Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Rollenspielbereich: Betritt die Welt von Kihromah und werde Teil des großen Abenteuers
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Yaize
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Yaize » 22. April 2020, 15:18

Für einen den Bruchteil einer Sekunde hatte Yaize befürchtet abzustürzen und sich schon kurz darauf zwischen zwei Felswänden im tosenden Wasser der Schlucht wiederzufinden. Klar, sie war auf ihrer empfindlichen Nase gelandet, schmeckte Dreck, als sie diese mit einem hastigen Schlecker reinigte und auch ihr Pelz hatte sich ordentlich Schmutz zugezogen, aber immerhin blieb ihr die Schmach erspart von jemanden bei diesem wenig eleganten Absturz beobachtet worden zu sein. Garstige Kommentare waren besonders fies, wenn sie die Wahrheit sprachen. Die Füchsin fragte sich, wie oft ihr wohl ihr dusseliges Glück noch aus brenzligen Situationen helfen würde, während sie sich vorsichtig aufrichtete, umwandte und zum sprudelnden Wasservorhang zurück sah. Der Vorsprung des Höhleneingangs war deutlich größer und auch weniger vom Wasser glatt geschliffen und rutschig als die Stufen, die hinab führten, so dass ihr Tritt sicheren Halt fand. Als sie eine vertraute Stimme wahrnahm, spähte sie schräg hinauf zum Rand der Schlucht und entdeckte Nyala, die beinahe schon besorgt um sie schien. Yai legte den Kopf schief und sprach laut und sehr deutlich, um die Geräuschkulisse zu Übertönen.

"Tsss... Wonach sieht es denn aus?! Ich sehe mir natürlich diesen Weg hier an. Du wirst es nicht glauben, aber hier unten ist eine Höhle oder ein Gang oder so etwas Ähnliches und ich konnte in der Dunkelheit was sehen… so eine Art Schimmern oder Leuchten. Irgendwas ist da. Und das ist noch nicht alles..."

Als kurz darauf auch Nyphteq auftauchte, strahlte Yaize die Puma an und schwellte die kleine, pelzige Fuchsbrust. Dies war die perfekte Gelegenheit, den winzig kleinen Ausraster von eben ganz schnell vergessen zu machen und ihr angekratztes Ego wieder rein zu waschen.

"Ja, ICH habe was entdeckt! Eine Höhle und ein Schimmern darin und Stimmen, ganz viele Stimmen. Da ist irgendwas… oder… irgendwer, ich bin mir ganz sicher. Das ist bestimmt der weiße Rabe. Ich habe ihn bestimmt gefunden!"

Die Füchsin sah abschätzend von Nyph zu Nya und wieder zurück.

"Komm runter Nyph und sieh dir das auch an! Du bist nicht ganz so... so... ich meine du bist glaube ich etwas weniger... plump. Man muss nämlich sehr geschickt sein, die Vorsprünge sind etwas glatt aber es ist durchaus machbar. Für mich war das überhaupt kein Problem!"

Einen Schritt näher an den Rand des Höhlenvorsprungs tretend wollte sie gerade empfehlen, wie ihre Pumafreundin am Besten zu ihr runter kommen konnte, ohne es selbst wirklich zu wissen. Da erklangen die Stimmen wieder, dieses Mal lauter, tuschelnd und wispernd.

"DA! ICH HAB ES DOCH GESAGT!!!"

Fast in einem einzigen Satz machte Yaize eine 180-Grad Wende und spähte mit erwartungsvollem Blick wieder in den Rachen der Höhle, die Fuchsrute unruhig hin und her schwenkend. Sie verengte die Augen, konzentrierte sich und sah ganz genau hin. Doch das merkwürdige Schimmern war verschwunden und auch die Stimmen ebbten nach kurzem wieder ab.

Nanu…

[ auf dem Höhlenvorsprung | berichtet den anderen von ihrer heldenhaften Entdeckung ]

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Nyala
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyala » 21. Mai 2020, 22:43

Während das Wasser unaufhörlich in die Tiefe stürzte, die Gicht bis zu ihnen nach oben spritzte und der umgestürzte Baumstamm gleichzeitig wie eine Einladung und Falle aussah, musterte Nyala die fremde Raubkatze auf der anderen Seite einige Augenblicke. Irgendwie traute sie weder dem Graupelz noch der Silberkatze über den Weg, auch wenn sie beide bekannte Gesichter für einige ihrer Freunde waren. Vielleicht war genau das ein erneuter Streich dieses mysteriösen Waldes, zwischen dessen Bäumen es eigentlich keinen Wasserfall geben sollte.
Diese Mission war nicht nur irrsinnig, sie machte die weiße Wölfin auch zunehmend verrückter und immer misstrauischer. Was war echt? Wem konnte sie noch trauen? Ihre Ohren schnippten unruhig hin und her, bis ihr das Fehlen der kleinen Füchsin auffiel. Sie bekam gerade noch mit wie sich Kailan daran machte über den Baumstamm zu klettern, um die Schlucht zu überqueren. Etwas das ihr so gar nicht gefiel, nicht solange sie nicht alle wieder beisammen waren. Aber für Protest war keine Zeit mehr, immerhin bestand die Möglichkeit, dass Yaize in den Abgrund gestürzt war. Etwas, dass Nya nicht hoffte, aber befürchten musste.

Umso erleichterte war sie als sie das rote Fell auf einen der Vorsprünge hinter dem Wasserfall erkennen konnte. Die pampige Antwort ließ Nyala die Augen verdrehen, da machte sie sich einmal Sorgen! Beim nächsten Mal ließ sie Yai einfach zurück und kümmerte sich nicht um ihr Verschwinden! Dennoch wagte die Helle es auf den ersten rutschigen Vorsprung, während ihr das Fuchsohr von ihrer Entdeckung erzählte. Eine Höhle also? Vielleicht waren sie dem weißen Raben doch näher als gedacht, andererseits erschien ihr eine Höhle für einen Vogel ein ziemlich unpassender Platz zu sein. Das war eher etwas für einen Bären.
Ein Schimmern oder Leuchten! Auch das klang nicht besonders überzeugend in Nyas Ohren, eher wie ein weiterer Streich des Waldes.

“Hatten wir nicht gesagt, dass wir uns nicht trennen!?“,

sagte sie zu der Füchsin, die noch immer gespannt in die Dunkelheit blickte als auch Nyphteq sich zu ihnen gesellte und sich erkundigte, ob sie etwas gefunden hatten.

“Wenn wir Glück haben, dann stimmt es und du hast ihn wirklich gefunden.“

Auch wenn der kleine Rotpelz etwas überheblich klang, hätte Nya letztlich nichts dagegen, wenn sie ihr Ziel erreichten und es möglicherweise noch vor Anbruch der Dunkelheit wieder aus dem Walde schafften. Ihr Blick huschte kurz hinauf zu Nyphteq und dann auch zu Raaka, den Kailan offenbar hinter ihnen hergeschickt hatte.
"Komm runter Nyph und sieh dir das auch an! Du bist nicht ganz so... so... ich meine du bist glaube ich etwas weniger... plump. Man muss nämlich sehr geschickt sein, die Vorsprünge sind etwas glatt aber es ist durchaus machbar. Für mich war das überhaupt kein Problem!"
Der Kopf der Weißen ruckte herum und ihre Nase kräuselte sich etwas, wenngleich Yaize damit nicht ganz unrecht hatte. Ein Puma war deutlich geschickter auf diesem Terrain, dennoch war das schon eine Beleidigung, zumindest ein bisschen.

“Ich bin nicht plump!“,

knurrte sie leise zurück und machte auf dem Vorsprung etwas Platz, damit Nyph hinunter kommen konnte. Eigentlich gefiel es ihr nicht, dass sich ihre beiden Mitstreiter eventuell gleich weiter in die Höhle vorwagen wollten. Sie blieb auch nur deshalb zurück, weil sie somit noch den Rückweg und Raaka im Blick hatte.

“Raaka, was machen die ander…“,

das Wispern und Tuscheln unterbrach Nyala, deren Nackenfell sich unbewusst aufstellte. Ihr Blick huschte zurück zu Yai und den Höhleneingang, aus dem das Echo zu hören war. Also hatte die Füchsin in dieser Hinsicht die Wahrheit gesagt und da sie es alle ganz offensichtlich hören konnten, war es auch keine Einbildung. Allerdings ebbte das Geräusch nur wenige Herzschläge später wieder ab, ein letztes Echo aus der Höhle und es war wieder verschwunden.

“Was zum Vollmond war das?!“,

fragte Nyala und wagte es schließlich ebenfalls hinab, ganz gleich wie rutschig der Boden war. Sie sprang erst auf einen Vorsprung, rutschte gefährlich nahe an den Rand und kam schliddernd hinter Yaize an, wobei sie unsanft auf ihrem Hinterteil landete und dann ebenfalls in den dunklen Schlund spähte, aus dem die Stimmen eben kamen. Sie hob die Nase und witterte, doch wie schon im Wald fiel ihr nichts auf. Erneut blickte sie hinauf zu Raaka, der als einziges noch die Möglichkeit hatte, die anderen zu erreichen. Leichter als die anderen Drei auf jeden Fall.

“Wir sollten auf die anderen warten“,

murmelte sie und spürte gleichzeitig den inneren Drang das Wagnis einzugehen und sich die Höhle genauer anzuschauen. Hin- und hergerissen zwischen ihrer Pflicht als Leittier, die Gruppe zusammen zu halten und ihrer Aufgabe den weißen Raben zu finden, sah sie zu Nyphteq und Yaize, dann wieder zu Raaka.
Sie ahnte nicht was vor dem Wasserfall los war und mit was sich die anderen rumschlugen, dass der Baumstamm längst nicht mehr so einfach zu überqueren war, wie noch kurz zuvor wo Kailan ihn passiert hatte. Kurz suchten ihre braunen Augen einen Weg auf der anderen Seite, konnten sie von hier aus die Schlucht überqueren? Oder lag ihr Weg in der Dunkelheit der Höhle? Doch was war mit Kailan und Rhorax? Selbst für sie war es schwierig gewesen hier hinunter zu gelangen und der Pfad war schmal.
Nachdenklich schloss Nyala die Augen und atmete tief durch.

“Bleibt da!“,

befahl sie Fuchs und Puma, ehe sie zu einem beherzten Sprung ansetzte und erneut rutschend über den kleineren Vorsprung glitt, nur mit Mühe gelang es ihr sich noch rechtzeitig abzudrücken und wieder oben anzukommen. Beinah hätten ihre Pfoten den Halt verloren. Ihre Muskeln zitterten und doch legte sich ein fast schon süffisantes Lächeln auf ihre Lefzen.

“So plump bin ich wohl doch nicht!“

Mit diesen Worten sah sie hinauf zu Raaka und bat ihn ihr zu folgen. Nach wenigen Metern konnte sie Kailan und Vishuni auf der einen und Rhorax, sowie Farlan auf der anderen Seite der Schlucht erkennen. Ihre Aufmerksamkeit schien der alten Kiefer zu gelten, deren Oberfläche sich seltsam wirr bewegte. Erneut sträubte sich ihr Fell, weil sie die Maden an die Larven erinnerten, in die sie gebissen hatte.

“Flieg hinüber zu Kailan und berichte ihr von der Höhle, die Yaize entdeckt hat. Vielleicht finden die beiden von der anderen Seite einen Weg. Sag ihr auch, dass wir uns vielleicht doch aufteilen müssen“,

sprach sie im Laufen zu dem Raberich, ehe sie bei Rhorax und dem alten Graupelz zum Stehen kam. Sie hechelte leicht, das ganze Hin und Her kostete unnötige Kraft und Ausdauer, so dass sie ihre alte Kampfverletzung wieder spürte.

“Was ist passiert? Und woher kommen diese Viecher? Habt ihr auch die Stimmen gehört?“,

fragte sie die beiden und wollte am liebsten sofort zurück zum Wasserfall. Irgendwie hatte sie das Gefühl, sie könnte Nyph und Yai sonst verlieren.

[ bei Yaize / springt nach den Stimmen hinunter zu Fuchs und Puma / ist sich unschlüssig / kehrt gemeinsam mit Raaka zurück zu den anderen ]

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Kailan
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Kailan » 28. Mai 2020, 14:48

Kailan wollte Raaka gerade noch hinterherrufen, dass sie nur wissen wollte, wo die anderen Drei waren, als er auch schon auf und davon war. Sie verkniff sich ein gegrummel und beobachtete stattdessen das Verschwinden des Raben bis Vishuni sie ansprach. Die Bärin hatte sich über das vorherige Kompliment der Anderen gefreut, auch wenn sie keine Zeit gehabt hatte, um darauf einzugehen, konnte man es an ihrer Mimik erkennen und sie war schon sehr stolz auf sich. Schließlich antwortete die Pumadame auf Kailans Frage, wobei die Antwort deutlich anders als erwartet ausfiel und der Bärin trotz der miesen Situation ein Lächeln entlockte und sie antwortete fast genauso trocken, während sie leicht den Kopf hin und her wiegte:

„Wie du siehst ist mir dieser Versuch misslungen. Da habe ich wohl Pech gehabt…“

Sie vernahm die nächsten Worte Vishunis und hatte gerade darauf antworten wollen, als sie überrascht den Ruf ihres Namens vernahm. Sie war so überrascht davon, weil es Rhorax war und weil er beunruhigt dabei klang. Die Bärin drehte sich nach ihm um und erschrak. Plötzlich durchzuckte sie etwas und sie entfernte sich einige Schritte vom Baumstamm und drehte sich dann wieder um. Alles in ihr begann zu kribbeln und Ekel stieg in ihr empor. Fassungslos starrte sie immer noch den Baumstamm an, während sie das Flüstern und Tuscheln vernahm und sich so schnell sie konnte umsah. Aber sie konnte Nichts entdecken. Plötzlich wenige Atemzüge später verschwanden die Geräusche, nur die Maden blieben und vermehrten sich. Dies erinnerte Kailan an ihre letzte Flucht vor den Ska, als sie Asuka hatte zurücklassen müssen und ihr Blick glitt zu Vishuni. Sie würde dies nicht noch einmal tun. Bei ihrer letzten Mission war dies unausweichlich gewesen, aber diesmal würde es hoffentlich nicht dazu kommen. Sie bemerkte wie Nyala plötzlich wiederauftauchte und war sehr erleichtert darüber. Die Bärin konnte die Worte der Wölfin aber nicht hören. Schließlich traf sie aber eine Entscheidung und schaute zu der Pumadame. Entschlossenheit lag in ihrem Blick als sie sagte:

„Ich möchte mich soweit wie nötig von diesen Maden entfernen. Lass uns etwas weiter hinunter gehen, du wolltest doch zum Wasserfall. Also los. Aber wir bleiben erstmal auf Abstand bis Raaka bei uns war und uns sagt was los ist…“

Die Bärin wartete darauf, dass Vishuni vorging, so konnte sie den Raben im Blick behalten und ihn erwarten falls er losflog, außerdem konnte sie die Pumadame so auch besser verteidigen, falls die Maden sich nähern würden.

[ entfernt sich als die Maden auftauchen vom Baumstamm | ist erschrocken und ekelt sich | beschließt schließlich runter zu dieser Seite vom Wasserfall zu gehen | bleibt hinter Vishuni und wartete ob Raaka zu ihr kommt und um die Pumadame zu verteidigen ]

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Vishuni
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Vishuni » 4. Juni 2020, 16:44

Auch Vishuni blickte dem schwarzen Vogel nach und schüttelte unzufrieden den Kopf. Wie gerne sie einmal für einen Tag seine Flügel ausleihen wollte, nur um zu wissen, wie das war…
Doch sie war nicht der Typ, der sich kindischen Träumereien hingab und streckte stattdessen beinahe wie zur Bestätigung der eigenen Kraft und Anmut die Vorderbeine nach vorne aus und grub kurz die Krallen in den Boden, ehe sie sich wieder aufrichtete, und Kailan mit einem Zucken der Schnurrhaare ansah.

“Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal“,

setzte sie nach, bevor sie sich irritiert umwandte und den Bären verständnislos ansah, der hinter Kailan zurückgeblieben war. Doch noch bevor sie fragen konnte, was denn bitte sein Problem war und warum er hier so rumbrüllen musste, heftete sich ihr Blick, auf die unnatürlichen Bewegungen auf dem Baumstamm, den Kailan vor nicht einmal ein paar Herzschlägen überquert hatte. Ihre Ohren schnellten nach vorne und mit weit geöffneten Augen näherte sie sich langsam dem Stamm, beobachtete mit einer Mischung aus Faszination und Ekel, wie immer mehr bräunliche Maden begannen, den Stamm anzufressen. Vishunis Augen zuckten hin und her, beobachteten einzelne unglückliche Vertreter, für die der Platz auf dem Stamm nicht mehr ausgereicht hatten und die lautlos, fast gespenstisch in die Schlucht hinabfielen. Die Berglöwin grummelte leise und doch trat sie bis auf wenige Schnurrhaaresbreiten an den Baumstamm heran, unfähig den Blick von dem absurden Getümmel darauf zu lösen.

“Was zum…“,

begann sie, doch plötzlich vernahm sie noch etwas anderes. Leise Geräusche, ein Flüstern und Tuscheln erklang hinter ihnen, erhob sich um sie herum, wie ein Brummen oder Rauschen, weder zu fassen noch zu verstehen, doch es riss Vishuni augenblicklich aus ihrer Starre. Sie fuhr in einer einzigen Bewegung herum, sah sich mit zusammengekniffenen Augen um, doch sie konnte nicht ausmachen, woher die Geräusche kamen, sie schienen überall um sie herum zu sein und noch bevor die Berglöwin entscheiden konnte, wie sie darauf reagieren wollte, waren sie auch wieder verstummt. Mit zurückgelegten Ohren ließ sie ihre Augen durch den Wald fliegen, doch es war nichts und niemand zu sehen. Wütend sprang sie einen Satz vor und stieß ein herausforderndes Fauchen aus, doch niemand antwortete ihr. Mit wild schlagendem Schwanz und schnell pochendem Herzen wartete sie einige Augenblicke, bevor sie mit zornig funkelnden Augen zu Kailan zurückkehrte.

“Dieser verdammte Dreckswald! Was für ein verdreckter, stinkender Ort!“,

knurrte sie, verkniff sich aber weitere Schimpftiraden, als sie Kailans Blick bemerkte. Die Bärin schien ihre Wut nicht zu teilen, eher war sie sogar ein wenig besorgt. Vishuni schlug noch ein letztes Mal trotzig mit dem Schwanz und blickte dann zurück zum Baumstamm, der sich immer mehr aufzulösen schien. Oder aber er verschwand nur immer mehr vor ihren Augen, durch die Maden, die sich unaufhörlich zu vermehren schienen. Wo waren sie vorher gewesen? Hatte Kailan sie aus ihrem Schlaf gerissen? Oder war das alles so geplant, sollte die Gruppe getrennt werden, damit dieser verdammte Ort es leichter mit ihnen hatte? War dieses Flüstern ihr geheimes Zeichen gewesen? War es vor den Maden aufgetaucht oder danach? Sie konnte sich nicht erinnern…

Vishunis Kopf pochte, doch Kailan schien nicht zu planen, diesen Fragen näher auf den Grund zu gehen. Dennoch war ihr Vorschlag ebenso verlockend. Also nickte die Berglöwin ihr zu und nachdem sie einige Herzschläge abgewartet hatte dämmerte ihr, dass die Bärin ihr die Führung überließ. Sollte ihr recht sein, dann konnte sie auch das Tempo bestimmen und musste nicht ungeduldig hinter Kailans Hinterteil hertrotten.
Kurz blickte Vishuni nochmals zurück zu der weißen Wölfin, die sich nun auch auf der anderen Seite des Stammes eingefunden hatte und ihnen etwas zurief. Doch auch sie konnte die Wölfin nicht verstehen und wollte außerdem endlich das Rätsel des Wasserfalles lösen. Sie fragte nicht nach und machte auch nicht Kailan darauf aufmerksam, sondern machte sich im schnellen Trab auf den Weg zum Wasserfall. Auf dem Weg sah sie sich immer wieder ungeduldig nach dem Raben um, damit er sie auf den neuesten Stand bringen konnte. Als bräuchte sie dafür den Vogel... Sie hatte selbst Augen und Ohren...

[ wird zornig, hat den verdammten Wald langsam satt | nähert sich mit Kailan dem Wasserfall und übergeht dabei Nyalas Fragen | wartet auf Raaka ]

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Farlan
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Farlan » 5. Juli 2020, 12:58

Nun war es also soweit – und Farlan wohl mehr mittendrin statt nur dabei, als er sich jemals hätte träumen (und wünschen) können. Wo war eigentlich der Ausgang? Wäre man ihm wohl sehr böse, würde er einfach Reißaus aus diesem unheimlichen Szenario nehmen? Hm. Nein, diese Lösung schien wohl keine sehr gute zu sein.

Denn vor ihm hatte sich gerade die stattliche Bärin daran gemacht, sich über einen Baumstamm zu bewegen, über den selbst Farlan sich nicht getraut hätte, da konnte das Ding noch so mächtig und nach außen hin vertrauenerweckend aussehen! Für diese Aktion hatte sie sich einen ziemlichen Haufen an Respekt verdient, soviel stand schon einmal fest. Wobei der Bunte ohnehin zumindest vor Bären mehr Respekt zu haben schien als beispielsweise vor…nun…Flattermännern.

So hielt er sich zunehmend an den großen Braunen neben ihm, dessen Name er vermutlich schon wieder vergessen hatte – falls sich jener vorgestellt hatte. Was das Kurzzeitgedächtnis Farlans anging, hatte man es mit einem durchlöcherten Baumstamm zu tun. Nur auf die Maden musste man – glücklicherweise – verzichten.

„Mag mir vielleicht, möglicherweise, eventuell jemand erklären, was hier vor sich geht? Was ist das für ein komischer Ort? Wer seid ihr? Und überhaupt…darf man seinen Lebensabend nicht einmal in Ruhe verbringen?“

Das klang anklagender, als es gemeint war. Aber Farlan wandte den Blick auch gleich zum großen Braunen, der ihm hier noch der sympathischste Zeitgenosse schien – wobei sich Farlan da natürlich auch, und das wäre nicht das erste Mal, ziemlich deutlich getäuscht haben konnte. Aber das würde wohl die Zeit zeigen.


[wirkt ein wenig überfordert mit der Situation und beschließt, sich an Rhorax zu halten]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyphteq » 9. Juli 2020, 20:16

Nyphteq hatte vor ihrer Ankunft am Wasserfall noch letzte Wortfetzen einer Unterhaltung mithören können. Yaize hatte irgendetwas von einem Leuchten erzählt und noch ehe die Raubkatze sich einen Reim auf diese Worte machen konnte, spuckte ihr Hirn bereits das verstörende Bild einer leuchtenden Füchsin aus. Vielleicht hatte die Rote aber auch das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels gesehen. Dass sie mit dieser Vermutung im wörtlichen Sinne gar nicht so falsch lag, sollte die Katze erst noch lernen. Sie war allerdings dennoch erleichtert als sie, nachdem sie die letzten zwei Schritte um den Wasservorhang getan hatte, die Füchsin zwar einige Längen tiefer im Bauch der Höhle aber wohlauf vorfand und diese ihr direkt eine Antwort auf ihre Frage entgegenflötete.

Zugegeben, Yaizes Anblick erinnert die Berglöwin ein wenig an den eines jungen Kätzchens, das in ein Loch gepurzelt war und nun so tat, als wäre das genauso geplant gewesen. Nur dass die Füchsin, statt sich demonstrativ über die Pfoten zu lecken, wie es eine Katze getan hätte, eine stolzgeschwellte Brust zur Schau stellte und man ihr das Selbstbewusstsein durchaus abkaufte. Weniger glaubhaft waren da allerdings ihre Worte. Ein Schimmern und Stimmen? An jedem anderen Tag hätte Nyphteq das als die Phantasien einer Besessenen abgetan. Heute allerdings und in dieser verfluchten Umgebung war das leider durchaus im Rahmen des Möglichen.

Nyphteq schätzte gerade den besten Weg hinab in die Höhle ab, als das Geräusch von gepeitschter Luft an ihre Ohren drang. Sie musste sich nicht umdrehen um zu wissen, dass Raaka im Anflug war. Die krächzende Stimme des schwarzen Flattermanns tönte wie erwartet nur wenige Augenblicke später an ihr Ohr. Ein kurzes Nicken in Richtung der Höhle beantwortete seine erste Frage. Als er aber erzählte, dass Kailan bereits auf der anderen Seite der Schlucht war, und wohl den Baumstamm zum Überqueren genutzt hatte, wandelte sich ihr Ausdruck in ziemliche Skepsis um. Raaka neigte doch schon mal zum Übertreiben, aber wenn Kailan wirklich über jenen Stamm balanciert war… Respekt! Doch sei es drum, sie war eben drauf und dran gewesen, den eigenartigen Erscheinungen, von denen Yaize berichtet hatte, auf die Spur zu gehen und so setzte sie eine Pfote vor die andere und landete mit einem leichten Satz auf einem noch recht gut begehbaren Felsvorsprung, der die erste einer Handvoll Stufen auf ihrem Weg ins innere der Höhle darstellte.

Eigentlich hätte sie die nächste schmale Stufe übersprungen, um auf einem bestimmten Vorsprung zu landen, der weniger rutschig aussah, aber ihre Muskeln waren erstarrt und der Versuch, sich im ersten Affekt dagegen zu wehren, erstarb keinen Atemzug später. Der Wind hatte gedreht und es schien als zöge er aus den Untiefen der Höhle unter ihren Pfoten das Tuscheln und Wispern tausender Stimmen hervor, das eiskalt über ihren Pelz glitt und ihr die Haare abstehen ließ.

Was zum…!

Verlassen wollten die erdachten Worte ihren Fang nicht, zumal ihre Ohren zu sehr damit beschäftigt waren, irgendwelche Sätze oder wenigstens Wörter aus dem Gemurmel herauszuhören. Vergebliche Bemühungen, denn selbst wenn sie in der Lage gewesen wäre, einzelne Stimmen herauszufiltern, hätte sie nicht einmal mit Sicherheit sagen können, dass diese überhaupt ihre Sprache sprachen. Aber, und das kam jetzt durchaus als Erleichterung, sie war offensichtlich nicht die einzige, die dieses Getuschel gehört hatte, das bald so überraschend verstummte, wie es aufgekommen war.

Nyphteqs Blick glitt prompt zu Nyala, die genauso überrascht zu sein schien, dann zu Yaize, die deutlich weniger beunruhigt als viel mehr triumphierend wirkte. Die Raubkatze musste unwillkürlich den Kopf schütteln, auch wenn Yaize recht gehabt hatte und der Drang, der Sache auf den Grund zu gehen und diese vermaledeite Höhle zu untersuchen jetzt noch größer war.

Zwei Sätze, die ob des rutschigen Bodens zwar mitnichten zu ihren Glanzleistungen gehörten aber immerhin zweckdienlich waren, brachten die Berglöwin schließlich nach unten in die Höhle. Und während sie, neben Yai stehend, in die Dunkelheit hineinstierte, fiel ihr auf, wie stark der dichte Wasservorhang die Geräusche der Außenwelt vor ihnen verschluckte.

“Hier unten hört dich niemand schreien“,

sprach sie leise an sich selbst gewandt und scheiterte bei dem Versuch, ein leichtes, bizarres Grinsen zu unterdrücken. Humor war sicher nicht ihre Stärke, aber trotzdem noch die beste Methode, um mit einer Situation wie dieser umzugehen.

Als Nyala sich kurz darauf absandte und den beiden Verbliebenen befahl, zu warten, hatte Nyphteq eine recht konkrete Idee, was dabei ihre Aufgabe war – sicherstellen dass Yaize nicht abhanden kam. Also setzte sich die Katze sehr demonstrierend auf die Hinterläufe und bedachte die Füchsin mit einem ruhigen Blick.

„Erzähl mir doch einmal ganz genau, was du hier unten gesehen und gehört hast. Und wieso bist du kleine Spitzmaus eigentlich alleine hier heruntergewandert?“

Vielleicht hatte die Rote ja noch ein paar brauchbare Informationen preiszugeben. Auf jeden Fall hoffte die Katze, sie so eine zeitlang beschäftigen zu können.

[ In der Höhle hinterm Wasserfall | schließlich mit Yaize allein ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Spielleitung » 8. September 2020, 15:16

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UPDATE:
Am Ziel?

Die den Baumstamm bedeckenden Maden wurden so zahlreich, dass bald nur mehr eine große, wabernde und sich windende Masse aus unzähligen Lebewesen zu sehen war. Und dann geschah etwas, das wenn überhaupt nur schwer zu erklären war: Binnen weniger Atemzüge funkelten und leuchteten die Larven wie kleine Sterne, verwandelten sich in Motten und andere Falter und stoben langsam hinauf in den Himmel. Das Licht, das dieser Verwandlung beiwohnte, blendete diejenigen, die das Spektakel betrachten wollten. Mehr und mehr von ihnen lösten und verbanden sich zu einer großen, nach oben aufsteigenden Wolke. Und dort, wo eben noch ihre stabile und unverrückbare Brücke über die Schlucht gewesen war, war nun, als auch der letzte Falter sich davon machte, nicht mehr als gähnende Leere geblieben. Der Baumstamm war verschwunden.

Fiberhaft auf der Suche nach einer Möglichkeit die Gruppe wieder zu vereinen war es Nyphteq, die sich neugierig aber mit gemischten Gefühlen tiefer in den Höhlenpfad hinter dem Wasserfall hineinwagte und nach wenigen Schritten eine Abzweigung entdeckte, die wieder hinaus ans Tageslicht führte. Gut verborgen zwischen zwei Felsen tauchte sie auf der Seite von Vishuni und Kailan auf, die Freude groß, dass es nun einen relativ sicheren Pfad gab, der beide Seiten miteinander verband. Es folgten einige Absprachen, teilweise wild über die Schlucht gerufen und schließlich waren sich Kailan und Nyala mehr oder weniger einig, dass es keinen Grund gab einem der Pfade zu folgen, die sie oder Vishuni hierhergebracht hatten. Und da Yaize weiterhin felsenfest behauptete am Ende des Tunnels hinter dem Wasserfall Licht und Stimmen vernommen zu haben und dies die einzige Spur war, die sie noch hatten, wählten sie diese Route.

Der Tunnelpfad war düster und kühl und nur gelegentlich schien hier und dort Licht durch Felsspalten, wobei schwer zu sagen war, woher es rührte. Sie mussten hintereinander gehen und tappten langsam und vorsichtig durchs Zwielicht. Raaka, von Nyala angewiesen zu spähen, flog gerade immer so weit voraus, dass sie einander noch sehen konnten und sicher war, dass ihnen keine Gefahren drohten. Während Rhorax und Kailan, der eine nüchtern und knapp, die andere ausführlich und frustriert, von ihren Erfahrungen im Wald berichteten, ergänzten Vishuni und Farlan das Gesamtbild mit Erzählungen aus ihrer Perspektive. Der Pfad zog sich in die Länge doch schließlich gelangten sie nach einer gefühlten Ewigkeit wieder ans Tageslicht.

Vor ihnen lag eine weite Lichtung, bewachsen mit Gräsern und Blumen die keiner von ihnen je zuvor gesehen hatte. Erstaunlicherweise war es Nacht, auch wenn sämtliche inneren Uhren der Gruppe irritiert protestierten, dass das gar nicht sein könne. Ein gewaltiger Vollmond stand am Himmel, so scharf und klar, dass man einzelne Krater an seiner Oberfläche erkennen konnte. Tatsächlich schien er hier so riesig wie ihn noch nie jemand in seinem Leben zuvor erlebt hatte. Er tauchte die Szenerie in ein gespenstisches Licht. Über den Gräsern leuchteten zudem Glühwürmchen gleich kleine Lichter, die sich bei näherer Betrachtung als Pollen erwiesen, die jedes Mal aufstoben, wenn jemand einen Schritt auf der Lichtung tat. Aus den Bäumen vor ihnen wand sich eine hellblau glühende, von Nebel umwaberte Gestalt: Ein ausgewachsener, majestätischer Hirsch mit einem prächtigen Geweih. Er schritt zielstrebig auf die Gruppe zu und sprach mit einer hellen, friedfertigen Stimme zu ihnen.

"Ihr habt es weit geschafft, Reisende. Rastet, denn bei Tagesanbruch wartet die letzte Prüfung auf euch. Seid bereit, den weißen Raben zu treffen."

Mit jedem Schritt, den der Hirsch näherkam, wurde er schemenhafter und durchsichtiger, bis man die Konturen nur noch schwer ausmachen konnte. Dann verband er sich mit dem ihn umgebenden, nun ebenfalls blau schimmernden Nebel, verteilte sich langsam über den Boden und löste sich auf. Letztendlich herrschte wieder gespenstische Stille.


Hinweise: Ihr könnt an diesem Ort...
  • ...einen kleinen, seichten Tümpel voll klarem Wasser entdecken, in dem sogar einige größere Karpfen herumschwimmen (wie auch immer die da hineingekommen sind)
  • ...den Tunnel der euch hergeführt hat erneut betreten, wobei ihr nach einigen Schritten wieder aus derselben Öffnung auf der Lichtung herauskommt
  • ...versuchen durch den Wald zu entkommen, doch je weiter ihr durch den Wald streift, desto mehr Gestrüpp und Dornenranken versperren euch den Weg und machen ein Vorankommen unmöglich
  • ...nach weiteren Pfaden, Spuren oder Witterungen suchen, werdet jedoch nichts finden können
  • ...die leuchtenden Pollen näher untersuchen, doch weder schmecken, noch riechen sie nach irgendwas
  • ...bei sehr, sehr genauem Hinhören (vor allem wenn ihr ausgezeichnete Ohren habt) immer mal wieder helle, weit entfernt klingende Stimmen wispern hören, jedoch ohne klare Worte zu vernehmen
  • ...wenn ihr Federn habt versuchen höher zu fliegen und euch einen Überblick zu verschaffen, doch schon nach wenigen Flügelschlägen werden eure Schwingen unglaublich schwer und träge, so dass ihr es selbst mit größtem Willen nicht über die Baumwipfel schafft

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Yaize
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Yaize » 8. September 2020, 19:24

Yaize hatte sich im Laufe ihres Lebens unzählige Male in selbst gegrabenen oder fremden Bauten und Tunneln herumgetrieben, von der Wurfhöhle ihrer Mutter bis hin zum eigenen, kleinen Heim unter einer alten Eiche. Meistens war sie abgetaucht, wenn sie versucht hatte einer unangenehmen Sache aus dem Weg zu gehen, egal ob Lebewesen oder Situation. Sich unter der Erde zu verkriechen hatte durchaus seine Vorteile, doch der klamme, finstere Tunnel inmitten dieses verrückten Waldes hatte keinesfalls etwas Beruhigendes. Ganz im Gegenteil. Je länger ihr Weg untertage dauerte, desto mulmiger wurde das Gefühl im Magen der jungen Füchsin und die innere Unruhe war ihr deutlich anzumerken. Immer wieder leckte ihre kleine, hellrosa Zunge über die spitze Fuchsnase und die buschige Rute mit der weißen Spitze wischte unstetig über den kalten, steinigen Untergrund. Beständig richteten sich ihre Ohrmuscheln neu aus, auf der Suche nach dem Wispern und Tuscheln, dass sie noch am Wasserfall meinte vernommen zu haben. Gleichzeitig folgte ihr Blick Raakas Schwanzfedern bei jedem Spähflug voraus, darauf wartend, dass der Schnabel ihres dunklen Begleiters irgendeine Neuigkeit verlautbarte. Erleichterung machte sich in ihrer Brust breit, als das Licht am Ende des Tunnels heller wurde und das so das Ende ihrer unterirdischen Reise verkündete.

"Na endlich...",

murmelte sie leise und tappte hinaus auf die vor ihnen liegende Lichtung. Mit offen stehendem Maul blieb sie nur wenige Schritte später stehen und beobachtete die Umgebung und vor allem den Himmel ungläubig. Obwohl ihr Zeitgefühl ihr sagte, dass es höchstens früher Nachmittag sein konnte, stand ein gewaltiger Mond direkt über ihnen und beleuchtete eine überaus unnatürliche anmutende Nacht. Voller Faszination betrachtete sie die Oberfläche des Himmelskörpers, den sie noch nie so nah erlebt hatte. Ihr Herz pochte aufgeregt. Wieder einmal merkte sie, dass etwas nicht stimmen konnte doch dieses Mal, so schien es zumindest, war es nicht so bedrohlich wie die bisherigen Ereignisse. Als ein geisterhaftes Wesen auf sie zuschritt und begann, zu ihnen zu sprechen, lief ihr ein kalter Schauer über den Rückenpelz, so dass sich ihre Nackenhaare aufstellten. Eilig suchte sie Schutz hinter dem sicheren Vorderbein ihrer Freundin Kailan. Um die Tatze herum schielend beobachtete sie, wie der Spuk immer näher kam, lauschte mit gespitzten Ohren den Worten des Geistes und beobachtete fassungslos, wie sich die Gestalt vor ihren Augen in Nebel auflöste. Sie spürte, wie ihr Maul trocken und rau wurde, selbst Schlucken und das Maul lecken half nicht mehr. Ihr Herz pochte noch eine Nummer schneller, als sie aufgeregt mit heiserer Stimme sprach.

"Sagt mir bitte, dass ihr das auch gesehen habt... habt ihr doch, oder? War das... ein Geisterhirsch?"

Vorsichtig tat sie wider ein paar Schritte aus dem Schutze Kailans hervor und witterte dort, wo der Nebel verschwunden war. Doch was auch immer soeben geschehen war, was für ein Geschöpf auch immer zu ihnen gesprochen hatte, es hatte nicht die Spur einer Fährte hinterlassen.

Als sie einen weiteren, vorsichtigen Schritt vor tat, die Pfote behutsam auf den Boden setzte, berührte ihre Schulter eine der hier blühenden Blumen. Auf die Erschütterung hin stoben einige Pollen auf und schwebten langsam in die Luft. Sowie sie die Reichweite der Blüte verließen, flackerten sie auf und leuchteten schließlich in einem warmen, gelblichen Licht, ähnlich wie die Sterne über ihnen, nur viel näher. Dabei schwebten sie langsam schlingernd über den Gräsern, so als würde ein steter Windhauch sie von unten in der Luft halten.

"Whoaaa… ist das schön."

Yaize staunte und sah mit weit aufgerissenen Augen zu den über der gesamten Wiese tanzenden Lichtern. Sie spiegelten sich in ihren Pupillen und faszinierten die Füchsin so sehr, dass sie jegliche Furcht und Vorsicht vergaß. Es gab kaum etwas vergleichbar Tolles, dass sie im Verlauf ihres Lebens gesehen hatte.

[ erst bei Kailan, dann etwas Voraus | sucht erst Schutz, lässt sich dann von der Umgebung faszinieren ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Raaka » 9. September 2020, 16:14

Auch, wenn so ein Rabenschädel im Vergleich zu denen anderer Tiere nicht besonders groß war, so konnte man Raaka für gewöhnlich doch zugestehen, dass er den vorhandenen Platz recht effektiv ausnutzte. Sicher, etliche Fantastereien waren darunter, die jedoch einem klugen und gewitzten Köpfchen wenig Abbruch taten. Was er aber heute gesehen und erlebt hatte, brachte selbst den Raberich an seine Grenzen. In seinen kühnsten Vorstellungen hätte er wohl niemals gewagt zu glauben, einmal Zeuge zu werden, wie sich ein ganzer, massiver Baumstamm in Form von abertausenden Flatterviechern in Luft auflöste. Dazu kamen die Tuschelstimmen, die er sich von Yaize, die ja so etwas wie eine Hauptzeugin war, auf dem Weg durch die Höhle noch einmal ganz detailliert beschreiben hatte lassen. Und nun weitete sich vor ihren Augen eine im wahrsten Sinne des Wortes traumhafte Lichtung, die im Schein eines atemberaubenden Vollmondes nahezu glänzte.

Die Funkellichter und Glitzerpollen konnten den Raben aber nur einen Moment lang faszinieren, ehe sein Blick auf eine wahrhaft imposante Gestalt gelenkt wurde, die den schwarzen Vogel mit offenstehendem Schnabel stehen ließ. Ein Hirsch, der scheinbar aus Nebel bestand und dessen Stimme, ganz im Gegensatz zu seinem Körper, hell und klar war. Ein leichtes Zittern ging durch das schwarze Gefieder, als der geisterhafte Hirsch sprach. Die Rabenaugen aber hafteten auf dem majestätischen Geweihträger, so als sauge dieser den Blick seines Gegenübers förmlich an sich. Raakas Pupillen waren so groß, dass sich das helle Mondlicht in ihnen spiegelte und sie damit förmlich zum Leuchten brachte. Gerne hätte er protestiert, den Hirsch gebeten, noch bei ihnen zu bleiben, doch seiner Kehle wollte kein Laut entrinnen, bis das Geschöpf nicht mehr als ein wabernder Nebelschleier war, der langsam über den Boden dahinglitt.

„Ich glaube…“,

begann Raaka schließlich, wobei die Ehrfurcht über das eben gesehene noch deutlich in seiner Stimme zu vernehmen war.

„Ich glaube, das war ein Nebelhirsch.“

Wer Raaka auch nur einen Moment lang kannte, den durfte diese Aussage nicht verwundern. Natürlich war diese Erscheinung für seine Theorien ein gefundenes Fressen. Es gab also neben Wolkenwölfen und -Raben noch weitere besondere Geschöpfe und die eben gesehene Erscheinung war doch beweis genug dafür! Raaka musste an seine gefiederten Verwandten aus Kindertagen denken wie auch an viele andere Bekanntschaften, die er während seiner Reisen gemacht hatte und die seine Geschichten als Blödeleien abgetan hatten. Wenn die wüssten, dass er die ganze Zeit recht gehabt hatte!

Den Raberich überkam eine unvergleichliche Euphorie. Sie hatten einen Nebelhirsch gefunden und der Wolkenrabe war ebenfalls nah! Alles, was sie noch tun mussten, war an diesem fantastischen Ort zu rasten. Die vorhin erwähnte letzte Probe war längst aus seinem Gedächtnis verdrängt. Raakas Blick löste sich von der Stelle, an der zuvor der Nebel in den Boden gesickert war und huschte zu jedem einzelnen seiner Gefährten, ehe er an Yaize hängen blieb, die soeben einen Blütensternenregen losgetreten hatte, der dem Vogel ein vergnügtes Keckern entlockte. Er konnte kaum anders, als die Flügel zu spreizen, zu Yai zu hüpfen und damit einen breiten Streifen funkelnder, glitzernder Pollen zu entfachen, die hinter ihm aufstoben wie ein verzauberter Schleier. Als er die Füchsin erreicht hatte, sprang und flatterte er um sie herum, bis ein flirrender Nebel aus tanzenden Sternen sie beide umfing und lachte dabei mit der Heiterkeit eines Nestlings. Einst hatte er mit Nyala zusammen im Wind getanzt, heute tanzte er gemeinsam mit seinen Freunden in den Sternen.

[ bei den anderen | beobachtet erführchtig den Hirsch | springt dann Yai hinterher und tänzelt durch die Wiese ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Vishuni » 11. September 2020, 20:45

Nach einer gefühlten Ewigkeit, die sie hinter massigen Bärenschultern durch enge, dunkle Tunnelgänge gestapft war, konnte Vishuni allmählich schemenhaft einzelne Haarsträhnen identifizieren und ihre feine Nase roch, dass die Luft leicht frischer wurde. Sie spürte, dass sie endlich das Ende erreicht hatten, noch bevor Kailan vor ihr den Höhlengang verließ und ihren Blick freigab.

Doch kaum angekommen, blieb sie wie angewurzelt stehen. Sie hatten den Tunnel bei vollem Tageslicht betreten und niemals so viel Zeit darin verbracht, dass nun tiefste Nacht hätte sein können. Das Fell der Berglöwin prickelte unangenehm, als sie langsam einige Schritte auf die Lichtung hinaustrat. Der Mond war so riesig, wie sie ihn nie zuvor gesehen hatte und tauchte die Lichtung in ein kühles und unnatürlich helles Licht. Leuchtende Pollen flogen um sie herum, versperrten ihr die Sicht und lenkten ihren sie ab mit ihrem seltsamen Leuchten.
Als ihr Blick auf den blau schimmernden Hirsch fiel, hätte Vishuni nicht sagen können, wie lange er dort schon stand und gefühlt direkt durch sie hindurchsah. Doch ihr Fell stellte sich erschrocken auf und ihre Krallen gruben sich augenblicklich wie Dolche in den Boden. Als das Vieh sich auf die Gruppe zu bewegte, drang ein leises Knurren aus dem Maul der Berglöwin, doch die Stimme des Paarhufers war eigenartig beruhigend. Außerdem löste er sich immer mehr vor ihren Augen auf, verschwand in der Nachtluft, verteilte sich bläulich schimmernd über der Wiese, bis er gänzlich verschwunden war.

Vishuni blinzelte ein paar Mal heftig, als könne sie so die merkwürdige Begegnung begreifen. Der kleine Fuchs riss als erstes das Maul auf, Vishunis Ohren zuckten zurück, beleidigt von der hohen Pieps-Stimme, die fast schon schmerzhaft an ihr Trommelfell fuhr. Beinahe wie ein Angriff auf ihr Gehör, nach dem sanften Klang der Stimme des blauen Hirsch-Wesens. Die Worte, die die Stimme formten, waren allerdings auch nicht besser. Ein Geisterhirsch… sicher.
Der Flattervogel war der nächste, der den Schnabel aufriss und selbstsicher von Nebelhirschen schwadronierte. Aber klar, was auch sonst...
Vishuni unterdrückte ein erneutes Knurren und ließ ihren Blick stattdessen nachdenklich über die Lichtung schweifen. Was ging hier vor sich? Wo waren sie? Und wo ging der Weg weiter?

Vishuni hatte eigentlich vorgehabt, Fuchs und Raben vorerst zu ignorieren, bis sich aus ihren zweifellos angegriffenen Gehirnen wieder einigermaßen sinnvolle Gedankengänge formten. Doch als beide nun wie Welpe und Küken begannen, auf der Lichtung herumzutollen, riss ihr dünner Geduldsfaden. Es war eine Mischung aus Zorn und Enttäuschung, die sich in ihr aufbaute, vor allem darüber geglaubt zu haben, hier eine Kampftruppe vorfinden zu können. Stattdessen schien das hier mehr eine Selbsthilfegruppe für geistig minderbemittelte Wesen zu sein.

“Könntet ihr euch verdammt nochmal zusammenreißen?“, fauchte sie und stapfte mit wütend aufgestelltem Fell auf die beiden zu.

“Das hier ist nicht eure Spielwiese! Macht euch gefälligst nützlich und sucht den Ausgang, damit wir endlich diesen beschissenen Raben finden und hier wegkönnen!“

Ihr Schwanz peitschte wütend hin und her und ihr glühender Blick schoss zwischen den beiden hin und her, bohrte sich förmlich in ihre Gesichter, abwartend, fordernd. Die nervigen Pollen stoben dabei auf, waberten leuchtend um die Berglöwin herum, landeten auf und neben ihr und ließen sie unwirsch den Kopf schütteln, wenn sie ihren Augen und Ohren zu nahekamen.

[ schaut sich auf der Lichtung um | wird wütend über das Verhalten von Yaize und Raaka | stellt sie zur Rede ]

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