du nicht willst, das man dir tu [vor Kap. 5] Yai & Nyph

Beitrag von Yaize » 6. September 2019, 14:40

Es dauerte noch einen Moment, ehe der Füchsin ein Licht auf ging und Nyphteqs Botschaft vollends bei ihr angekommen war. Kurz wanderte Yais Blick noch einmal zu den beiden Bärenbrüdern und zurück zu Nyph. Die plüschigen Fuchsohren zuckten einige Male, als das Gehirn des Rotpelzes zu arbeiten begann und kurz schleckte die rosafarbene Zunge über die feine, schwarzglänzende Fuchsnase. So so, nun wollte die liebe Nyph Nyph also, dass Yai ihr den Pumahintern rettete. Oder zumindest einsprang um ihr die Ruhe zu bescheren, die sie sich so sehr wünschte. Das war also ihr Plan gewesen.

Die schimmernden, schwarzumrandeten Augen der Jungfüchsin fixierten die gold-grünen Augen der Puma mit einem vorwurfsvollen, ernsten Blick. Der jedoch wandelte sich schnell, als sich die Lefzen der Füchsin leicht nach oben zogen und ein listiger, frecher Schalk sich in Yaizes sich leicht verengenden Augen stahl. In einer einzigen, eleganten Bewegung setzte sich die Füchsin. Sie schwang ihre flauschige Fuchsrute um die grazilen Beine, wandte sich den beiden Bären zu und sprach mit ruhiger Erzählerstimme, zu Beginn mit exzellent gespieltem Vorwurf im Unterton.

"Schäm dich, Nyphteq. Du erwartest doch nicht wirklich, dass ich jetzt die Tatsachen verdrehe, nur damit die Geschichte weniger unangenehm für DICH wird, oder? Nein nein..."

Yaize schnalzte mit der Zunge, dann funkelte sie die beiden Bären an.

"Die Wahrheit ist, es handelte sich in der Geschichte um zwei Pumas, die sich ständig stritten. Für die Füchsin, die den beiden begegnete, war es indes am Ende weniger schlimm, wie ihr noch feststellen werdet. Aber dazu später mehr."

Sie wartete gar nicht erst ab, IHRE Geschichte zu erzählen. Sie wollte ihrer Freundin keine Gelegenheit schenken sich einzumischen. Deshalb redete sie nicht nur betont in ihrer spannendsten Erzählerstimme, sondern auch ohne lange Pausen einzulegen.

"Die zwei Pumas, sie waren Geschwister müsst ihr wissen, stritten sich den lieben langen Tag, seit sie auf der Welt waren. Wer konnte schneller auf Bäume klettern, wer besser Kaninchen jagen, wer schwamm besser, wessen Fell glänzte mehr, wer hatte die besseren Ohren oder wer würde später die hübscheren Kätzchen zur Welt bringen. Die Tiere des Waldes waren sehr schnell genervt von der vielen Streiterei, wie ihr euch sicher vorstellen könnt. Sie begannen nach und nach das Weite zu suchen. Doch eine tapfere Füchsin wollte sich nicht vertreiben lassen und stellte sich wagemutig den beiden Pumas entgegen. Sie schlug einen Wettkampf vor, um endgültig zu ermitteln, wer denn nun die beste Puma des ganzen Waldes war. Sie selbst würde als Schiedsrichterin fungieren um sicher zu gehen, dass keiner von beiden schummelte. Die Regeln waren einfach: Es ging darum, wer am längsten die Luft anhalten konnte. Beide behaupteten natürlich sofort, dass sie die wahren Meister im Luftanhalten seien und erklärten sich zu diesem kleinen Wettkampf bereit. Die Füchsin freute sich darüber, denn so würde zumindest für eine kurze Zeit lang endlich Ruhe einkehren. Doch kein Wettkampf ist gut, wenn es nicht wenigstens etwas zu gewinnen gibt. Da stimmt ihr mir doch sicher zu, oder?"

Sie hatte die Aufmerksamkeit der Bären nicht nur gewonnen, diese hingen ihr auch wortwörtlich an den Lippen. Beide nickten eifrig und wollten wissen, wie es weiter ging. Yaize ließ sie nicht lange warten.

"Also forderten die Pumas einen Preis. Die junge Füchsin überlegte kurz, ehe sie verkündete, dass die Verliererin der Siegerin einen ganzen Tag zu Diensten sein und alles tun musste, was die andere von ihr verlangte. Das würde am Ende, so die Hoffnung der Füchsin, für einen zusätzlichen Tag Ruhe im Wald sorgen. Die Idee kam sehr gut an, doch auch aus dem Preis musste ein Wettkampf gemacht werden. Es sollte nicht nur ein Tag sein, sondern zwei, drei, fünf, dann zehn, dann den ganzen Herbst über, dann ein ganzes Jahr und zuletzt… für den Rest des Lebens. Die Pumas trieben den Preis immer höher, schließlich waren beide sehr von sich selbst überzeugt. Der Gipfel war erreicht, als es dann plötzlich hieß, die Verliererin müsse nicht der Siegerin, sondern der Füchsin, ihrer Schiedsrichterin, den Rest ihres Lebens zu Diensten sein und jeden Wunsch erfüllen, komme was wolle."

Dies musste der Moment sein, in dem selbst Nyph begriff, dass dies nicht die Richtung einschlug, die sie sich wahrscheinlich vorgestellt hatte. Ein sehr kurzer Seitenblick, dazu ein leicht gehässiges Grinsen, dass kurz im Mundwinkel der Füchsin aufzuckte, aber auch schnell wieder verschwand. Immerhin musste die Geschichte zu einem Ende gebracht werden.

"Ihr müsst wissen, einem kleinen Geschöpf wie einem Fuchs zu Diensten sein zu müssen ist für einen Puma die maximale Demütigung. Das lässt sich nicht mehr steigern. Also begannen die beiden Geschwister mit dem Luftanhalten. Und ihr müsst wissen, egal wie gut ihr in einer Sache seid, es gibt fast immer jemanden, der mindestens ein kleines Bisschen besser ist. Dafür seid ihr dann in anderen Dingen vielleicht wieder besser. Mal so, mal so. Auf jeden Fall... wo ein Wettkampf ist, da gibt es IMMER einen Gewinner und einen Verlierer. Erst recht, wenn die Schiedsrichterin eine schlaue Füchsin ist. Und so kehrte nicht nur für die Dauer des Wettkampfs Ruhe im Wald ein. Da die Füchsin danach die Herrin über eine der beiden Pumas geworden war, konnte sie der Raubkatze wann immer sie wollte befehlen, klein bei zu geben und so jeden Streit schon im Ansatz schlichten. Es fällt euch vielleicht schwer zu glauben, dass ein stolzes Geschöpf wie ein Puma selbst bei verlorener Wette dazu bereit wäre, ihr Leben lang einem Fuchs zu dienen, doch ihr müsst wissen, dass Ehre ein sehr wertvoller Teil im Leben eines Pumas ist. Und Wettschulden sind Ehrenschulden..."

Selbst trotz dieser Erklärung schienen die beiden Bären nicht ganz überzeugt von der Geschichte zu sein und blickten einander skeptisch an. Nun war der Moment gekommen, auf den sich Yai schon gefreut hatte, als ihr die Idee zu dieser kleinen Erzählung gekommen war. Sie sah gebieterisch und mit gehobener Nase zu Nyphteq herüber und legte überbordende Dominanz in ihre Stimme.

"Ich befehle dir: Roll dich auf den Rücken!"
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