Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Rollenspielbereich: Betritt die Welt von Kihromah und werde Teil des großen Abenteuers
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Kailan
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Kailan » 12. Januar 2020, 17:57

Die Antworten des Wolfes auf Kailans Frage waren nicht sehr aufschlussreich, sondern ärgerten sie eher, aber es würde vermutlich nichts helfen ihm dies mitzuteilen. Also beschloss sie zu schweigen. Als sie alle an der Schlucht ankamen, wurde die Bärin allmählich grummelig. Auch sie hatte mit jedem Meter mehr die Schnauze gestrichen voll von diesem Wald. Das hier ging einfach so gar nicht mit rechten Dingen und folgte auch keiner Logik, welche nachvollziehbar gewesen wäre. Es machte einfach in keinster Weise irgendeinen Sinn. Sie grummelte, es war ein leises kaum zu vernehmendes Grummeln, aber es half ihr nicht zu knurren so wie Nyala es tat. Kailan schaute sich die Lage der Gruppe an, indem sie ihren Blick durch die Landschaft schweifen ließ. Es erfreute sie aber immer weniger, dieser Fluss und auch diese Schlucht, sie waren einfach riesig und was noch viel schlimmer war, sie konnte sich nicht daran erinnern jemals von so einer Schlucht oder diesem Fluss gehört zu haben. Sie hatte keine Lust mehr auf diese Mission, aber vielleicht standen die Chancen dann nicht schlecht den weißen Raben zu finden, wenn hier alles andere schon so unnatürlich war. Nyala übernahm die Führung, was Kailan gar nicht so unrecht war. Sie beide ergänzten sich wirklich gut und ihr selbst gefiel ihre Position auch allmählich immer besser, aber sie hätte sich eine andere Mission gewünscht, nicht das hier. Denn immer wieder kam ihr der etwas beänstigende Gedanke, was wäre, wenn sie nie wieder aus diesem Wald herausfinden würden. Aber immer, wenn er kam, verdrängte ihn Kailan schnell wieder, sie verbat es sich für die anderen die Nerven zu verlieren. Außerdem würde es ihr auch nichts bringen. Rhorax kam sofort der Aufgabe nach, welche Nyala ihm zugeteilt hatte und kam schließlich zu dem Ergebnis, dass der Baumstamm gut genug war, um darüber zu laufen oder zumindest stabil und unbeweglich. Ein gutes Zeichen, sie selbst ging schließlich auch zu diesem und besah ihn sich genauer. Sie wagte nun sogar nachdem Rhorax ihn getestet hatte, das Betreten des Baumstammes, auch das funktionierte gut und es wäre zumindest einen Weg, auf welchem sie weiterkommen würden. Kailan ging wieder von dem Baumstamm herunter und sah zu den anderen in der Gruppe. Raaka war schon von ihrem Rücken heruntergeflogen bevor die Bärin den Baumstamm betreten hatte.

Plötzlich hörte sie ein Brüllen und drehte sich sofort wieder um, ziemlich fix war auch schon Nyala neben ihr und äußerte das es nicht Sayblee war und sie vorsichtig sein sollten. Aber woher kannte Kailan sie dann. Die Bärin hatte eben schon den Baumstamm betreten und tat es nun wieder, sie machte nur einen Schritt und schaute dann nochmal zu der Pumadame. Da erkannte sie plötzlich Vishuni. Dies erfreute sie in vielerlei Hinsicht, erstens bedeutete dies keine Gefahr, zweitens hieß es, dass sie nun mittlerweile vermutlich schon Mitglied des Widerstandes war. Drittens, dass sie noch mehr Unterstützung hatten und außerdem der wichtigste Grund für Kailan von allen, sie mochte die Pumadame, auch wenn diese es vermutlich nicht verstehen konnte, aber sie mochte sie wirklich. Deswegen bewegte sich die Bärin langsam und im Rückwärtsgang zurück vom Baumstamm herunter und meinte dann zu den anderen mit ruhiger Stimme und einem Unterton, welcher hoffentlich keinen Irrtum zulassen würde:

„Ich kenne sie… Das ist Vishuni, ich habe sie vor dieser Mission kennengelernt, als wir Pause beim Rat eingelegt haben…Von ihr geht keine Gefahr aus.“

Dann bewegte sie ihren Blick wieder zu Vishuni und schließlich entschied sie sich auch für ein Gebrüll:

„Vishuni… Ich bin es Kailan“

[tritt auf den Baumstamm um ihn zu testen | geht wieder herunter | hört das Gebrüll | klettert wieder auf den Baumstamm, um sich den Puma näher anzusehen | erkennt Vishuni | geht wieder von dem Baumstamm | spricht zu den anderen | brüllt dann Vishuni zu]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Vishuni » 15. Januar 2020, 13:02

Gespannt und mit wild klopfendem Herzen wartete sie ab, was geschehen würde. Die grünen Augen folgten jeder Bewegung auf der anderen Seite, hefteten sich an die anderen Tiere, die scheinbar aus dem Nichts auftauchten und misstrauische Blicke hinüberwarfen. Vishuni starrte zurück, ohne zu zucken. Sie war sich so sicher, dass bald etwas passieren würde, was sie erneut als die Dumme dastehen ließe. Doch sie war auf alles gefasst. Selbst wenn all diese Tiere da drüben plötzlich in die Schlucht springen würden, hätte die Puma nicht viel mehr, als ein resigniertes Seufzen übriggehabt.

Vergiss es, dämlicher Wald, nicht mit mir, dachte sie trotzig, während ihre Augen immer noch weit geöffnet auf der anderen Seite lagen. Selbst wenn das alles eine Täuschung war, so wollte sie doch die Show nicht verpassen. Ihre Schwanzspitze zuckte erneut, als drüben getuschelt wurde und die Bärin mit ihrem Gewicht den Stamm zum Ächzen brachte. Vishuni legte die Ohren an und grummelte kaum hörbar, falls diese Ausgeburt des Waldes es wagen sollte, hier auf ihre Seite zu kommen.

Doch die Bärin wandte sich wieder zurück, um ihren Begleitern etwas zuzuraunen. Mit überraschend lauter Stimme wandte sie sich plötzlich wieder an Vishuni, doch das allein war es nicht, was der Puma das Fell zu Berge stehen ließ. Sie kannte ihren Namen? Vishu verspürte den Drang, sie erneut anzubrüllen, nur damit diese unheimliche Kreatur endlich verschwand, da dämmerte es ihr langsam.

Kailan…? Kailan! Vishunis Ohren zuckten nach vorne und da erkannte sie das Gesicht der Bärin. Eine Mischung aus Erleichterung und unerklärlicherweise auch eine Spur Enttäuschung durchströmten die Puma. Anscheinend hatte ein kleiner, selbstzerstörerischer Teil von ihr eine große Show erwartet, mit der dieser Ort ihr den Rest geben würde.
Dennoch trat sie näher zum Baumstamm, den Schwanz hoch erhoben, begleitet von einem erfreuten Zucken der Schnurrhaare. Sie hatte den Widerstand gefunden! Sie hatte es dem verdammen Wald gezeigt!

“Kailan! Was ist das hier für ein Dreckswald?“, rief sie ihr zu. Für ein ‘schön, dich zu sehen' reichte es dann doch noch nicht, doch tatsächlich war ihr Herz ein wenig leichter geworden.

Nun, da sie sicher war, dass die Tiere dort drüben alle real waren, wurde Vishuni verdammt neugierig auf die gemischte Gruppe. Kurz musterte sie den Raben, den sie zuvor beinahe vom Stamm gebrüllt hatte, bevor ihr Blick auf die Wölfe, den riesenhaften Bären und schließlich auf die andere Berglöwin fiel. Interessante Gruppe, aber das hatte Kailan ja schon angekündigt.

“Wollt ihr hier rüber? Denn wenn das der Fall ist, gehe ich davon aus, das der Wald auf eurer Seite genau so beschissen ist, wie der hier drüben“, rief sie herüber und konnte sich ein sarkastisch-hämisches Grinsen nicht verkneifen.

“Tut mir leid, euch enttäuschen zu müssen, aber hier ist es kein Stück besser.“
Sie grub die Krallen in den Boden und streckte kurz ihre verkrampften Glieder.

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Yaize » 12. März 2020, 18:48

Yaize war Nyphteq und Nyala zum Wasserfall gefolgt und hatte es dabei strikt vermieden einen Blick hinab in den Abgrund zu werfen. Höhen waren nicht unbedingt ihr Ding und sie erinnerte sich noch sehr gut an die steilen Klippen des Weltenends auf dem Weg zu den Adlern. Angekommen am Ende des einen Teils des gesplitteten Pfades blieb sie zunächst zurück und überließt Nyph und Nyala die Expertise, ob dieser Pfad nun für sie geeignet sei oder nicht. Sie waren so dicht am herabsausenden Wasser, dass eine leichte Gischt Kopf und Schnauze der Füchsin bedeckten. Aus einem Impuls heraus leckte diese sich über die Nase und schmeckte… Wasser. Alles schien normal und nicht anders als an jedem anderen Ort auf Kihromah, trotzdem erinnerte sie sich nicht daran, welches Gewässer durch diesen Wald floss. Das war schon merkwürdig, hatte sie doch in der Regel ein gutes Gedächtnis für Geografie und zumindest von den meisten Orten, Bergen, Flüssen und Tälern der näheren Umgebung schon einmal gehört.

Anstatt zuzuhören, was Nyph und Nyala erkennen konnten, wandte die Füchsin ihr Köpfchen dem Wald zu, spähte erneut zwischen den Bäumen und Sträuchern in die Ferne, so weit ihr dies möglich war. Ebenso folgte ihr Blick dem Hang des Plateaus hinauf, der unüberwindbar steil vor ihnen lang. Sie legte den Kopf in den Nacken und musste blinzeln, um das obere Ende genau zu erkennen. Sie fragte sich, ob ihnen die Aussicht von dort oben helfen würde einen besseren Überblick über den Wald zu gewinnen. Raaka oder Lucien könnten bestimmt einfach hinauf fliegen und sofern es dort oben Bäume gab, würden sie doch nicht einmal die Regel brechen sich über die Baumwipfel zu begeben, oder?

Als die Füchsin aus dem Augenwinkel Bewegungen wahrnahm, kehrte sie wieder aus ihren Gedanken zurück und sah verdutzt zu, wie sich Puma und die Wölfin wieder vom Wasserfall entfernten. Da war was gewesen, oder? Ein Brüllen? Yai hatte es gehört, aber nicht wirklich wahrgenommen. Sie wirkte verwirrt und sah unruhig zwischen ihrem Leittier und dem Pfad hinter dem Wasserfall hin und her. Was hatten sie jetzt beschlossen?

Verdreckt, konzentrier dich Yai!

Eilig tappte sie an den Wasserfall heran und versuchte sich selbst ein Bild zu machen. Sie konnte nicht genau sagen, ob es dort überhaupt weiter ging oder nicht, durch die Gischt und die vorstehenden Felskanten war nicht viel zu erkennen. Zudem wirkte der Pfad relativ schmal und durch die Feuchtigkeit auch nicht unbedingt trittfest. Vermutlich hatte Nya diesen Weg ausgeschlossen. Dennoch weckte er Yaizes Neugier. Sie trat so dicht wie sie konnte an den Rand heran und schob den Kopf vor, versuchte am Wasser vorbei ums Eck zu spähen, ohne sich zu weit vorzuwagen… und rutschte aus. Die Vorderpfoten verloren den Halt und sie stürzte ein kurzes Stück voran auf den feuchten, rutschigen Vorsprung. Das spritzende Wasser tränkte ihren Pelz und bedeckte sie nun von der Schwanzspitze bis über beide Ohren mit Feuchtigkeit.

Ähm… Leute… NYPH, NYAAA?!

Vorsichtig versuchte sie sich aufzurichten, rutschte erneut ein Stück weit und näher an den Rand des Vorsprungs hinter dem Wasserfall. Den Sichtkontakt zu den anderen hatte sie verloren, nur Schemen waren hinter der dichten Wasserwand zu erahnen. Es war höllisch laut und unangenehm kühl hier. Es schien ihr, als rupfte und zog das Wasser an ihr und wollte sie unbedingt in den Abgrund reißen. Mit Hilfe der Hinterpfoten schob sie sich langsam und vorsichtig so dicht an die Felswand, wie es nur möglich war. Hier wo sie nun lag war es ihr möglich, die Nase an der Felskante vorbei zu schieben und zu schauen, ob der Weg dort vielleicht doch noch weiter ging. Wie bei der Füchsin so üblich war die Neugier stärker als die Vorsicht. Sie schob langsam den Kopf vor, die Ohren zur Seite gerichtet und reckte den Hals so weit es ging, darum bemüht, dass ihr Hinterteil den Felsenkontakt nach Möglichkeit nicht verlor. Nur ein kleines Stückchen noch. Unwillkürlich schob sie sich vorwärts, richtete sich vorsichtig auf und erspähte ums Eck einen Eingang in ein tiefschwarzes Loch, an dessen Ende irgendetwas schimmerte. Dabei bemerkte Yai nicht, dass sie nun doch wieder mitten auf dem rutschigen Pfad stand. Der Fels auf dem sie sich befand endete vor ihr, einen kleinen Hüpfer tiefer folgte ein Weiterer, der wiederum zu einen letzten Vorsprung führte, von dem aus man die Höhle würde betreten können.

Ihre Ohren zuckten, als sie meinte aus der Schwärze vor sich leise, wispernde Stimmen zu vernehmen. Ein Tuscheln und Flüstern, Kratzen und Rascheln. Das Schimmern in der Ferne glomm kurz etwas heller und nahm dann wieder an Intensität ab. Schien leicht zu pulsieren. Vollkommen fasziniert hielt dieses Schauspiel ihren Blick gefangen, schien sie anzuziehen. Wieder trat sie so weit es ging an den Rand ihres Steines, versuchte so viel zu erkennen wie nur möglich, wieder rutschte sie, fing sich kurz und purzelte dann eine falsche Bewegung machend doch, dieses Mal mit dem Kopf voran und vollkommen den Halt verlierend erst eine und dann eine weitere Stufe hinab in die Dunkelheit hinter dem Wasserfall.

[ dort, wo sie eigentlich nicht sein sollte | verträumt erst Nyphs und Nyas Urteil zum rechten Pfad, späht dann selbst hinter den Wasserfall und folgt mehr oder weniger unfreiwillig dem Pfad ein Stück weit hinab ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyala » 13. März 2020, 14:05

Auch der Graupelz machte nicht den Anschein sich in diesem vermaledeiten Wald auszukennen. Er antwortete ihr schließlich auch und bestätigte nur das, was Nyala auch vermutet hatte. Er war ebenfalls noch nicht an dieser Schlucht gewesen. So wie er auf die Helle wirkte, rannte er vielleicht schon Monate, wenn nicht sogar Jahre in diesem Wald herum. Das würde zumindest einiges erklären. Sie überließ ihn Kailans Obhut und machte sich mit Nyph, Yai und Lucien auf den Weg, um sich den Wasserfall etwas aus der Nähe anzuschauen, bis schließlich das Gebrüll eines fremden Pumas ihre Ohren erreichten und sie umkehrten. Dabei bemerkte die weiße Wölfin das Fehlen des kleinen Rotpelz nicht sofort.

Die Ohren der Weißen waren aufmerksam nach vorn gerichtet auf die Fremde, die sich in Kailans Fall als gar nicht so fremd herausstellte. Die Bärin kannte die Katze auf der anderen Seite, so dass sich Nyas Fell wieder glättete und die Vorsicht und das Misstrauen abflauten.
Es war interessant, dass sie in diesem Wald schon einem zweiten Tier – nein eigentlich sogar einem Dritten – begegneten, aber es für den weißen Raben nicht einen klitzekleinen Anhaltspunkt gab. Nicht mal eine einzelne Feder hatten sie gefunden, dafür ein Plateau, einen Wasserfall und einen Fluss, der in keinen Geschichten oder Überlieferungen auftauchte. Dieser Wald, diese ganze Mission war zum Mäuse melken!

Die Worte Vishunis machten die Zuversicht, dass es auf der anderen Seite besser wurde, zunichte. Auch dort schien der Wald alles andere als normal zu sein, so dass Nyala leise seufzte und sich noch einmal zum Wasserfall umsah. Vielleicht sollten sie es doch wagen, die rutschigen Steine zu betreten und dem Pfad hinter dem stürzenden Wasser verfolgen. Erst jetzt bemerkte sie das Fehlen der kleinen Füchsin. Der rote Pelz war nicht da, weder hinter ihr noch neben Nyphteq und auch unter den beiden Bären konnte Nya sie nicht finden.
Sie hob die Nase in den Wind und drehte schließlich ab. Sie würde doch wohl nicht in den Abgrund gestürzt sein!? Hektisch rannte die Helle am Rande der Schlucht entlang und blickte dabei hinunter, spähte nach etwas Rotem.

“Yaize!“,

rief sie und kam rutschend neben dem Wasserfall zum Stehen. Ein paar Vorsprünge weiter unten entdeckte sie die Füchsin und Erleichterung machte sich breit.

“Yai! Was machst du da unten?!“

Ihr Blick huschte kurz zurück zu den anderen, wo sie hoffte, dass man mitbekommen hatte, dass sie noch einmal zurückgelaufen war. Erst dann wagte es die Weiße einen ersten Schritt hinunter auf den Vorsprung zu machen.

“Warte ich komme und helfe dir“,

sagte sie an Yai gewandt und musste aufpassen selbst nicht wegzurutschen. Das seltsame Licht, dass die tollpatschige Füchsin erblickt hatte, nahm Nyala vorerst nicht wahr. Sie war darauf konzentriert die Füchsin zurück zu holen, ohne dabei selbst abzustürzen.

[ bei Kailan und den anderen am Baumstamm / hört zu / bemerk Yaizes Fehlen und läuft zurück zum Wasserfall ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyphteq » 1. April 2020, 18:19

Der Kamm, der Nyphteqs Nacken zierte, hatte sich noch nicht ganz geglättet, selbst nachdem Kailan Entwarnung gegeben hatte und die fremde Berglöwin offenbar kannte. Und das obwohl durchaus ein Anflug von Erleichterung, der beinahe schon mit einem innerlichen Augenrollen einherging, die Raubkatze erfasste. Es war schon ein recht außergewöhnlicher Zufall, dass sie gleich zweimal kurz so nacheinander auf Fremde gestoßen waren, die sich nach kurzer Zeit als zumindest vorerst ungefährlich herausstellten. Und das an einem götterverlassenen Ort wie diesem! Aber eben diese Art von Reizüberflutung war es, die der Katze das Nackenfell beständig sträuben ließ. Seit sie hier waren hatten sie kaum eine ruhige Minute gehabt. Eine unangenehme Überraschung jagte die nächste und ganz nebenbei wurde dabei auch noch ihr Weltbild von übernatürlichen Erscheinungen ordentlich durcheinander gerüttelt.

Noch ehe sie etwas dagegen hätte unternehmen können, spürte Nyphteq, wir ihr Rücken scheinbar ganz ohne ihr Zutun einen Buckel formte, sie dann vorne in die Hocke ging und die Vorderläufe ausstreckte. Ihre Muskeln fühlten sich von der ständigen Anspannung bereits ganz steif an und bedurften dringend etwas Dehnung. Anschließend setzte sich die Raubkatze auf den Hintern und begann, wieder eher unwillkürlich als bewusst, ihren Pelz zu putzen. Ihr Körper schein einfach nicht zu wissen, wohin mit sich. Am liebsten hätte er wohl einen kurzen Sprint eingelegt, wäre auf den nächstbesten Baum gesprungen und hätte dann ausgiebig die Krallen an der harten Borke gewetzt, um angestauten Stress und Adrenalin abzubauen. Das Problem war nur, dass von jedem Baum, jedem Grashalm Misstrauen ausging, das den Handlungsspielraum der Katze auf eine subtile aber nicht minder perfide Art und Weise einschränkte. Nyphteq gähnte, kratzte sich dann hinter dem Ohr und war nach dieser lächerlichen Darbietung endlich wieder im Stande, ihre Gedanken halbwegs zu ordnen.

Die fremde Pumadame hatte also die andere Seite der Schlucht bereits inspiziert und ihre Worte machten leider keine allzu großen Hoffnungen.Es blieb ihnen aber trotzdem nichts anderes übrig, als es zu versuchen, oder? Auf ihrer Seite waren sie schließlich auch nicht fündig geworden.

„Du hast nicht zufällig so etwas wie einen weißen Raben gesehen?“

Die Worte waren sarkasmusgetränkt, denn die Raubkatze war sich sicher, die Antwort bereits zu kennen. Und was nun? Ihre Augen steuerten die beiden Leittiere an, erst Kailan und dann – war Nyala nicht eben noch neben ihr gewesen? Nyphteq wandte den Blick und erspähte in einiger Entfernung das schneeweiße Hinterteil, das in beachtlichem Tempo in Richtung Wasserfall davonhetzte. Hatten Nya und Yaize jetzt doch einen Weg gefunden?

Nyphteq hatte das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben und verspürte den Drang, den beiden zu folgen. Ein letzter abschätzender Blick fiel auf die Fremde Berglöwin und nachdem sie sich versichert hatte, dass von ihr keine akute Gefahr ausging, machte auch sie kehrt und trabte auf demselben Pfad, den Nyala eben genommen hatte, zurück zum Wasserfall. Als sie nah genug war, dass ihre Stimme das Rauschen des Wassers übertönen würde, auch, wenn sie die beiden noch nicht ausmachen konnte, rief sie nach ihnen.

„Hey! Habt ihr was entdeckt?“

[ erst beim Baumstamm | bemerkt wie Nya zurück läuft und folgt ihr | schließlich nah, aber noch nicht ganz am Wasserfall ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Kailan » 3. April 2020, 11:32

Kailan hörte die Worte von Vishuni und konnte nicht anders als das Gesicht zu einem leichten Grinsen zu verziehen. Das alles hier, wäre bestimmt sehr lustig gewesen, wenn sie nicht in dieser Situation gewesen wären. Wobei die Bärin sich mittlerweile fragte, ob die ganzen Warnungen des Otters nicht reiner Humbug gewesen waren. Augenscheinlich war Farlan unversehrt obwohl er die Wege verlassen hatten und ob Vishuni nur den Weg benutzt hatte war auch fragwürdig. Die Bärin überlegte sich, was sie als nächstes tun sollte. Sie mussten auf jeden Fall Vishuni mitnehmen. Die Frage war nur, sollten sie die andere Seite noch begutachten oder wäre es besser zu ihr rüberzugehen. Schlussendlich schien es, als sei der Baumstamm die einzige Möglichkeit, denn plötzlich waren sehr viele ihrer Gruppe wieder um Kailan herum mehr oder weniger versammelt. Die Bärin schaute noch einmal kurz hinter sich und hatte dann eine Entscheidung gefällt. Schlimmer konnte es vermutlich kaum noch werden und dieser Wald brachte ihnen eh immer neue Wege. Also war der Gedanke, wir gehen den gleichen Weg zurück, über den wir gekommen sind, völlig überflüssig und würde nichts bringen. Sie sammelte deswegen all ihren Mut und ihre Überzeugung, aber wenn sie es über den Baumstamm schafften, war es für die anderen Tiere auch ungefährlich und sie und Rorax hatten ihn schließlich vorher getestet. Das andere Problem war zudem das sie vermutlich rüber mussten. Kailan schaute Vishuni an und rief dann:

„Ich komme rüber zu dir…“

Die Bärin kletterte wieder auf den Baumstamm, sicher fühlte sie sich bei dieser Idee aber nicht unbedingt. Sie hatte das Dingen zwar getestet, aber dieser Wald war immer für eine Überraschung gut. Das einzige Problem war nun, dass sie bis zum anderen Ende nicht mehr stehen bleiben durfte. Das könnte zumindest fatal sein, außerdem wollte Kailan auch nicht unbedingt runtersehen. Der Stamm knarzte unter ihren Tatzen bedrohlich mit jedem Schritt, den sie tat, hielt sie aber aus. Als die erste Hälfte der Strecke geschafft schien musste die Bärin sich zwingen nicht runter oder nach hinten zu sehen, als sie plötzlich Stimmen vernahm. Sie hörte wie Yaize rief. Was war der Füchsin passiert? Ging es ihr gut? Kümmert sich jemand? Die Bärin brauchte all ihre Entschlossenheit, um nicht stehenzubleiben, zurückzugehen oder nach hinten zu schauen. Sie wusste aber auch, dass sie es vermutlich schwer verkraften würde, wenn ihrer Freundin was passiert war. Die Füchsin war ihre längste Begleitung und wenn sie ehrlich war, war es auch das Tier aus der Gruppe an dem ihr Herz am meisten hing. Aber hier oben in der Mitte auf dem Baumstamm durfte sie sich jetzt keine Schwäche leisten und sie durfte auch nicht verharren. Kailan musste sich auf die anderen Tiere verlassen. Es blieb ihr nichts anderes übrig. Eher aus der Ferne vernahm sie die Worte von Nyphteq, aber die volle Konzentration der Bärin lag gerade in dem Bestreben diesen Baumstamm zu überschreiten und sicher auf der anderen Seite anzukommen und nicht die Beherrschung zu verlieren. Alles in ihr schrie, dass sie umkehren musste und Yaize helfen, aber dies war im Augenblick keine Option, mittlerweile fand sie die Idee zu Vishuni rüber zu gehen immer blöder. Aber vermutlich gab es eh keinen anderen Weg, also hätte sie so oder so über den Baumstamm laufen müssen. Sie musste nicht mehr viel Weg zurücklegen, ein weiteres knarzen hätte sie fast zusammenzucken lassen. Aber sie ging weiter. Kailan beschloss schließlich für sich selbst, dass dies eine dumme Idee war, egal ob es einen anderen Weg gab oder nicht, aber anscheinend hatte dieser dämliche Wald nicht vor sie umzubringen, denn schließlich hatte sie mit ihren Vorderpranken die andere Seite erreichte und betrat den Waldboden. Erleichterung durchströmte sie, aber auch sofort machte sie sich nun noch mehr Sorgen um Yaize, die Bärin drehte sich für ihre Art blitzschnell um und schaute zur anderen Seite. Sie konnte den roten Pelz nicht entdecken, gerade wollte sie Nyala rufen, aber auch die Wölfin war nicht mehr zu sehen. Aber sie konnte auch die Andere nicht mehr entdecken. Was ist passiert?

Das galt es nun herauszufinden, also schaute sie nun wieder Vishuni an. Kailan schaffte es mit jeder Sekunde mehr wieder ihre ruhige Art zurückzugewinnen und versuchte überlegt und geduldig voranzugehen. Aber die Sorge, um die Freundin raubte ihr innerlich fast den letzten Nerv. Schließlich versuchte sie Vishuni freundlich anzulächeln was ihr kläglich misslang und meinte dann:

„Erzähl mir bitte was passiert ist…

Kailan hatte diese Worte so gewählt, damit die Pumadame erzählen konnte, was hier auf der Seite dieses Waldes geschehen und was mit der Füchsin passiert war. Die Bärin hoffte aber auch, dass die restlichen Tiere des Widerstandes erstmal drübenbleiben würden. Es reichte, wenn einer von ihnen hier rüberkam. Wobei Raaka oder Lucien… Natürlich, die beiden, das war die Idee. Sie drehte sich schnell um und rief:

„Lucien, Raaka. Wo sind Yaize, Nyala…“

Die Bärin stockte und realisierte das auch Nyphteq für sie nicht mehr sichtbar war:

„und Nyphteq?“

Die Bärin hoffte das sie nicht mehr sagen musste und die beiden Vögel sie verstanden hatten, denn für diese würde es kein Problem sein hier her rüber zufliegen. Kailan sorgte sich wirklich sehr um die Füchsin, hoffentlich war ihr nichts passiert.

[ beschließt da es vermutlich eh keinen anderen Weg gibt, den Baumstamm zu überqueren | bekommt auf der Hälfte des Weges Yaizes Rufe mit | sorgt sich sehr um die Füchsin | braucht ihre ganzen Entschlossenheit, um weiter zu gehen | auf der andere Seite spricht sie schließlich kurz mit Vishuni | dreht sich dann um und ruft Raaka und Lucien etwas zu ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Raaka » 11. April 2020, 18:11

Raaka hatte Glück, dass er offenbar direkt an der Quelle saß. Und die Quelle war in seinem Fall Kailan, die ihnen soeben versicherte, dass von der fremden Silberpranke wohl doch keine Gefahr ausging. Die Bekanntschaft zwischen Bär und Puma beruhte wohl auf Gegenseitigkeit, denn die Samtpfote erkannte augenscheinlich auch die Bärin und wenn Raaka ihre Körpersprache richtig deutete, schien sie auch gleich etwas weniger angespannt. Zwar noch immer etwas empört über die barsche Unterbrechung aber durchaus ein Stück weit erleichtert keckerte der Raberich einige unverständliche Worte vor sich hin, während er mit halbem Ohr der Unterhaltung lauschte, bis schließlich eine vermeintlich folgenschwere Bemerkung seine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Kailan hatte also tatsächlich den Baumstamm als Weg für ihre Überquerung erklärt und wie sie die ersten Tatzen auf den unter ihrer Gestalt nun doch etwas mickrig wirkenden Stamm setzte und das alte Holz leise ächzte, ereilte den Raben nun doch endlich mal eine Idee davon, wie schwer eigentlich so ein Bär war. Ob nun eingebildet oder real meinte er, die Borke unter seinen Klauen zittern zu spüren und je mehr sie sich der Mitte näherte, auf der er sich niedergelassen hatte, desto lauter dämmerte ihm der Gedanke, sich vielleicht doch noch einmal in die Lüfte zu erheben, was er dann auch letztendlich tat. Je weniger Gewicht auf dem Baum lastete, umso besser. Von oben betrachtet wirkte die große Bärin gegen den Stamm noch massiger und als sie schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit die andere Seite erreichte, spürte auch Raaka eine gewisse Erleichterung und gleichzeitig große Dankbarkeit über die eigenen Flügel. Es war wirklich eine Schande, dass Bären nicht fliegen konnten!

Der Respekt aber vor der Leistung der Bärin war so groß, dass der Raberich für den Moment auch nicht wagte, sich selbst wieder auf den Baum zu setzen. Er empfand es als besser, dem hölzernen Freund erst einmal eine kleine Verschnaufpause zu gönnen und beobachtete die Situation vorerst aus der Luft weiter. Erst auf Geheiß der Bärin ließ er sich nieder, und zwar diesmal zu ihren Pranken auf den sicheren Erdboden der anderen Seite der Schlucht, wo er den Blick hinüber zu den übrigen Kameraden schweifen ließ. Er hatte keine Ahnung wo Yaize, Nyala und Nyphteq waren. Das heißt, er nahm an, dass sie immernoch irgendwo beim Wasserfall die Lage auskundschafteten. Über den Trubel hatte der Schwarze nicht mitbekommen, dass sich zumindest zwei Mitglieder des Team Wolke zwischenzeitlich wieder zu ihnen gesellt hatten und entsprechend hatte er erst recht nicht bemerkt, dass sie wieder verschwunden waren. So war ihm auch die Dringlichkeit in Kailans Frage nicht bewusst und er schloss nur, dass die Bärin wohl wollte, dass sie wieder zurückkamen, damit sie alle gemeinsam über diesen Baumstamm auf die andere Seite klettern konnten.

„Wir werden sie holen“,

sicherte der Rabe ihr deshalb vollkommen sorglos zu, wobei er die Worte laut genug aussprach, dass Lucien sie auch hören konnte. Dann erhob er sich wieder in die Lüfte und steuerte in gerader Linie über die Schlucht und zum Wasserfall. Nyphteq war dabei kurze Zeit später die erste, die er vor dem tosenden Wasservorhang ausmachen konnte. Bei ihr angekommen zog er einige schmale Kreise über dem Kopf der Berglöwin, um von dort die Nachricht weiterzubringen.

„He, Silberpranke, wo sind denn die anderen? Wir wollen uns alle beim Baumstamm treffen und die Schlucht dort überqueren. Kailan ist schon drüben!“

[ Beobachtet Kailans Übergang von oben | fliegt bei ihrer Nachfrage zum Wasserfall, denkt aber an nichts böses | letztlich bei Nyphteq ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Vishuni » 14. April 2020, 13:07

Vishuni widerstand dem Drang, am Rande der Schlucht auf und ab zu staksen. Sie kam sich ohnehin schon lächerlich vor, wie auf dem Präsentierteller im Focus dieser eigenartigen Fremden. Also setzte sie sich scheinbar gelassen neben dem Baumstamm zu Boden und ließ ihren Blick abermals über die Fremden wandern, nur um Sekunden später zu merken, dass sie gar nicht wirklich im Focus stand. Irgendetwas schien hinter dem Wasserfall passiert zu sein, die Augen der Berglöwin hefteten sich auf die weiße Wölfin, die sich in rasantem Tempo zu ebendiesen aufmachte. Auch die anderen schienen abgelenkt und Vishuni streckte neugierig den Kopf hinüber, als könne sie so durch den dichten Wasservorhang auf das Mysterium dahinter blicken.
Doch ihre Artgenossin richtete das Wort an sie und ließ Vishunis Blick wieder zurückschwenken. Kurz musterte sie die andere, deren Misstrauen sich in Vishus Augen zu spiegeln schien. Es war wohl ihren Instinkten geschuldet, die in der fremden Berglöwin augenblicklich eine Konkurrentin um Beute und Jagdgrund erkannte. Wie schwierig es doch war mit den Traditionen zu brechen…

“Nein, bedaure“, war die knappe Antwort, wobei sie sich dieses Mal tatsächlich den sarkastischen Nachsatz verkniff. Wenn dieser weiße Rabe mit ihrem Missionsziel zu tun hatte, wollte sie das Thema lieber vorsichtiger angehen. Sofern sie dazu in der Lage wäre. Kurz musterte sie die andere noch, deren Blick nun auch der weißen Wölfin folgte, bevor sie noch ein letztes Mal zu Vishuni zurückblickte.
Mit einem kurzen Schwanzschnippen verabschiedete sie sich fürs Erste von der Fremden, die nun der Wölfin folgte, um hinter das Mysterium zu kommen, welches Vishuni nach wie vor verborgen blieb. Sie erhob sich und setzte gerade zum Trab in Richtung Wasserfall an, um auf gleicher Höhe mit der anderen Berglöwin hinter den geheimnisvollen Wasservorhang blicken zu können, doch Kailan kam ihr dazwischen.

Vishunis Augen weiteten sich leicht bei den Worten der Bärin und sie schnippte mit dem Ohr, während sie sich wieder umwandte, den Blick gebannt auf den Stamm gerichtet.
Bist du sicher?, dachte sie und trat einen Schritt auf den Stamm zu. Natürlich wäre das ihre erste Wahl gewesen, einen besseren Pfad konnte man einer Katze kaum anbieten. Doch eine Bärin? Kailan war verdammt schwer und ihre Krallen zum Klettern eher schlecht zu gebrauchen. Außerdem wusste niemand, wie stabil der Stamm in der Mitte sein würde.
Doch schon war die Zeit für Widersprüche an ihr vorbeigezogen und sie konnte nur noch zusehen, wie das enorme Gewicht der Bärin den Stamm herausforderte. Vishunis Krallen gruben sich in den Boden, so als wäre sie es, die gerade den Stamm betreten hatte und sie spürte, wie sie sich leicht hinunterduckte, ganz so, als müsse sie das Gleichgewicht halten. Bei jedem Knarzen musste sie sich beherrschen, nicht zusammen zu zucken, auch wenn ihre Ohren sie verrieten, die mit jedem dieser bedrohlichen Geräusche nach hinten zuckten, sich dicht an den Kopf anlegten, bevor sie sich langsam, beinahe vorsichtig wieder nach vorne drehten. Etwa in der Mitte verlor Kailan den Focus und Vishu lehnte sich besorgt nach vorne, die Pfote leicht angehoben, so als bestünde auch nur die geringste Chance die Bärin zu packen und in Sicherheit zu ziehen, sollte sie abstürzen.
Doch sie ging weiter, ihre Schritte sicherer, als Vishuni erwartet hatte und als Kailan schließlich endlich auf der anderen Seite angekommen war, wich die Berglöwin rasch ein paar Schritte zurück, um der Bärin Platz zu machen. Während sich diese noch zu sammeln schien, schüttelte sich Vishuni verstohlen, um ihr aufgestelltes Fell wieder anzulegen.

“Nicht schlecht… für einen Bären“, brummte die Berglöwin lobend, begleitet von einem belustigten Zucken der Schnurrhaare. Sie folgte Kailans Blick hinüber zum Wasserfall, ganz froh über die kurze Verschnaufpause. Schließlich durfte doch jemand wie Vishuni nicht zugeben, dass sie besorgt gewesen war. Nicht einmal ein ganz kleines bisschen.

Schließlich schien die Bärin sich wieder gefangen zu haben und auch Vishunis Atem hatte seinen Rhythmus zurückgefunden. Kailans Frage legte Vishuni ganz bewusste so aus, dass sie ihr am besten passte. Wieso auch nicht, wenn ihr diese Wahl gelassen wurde. Sie bezweifelte schließlich sehr stark, dass die Bärin hören wollte, dass Vishuni den Befehlen des Rates zuwidergehandelt hatte, in dem sie kopflos in den Wald spaziert war. Das würde sie schön für sich behalten.

“Ich hab´s leider verpasst. Ein riesiges, bäriges Ungetüm hat versucht, sich in eine tiefe Schlucht zu stürzen“, war also die trockene Erwiderung. Sie verdrehte die Augen und sah nochmal zurück zu dem Wasserfall, beobachte Kailans Reaktion jedoch aus dem Augenwinkel.
Kurz lenkte der flatternde Rabe sie ab, der mit ungerechter Leichtigkeit das Hindernis überwand und elegant auf ihrer Seite landete. Die Namen, nach denen Kailan den Vogel fragte, blieben nicht lange hängen, sie würde schon noch Zeit genug haben, sie sich alle zu merken. Also sah sie ihm nur kurz nach, als er sich wieder vom Boden abhob, um nach den Anderen zu sehen, bevor sie sich zu Kailan umwandte.

“Wir auch könnten nachsehen…“, schlug sie vor, den Blick sehnsüchtig in die Ferne gerichtet. Dass Kailan sich augenscheinlich sorgte, kam Vishu mehr als gelegen, sie wollte endlich ihre Neugierde befriedigen.
“Vielleicht brauchen sie Hilfe…“, schob sie – zugegebenermaßen - ein wenig manipulativ nach und warf Kailan einen fragenden Blick zu. Auch wenn sie die Erlaubnis der Bärin strenggenommen nicht brauchte, wollte sie doch lieber mit ihr zusammen gehen. Falls wirklich einem der Anderen etwas passiert wäre, würde außerdem wohl kaum Vishuni die Retterin der Wahl sein. Sie konnte also wirklich nur vorwitzen und das tat sie lieber mit Kailan zusammen. Würde vermutlich auch für die anderen besser aussehen.

[ antwortet Nyphteq | beoobachtet dann Kailans Überquerung, spricht mit ihr | will am Wasserfall nachsehen gehen ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Rhorax » 21. April 2020, 19:22

Rhorax hatte sich nach der Erledigung seiner Pflicht an der Seite des Baumstamms niedergelassen und beobachtete schweigend aber mit wachsamen Augen das Geschehen um sich herum. Während weitere Inspektionen folgten und einige sich der Erkundung des Wasserfalls widmeten, gesellte sich ihr neuster Begleiter zu ihm. Dieser Wolfsrüde war einfach so aus dem Nichts aufgetaucht, machte aber eher den Eindruck eines weiteren Opfers des Waldes als einer erneuten Täuschung. Dennoch. Rhorax schob leicht die Nase vor und schnupperte. Riecht immer noch nach Wolf. Wird schon einer sein, sagte ihm sein Spürsinn. Trotzdem schien er noch immer nicht ganz überzeugt. Die unglücklichen Worte des Rüden, wo er hier nur hineingeraten sei, ließen den Braunen kurz mit dem rechten Ohr zucken. Er blickte abschätzend auf Farlan hinab, überlegte, ob es schaden konnte den Neuling in ihre Mission einzuweihen und fand keinem Grund, der dagegensprach. Dass diese Frage ironisch gemeint sein könnte, kam ihm gar nicht in den Sinn.

"Der Widerstand hat uns geschickt in diesem Wald einen weißen Raben zu finden, um mit dessen Wissen einen Weg zu finden, die Ska endgültig zu besiegen. Eine Art magisches Artefakt."

Es dürfte schwer sein, die wichtigsten Informationen ihrer Mission in noch kürzerer Form aufzubereiten. Und trockener. Jedes Wort war wie selbstverständlich dahingestellt, auch wenn das Ganze wie ein Märchen für kleine Bärenjunges klang. Die Augen blieben ausdruckslos, wandten sich dann wieder dem Geschehen zu. Das Auftauchen der Puma auf der anderen Seite der Schlucht entlockte ihm nicht mal einen müden Kommentar. Bei dem, was er schon gesehen und gehört hatte, würde es ihm nicht wundern, wenn nach und nach ganz Kihromah an diesem Ort auftauchen würde. Während Nyala und Nyphteq auftauchten und aufgeregt wieder verschwanden, wobei ihm der Grund entging, wagte Kailan die Überquerung der Schlucht. Nun erhob Rhorax sein Hinterteil und beobachtete genau, wie sich der Baumstamm verhielt. Auch unter der Belastung der Bärin wirkte die alte Kiefer noch robust und tragfähig. Er war sich nicht sicher, ob ihn dieser Umstand beruhigte, bedeutete dies doch, dass er wahrscheinlich einer der nächsten sein würde, der auf die andere Seite gelangen musste. Zwar hatte er bisher nie unter Höhenangst gelitten, die Schlucht zu seinen Krallen verschaffte sich aber ihren eigenen Respekt.

Als Kailan die letzten Schritte getan hatte, meinte der Bär eine Bewegung auf dem Baum auszumachen. Es war, als hätte sich ein Teil der Rinde bewegt. Die Stelle, die er angestrengt fixierte, rührte sich nicht mehr, dafür schien sich an einer anderen etwas zu bewegen. Unruhig ließ er die Augen schweifen.

"Siehst du das auch?"

Die Worte waren an Farlan gewandt. An wen auch sonst, die Beiden waren auf dieser Seite des Stamms für den Moment alleine. Wieder meinte er eine Bewegung auszumachen und dieses Mal schaffte er es, die Ursache für dieses Phänomen auszumachen.

"Ich hab da ein ganz mieses Gefühl."

, brachte er noch hervor, dann hob er den Kopf, blickte zur anderen Seite der Schlucht, suchte Augenkontakt mit Kailan und wollte sie auf seine Entdeckung aufmerksam machen. Seine Stimme wirkte zum ersten Mal seit ihrem Aufbruch wirklich beunruhigt.

"Kailan!"

[ am Stamm und an der Seite von Farlan | berichtet dem Rüden von ihrer Mission, bemerkt eine Veränderung an der Kiefer, nachdem Kailan sie überquert hat ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Spielleitung » 21. April 2020, 19:27

UPDATE:
Stimmen

Kurz nachdem Kailan den Baumstamm überquert hatte, begannen aus kleinen, in der schroffen, moosigen Borke des Baumes gut verborgenen Spalten und Öffnungen Maden zu kriechen. Von der Form und Größe her waren sie kaum von Borkenkäferlarven zu unterscheiden, ihre Haut jedoch war nicht milchig weiß, sondern von einem dunklen, bräunlichen bis dunkelgrünen Farbton, so als würden sie sich vor den Augen der Tiere tarnen. Anfangs waren es nur vereinzelte Bewegungen, doch mit jedem Moment den sie warteten krochen hier und dort weitere Maden aus ihren Verstecken. Dort, wo sich mehrere tummelten, so als würden sie um den besten Platz am Tageslicht kämpfen, stürzte auch mal eine hinab und verschwand im gähnenden Rachen der Schlucht. Musste man anfangs noch sehr nach ihnen suchen um sie zu erkennen, machte die Masse der kleinen Tierchen sie zunehmend sichtbar. Kleinere Spähne und Rindenstücke lösten sich und kündigten von nichts Gutem.

Gleichzeitig war es, als würde der Wald auf der Uferseite von Kailan und Vishuni anzufangen lebendig zu werden. Zwar regte sich nichts, kein einziges optisches, geruchliches oder spürbares Lebenszeichen, doch von überall her erklang ein vielstimmiges Flüstern und Tuscheln. Dieses Wirrwarr aus tausenden und Abertausenden heller, sehr leiser Geräusche, keine deutliche Sprache bildend, erklang ähnlich intensiv wie Insektenbrummen in den Ohren der beiden Tiere, dürfte auf der anderen Seite der Schlucht aber auf Grund des Wasserfalls und den sprudelnden Geräuschen innerhalb der Schlucht kaum mehr zu vernehmen sein.

Gleichzeitig waren ein nahezu identisches Tuscheln und Wispern aus den Tiefen der Schwärze hinter dem Wasserfall zu vernehmen, an den Wänden der Höhle ihr Echo werfend. Dieses Geräusch, was zunächst nur von der Füchsin wahrgenommen werden konnte, dürfte auch dort von jedem bemerkt werden, der sich nahe genug an den Wasserfall heran begab.

Das Ganze dauerte vielleicht vier, fünf Atemzüge, ehe es so abrupt wie es aufgetaucht war wieder verschwand. An seine Stelle trat Stille. Einzig die Maden krochen unaufhörlich weiter aus dem Baumstamm hervor und mehrten sich mit jedem Augenblick, der verstrich.

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