Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyphteq

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Nyphteq
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Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyphteq

Beitrag von Nyphteq » 8. Januar 2018, 00:05

Während der Verschnaufpause zwischen Kapitel 4 und 5
Véandur & Nyphteq
in der Nähe des Weißwasser Sees
später Abend; schwül bei langsam nachlassender Hitze


Der westliche Horizont flirrte im fahlen Licht der verblassenden Dämmerung und in dem See, den Nyphteq bereits vor einer Weile hinter sich gelassen hatte, spiegelten sich die letzten Sonnenflammen des endenden Tages. Seitdem ihr Trupp den Weißwasser See erreicht hatte, der zum neuen Zentrum des Widerstands geworden war, waren Begegnungen mit anderen Tieren, auch jenen, die nicht zu ihrer Gruppe gehörten, keine Seltenheit mehr. Für die einzelgängerische Katze waren deshalb diese Stunden zu einer Erholungsphase geworden, in der sie der Einsamkeit frönte und ihren Gepflogenheiten freien Lauf lassen konnte. Am Abend, wenn die schwüle Hitze des Tages langsam der angenehmeren Nachtluft wich, konnte sie sich beinahe unsichtbar in den Schatten bewegen und dabei Begegnungen aus dem Weg gehen, wenn sie allein bleiben wollte.
Alleine war sie auch heute durch die satt bewachsenen Ebenen rund um den Weißwasser See gewandert. Von ihrem Mahl, das sie gestern erlegt hatte, waren nur noch ein paar Fleischfetzen übrig gewesen, weil die Raubkatze sich nicht die Mühe gemacht hatte, den Kadaver zu verscharren. Vielleicht war es ein erster Hauch des Gemeinschaftssinns, der heimlich in ihr aufkeimte und ihre Reste einem anderen dankbaren Jäger überließ. Die letzten mageren Happen waren aber ohnehin mehr als ausreichend gewesen, um ihren geringen Hunger zu stillen. Danach war sie noch etwas durch die Gegend gestrichen und hatte nun einen der zahlreichen kleinen Haine erreicht, in dessen Schutz sie sich hatte ausruhen wollen. Die feinen Ohren der Berglöwin verrieten ihr jedoch, dass sie hier nicht alleine war und selbst die weniger hilfreiche Nase vermochte dies zu bestätigen.

Es blieb nicht aus, dass sich ihre Pfade hin und wieder doch mit denen von anderen Tieren kreuzten. Häufig waren es Mitglieder des Widerstands, die man meist direkt daran erkannte, dass sie sich keine Mühe machten, verborgen zu bleiben, spätestens aber an ihrer kontaktfreudigen Art, wenn sie sich vorstellten. Nyphteq hatte sich beinahe daran gewöhnt, dass selbst fremde Tiere sie wie eine alte Freundin grüßten und dass eine Begegnung nicht immer bedeutete, dass jemand ihr die Beute streitig machen wollte. Das bedeutete jedoch nicht, dass die uralten Instinkte nicht dennoch ihre Warnung aussprachen. Mit einem gekonnten Satz erklomm sie in anmutiger Leichtigkeit den nächsten Baum und ließ sich geräuschlos in dessen Wipfeln nieder, von wo aus sie ihre Umgebung bestens im Blick hatte. Im Gewirr der verschiedensten Gerüche kristallisierte sich die Witterung eines anderen Pumas heraus und zuerst musste sie unwillkürlich an Asuka denken. Sein Geruch jedoch war anders und der Katze inzwischen so vertraut, dass sie diesen Gedanken gleich wieder verwarf. Da der fremde Puma ihre Anwesenheit inzwischen wohl auch bemerkt haben musste, blieb Nyphteq nichts anderes übrig, als ruhig auf dem ausladenden Ast liegen zu bleiben und abzuwarten. Vermutlich, so nahm sie an, gehörte ihr Artgenosse ohnehin selbst zum Widerstand. Kein anderer Puma im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten würde sein Revier so nah an einem Ort abstecken, an dem es von fremden Räubern der unterschiedlichsten Arten nur so wimmelte.

Véandur
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Re: Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyph

Beitrag von Véandur » 8. Januar 2018, 22:15

Langsam schritt Véandur vorwärts, die Ohren entspannt aufgestellt, die Augen auf den Weg vor ihm gerichtet. Sein Schwanz peitsche ruhig um seine Hinterbeine, während der Puma sich kurz über die Lefzen leckte und seinen hell gräulichen, stechenden Blick umherwandern lies. Es war bereits spät Abend, die Sonne neigte sich der Erde entgegen, um dem hellen Mond platz am Nachthimmel zu verschaffen. Dementsprechend wehte ein nicht ganz warmer Wind durch die Lande. Lauwarm und doch mit einer Brise wärme. Véandur schloss halb die Augenlider, ein Lächeln erschien auf seinen Lefzen. Er dachte an die vergangen Tage zurück. Er hatte zwei Tage lang versucht, ein ausgewachsenes Büffelweibchen zu jagen und zu erlegen. Von vorneherein war dieses Unternehmen zum scheitern verurteilt, dessen war er sich schon vor seinen Überlegungen bewusst gewesen. Doch hatte ihn der Hunger zu dieses außergewöhnlichen – und entgegen seiner inneren Einstellung – Handlung getrieben. Letzten Endes musste er die Jagd abbrechen, um nicht vor Luftmangel und Erschöpfung auf der Stelle zusammenzuklappen. Die Luft hatte gebrannt in seinen Lungen, seine Glieder hatten sich an manchen Stellen schon Taub angefühlt. Nach dem Abbruch hatte er versucht, noch etwas Wasser aus einem See oder Fluss zu finden, um wenigstens seinem Körper die nötige Menge an Wasser zukommen zu lassen, die er brauchte. Nach einer weile, hatte er den See, welches man den „Weißwasser See“ nannte, erreichen können. Als der Durst gestillt war, hatte sich Véandur auf einen dicken Ast eines Baumstammes zur Ruhe gebetet. Den darauffolgenden Tag hatte er sich erneut auf die Jagd begeben; die Beute fiel diesmal deutlich kleiner aus. Doch nach ein bis zwei Weitsprüngen mit seinen kräftigen Hinterläufen hatte er den Nagetier erlegt gehabt. Auch, wenn es ein kleines Mahl gewesen war – es war besser als nichts.

“Mhm...Bisher habe ich keine weiteren Artgenossen getroffenen. Auch keine andere Spezies.“

, murmelte er leise vor sich hin, ehe er stehen blieb und sein Haupt hob. Neugierig spitzte er seinen Ohren und lies seinen Blick über die schon leicht in Dunkelheit getauchte Gegend wandern. Er hob seine Schnauze in den Wind und atmete die Luft tief in seine Lunge. Leicht konnte er den Geruch des süßlichen Sees in seiner feinen Nasen wahrnehmen. Wenn er günstig zum Wind stand, der liebkosend über sein rötlichbraunes Fell strich. Doch – da war noch etwas anderes. Ein vertrauter Geruch. Véandur zog misstrauisch die Stirn kraus, eher er sich erneut umsah. Dank seiner rauen Vergangenheit mit seinen Artgenossen, lies er zuerst Vorsicht und Skeptik walten. Auch, wenn sich er neugierig und freundlich gegenüber anderen Spezies verhielt – seine eigene Sicherheit ging vor, sofern es nicht andere in Gefahr brachte. Nach einer weiteren Minuten, drehte er den Kopf und schaute nach oben. Schräg über ihm ragte ein großer Baum, auf einem ausladenen Ast lag ein Vertreter seiner Art. Véandur atmete ein, verengte jedoch seine Katzenaugen leicht. Langsam hob er eines seiner Vorderpfoten und schritt bedächtig zu der Katze, welches auf dem Ast lag und ihn wohl schon eine Weile zu beobachten schien. Innerlich scholt er sich für seine Unvorsichtigkeit. Unaufmerksamkeit. Sie hätte ihm leicht in den Rücken fallen können. Missmutig glitt sein Blick kurz zu Boden eher er sie wieder auf die Katze richtete. Seine angespannten Muskeln lockerten sich und er hob freundlich lächelnd den Kopf:

“Guten Abend.“

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Nyphteq
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Re: Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyph

Beitrag von Nyphteq » 9. Januar 2018, 19:59

Nyphteqs Ohren waren aufmerksam gespitzt, während ihre Schwanzspitze mit leichtem Zucken gegen ihre Hinterpfote schlug, die von dem Ast herunterbaumelte. Das leise Knacken kleiner Zweige kündigte die Ankunft des Artgenossen an, und noch ehe sich dessen Schatten durch das dunkle Unterholz schob, richtete die Kätzin den Blick abwartend auf die Sträucher, wo sie sein Erscheinen erwartete. Ihre Schnurrhaare vibrierten, als schließlich ein fremder Puma an ebendieser Stelle zum Vorschein trat und direkt in ihre Richtung strich. Das Zucken ihrer Schwanzspitze blieb einen Moment lang aus. Noch schien er sie nicht gesehen zu haben, doch gewiss war ihm ihre Anwesenheit bewusst. Schließlich hob er den Blick und in seinen Augen spiegelte sich das dämmrige Zwielicht zu einem Funkeln.

Nyphteq antwortete nicht direkt, als er ihr eine Begrüßung zuwarf, doch ihr Abwarten schien nicht notwendig gewesen zu sein, denn von dem Puma kam vorerst nichts Weiteres. Die Katze musste leicht grinsen. So manch anderer Vierbeiner hätte ihr in dieser Zeit bereits seine halbe Lebensgeschichte erzählt und ihr fiel auf Anhieb ein bestimmtes Mitglied ihrer eigenen Gruppe ein, das wohl auch zu dieser Kategorie gehörte. Dann wiederum hatte sie hier schließlich keinen Fuchs, sondern einen Puma vor – oder viel mehr unter – sich. Ein „Guten Abend“ waren der Worte schon viele und die freundliche Art stand auch ihrer Vermutung nicht im Weg, dass es sich um ein weiteres Mitglied des Widerstands handelte.

„Ein nicht allzu beklagenswerter jedenfalls“,

entgegnete sie schließlich in dem Versuch, keine gespielte Freundlichkeit vorzutäuschen aber eben auch nicht das Hinterteil heraushängen zu lassen. Immerhin kämpften sie doch womöglich an derselben Front. Die Schwanzspitze geriet nun in ein entspanntes Pendeln, ihre Augen jedoch blieben wach und aufmerksam auf den Fremden gerichtet. Das arttypische Urmisstrauen war ihr durchaus anzusehen.

„Wenn du allerdings deine Ruhe suchst“, rang sie sich zu einem freundlichen Rat, obschon dieser wohl nicht ganz uneigennützig war. „Empfehle ich dir, etwas weiter südlich dein Glück zu versuchen. – Die Lager der anderen sind hier ganz in der Nähe.“

Natürlich implizierte die Raubkatze damit, dass sie nicht vorhatte, ihren ausgewählten Baum, trotz dieses offensichtlichen Mankos, freizugeben. Sie wusste zwar, dass die Ruheplätze einiger ihrer Gefährten kaum einen Horizont von hier entfernt waren, doch an solchen Tagen, die so heiß waren, dass man kaum eine Pfote vor die andere setzen mochte, zog die Berglöwin ihre abendlichen Kreise enger und gab sich mit der Einsamkeit von einem kleineren Radius zufrieden. Ihr Pelz war das Klima der Berge gewohnt, in denen immer eine frische Brise wehte, und dünnte in der schwülen, stehenden Luft der weiten Ebenen nur langsam aus. Seit Nächten wartete sie vergebens auf ein kühlendes Hitzegewitter, doch stattdessen schienen die Temperaturen mit jedem Tag zu steigen und hatten sie bereits mehrfach zu einem kühlenden Bad im See gezwungen.

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Re: Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyph

Beitrag von Véandur » 10. Januar 2018, 20:52

Ein nicht allzu beklagenswerter Abend also?
Würde sich die Katze einen anderen Abend wünschen? Véandur drückte fragend sein linkes Auge in die Höhe,schmunzelte leis' ob ihres Satzes. Der Abend war angenehm, die Nacht würde bald hereinbrechen, der Wind würde seine kalten Launen über die Erde jagen und viele andere Tiere würden ihre Nester verlassen, um auf Jagd zu gehen. Das neigen seines Kopfes, der fragende Blick, doch das Schmunzeln auf seinem Fang würde ihr zeigen, dass er ihr nicht ernsthaft glaubte. Aber die Ursache ihres Satzes und worauf er abzielte, würde wohl nur die Kätzin allein wissen. Véandur entspannte seine Gesichtsmuskeln wieder und sah Neugierig geworden zu ihr auf. Sie war schon mal nicht auf ihn losgegangen wie manch anderer, aggressiver Artgenosse, sondern blieb scheinbar entspannt auf ihren auserwählten Platz liegen. Und beobachtete ihn. Seine Ohren spitzten sich erneut als sie ihm einen Rat gab - falls er sich zur Ruhe begeben wolle – könne er weiter im Süden sein Glück finden. Er biss die Lefzen zusammen, um ein Lachen zu unterdrücken. Kurz neigte er sein Haupt und doch verließ ein leises Lachen seinen Brustkorb. Seine Schwanzspitze zuckte spielerisch. Grinsend sah er zu ihr hinauf.

“Würde ich die Ruhe suchen, wäre ich schon auf den halben Meter wieder umgekehrt!“

, lachte er hinauf, sein Grinsen verwandelte sich zu einem freundlichen Lächeln. Wem war er dort nur begegnet? Sie nahm also an, dass er die Ruhe suchte?

“...Oder vielleicht bevorzugt eine Kätzin auf einem Ast allein die Ruhe in der Dunkelheit?“,

, äußerte seine Vermutung und sah weiterhin hinauf zu ihr. Allerdings war das Lächeln verschwunden, sein freundlicher Blick einen leicht ernsterem gewichen – und doch schlug sein Schwanz weiterhin spielerisch um seine Hinterläufe. Es konnte sein, dass er sich da etwas weiter als beabsichtigt über die Klippe lehnte. Und sie ihn wahrscheinlich gleich ansprang, um ihren Stolz und Autorität zu bekräftigen und zu bewahren. Doch, war dieser Satz beabsichtigt. Er wollte sie aus der Deckung locken. Sie wirkte zwar entspannt, doch ihr Verhalten zeigte deutlich Distanz. Verschlossenheit. Das typische Verhalten dieser Spezies, zu welches sie beide angehörten. Véandur wandte den Kopf, sein Körper folgte. Langsam schritt er etwas weiter weg von der Katze im Baum, das Haupt gesenkt. Doch seine Ohren waren an seinen Nacken gedrückte, seine Aufmerksamkeit war auf die Kätzin gerichtet. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Die Lefzen leicht geöffnet, schnupperte am Boden. In seinen Gedanken kamen die Skas, furchterregende Insekten-ähnliche Kreaturen, welches Länder überfielen auf der Suche nach Futter und geeignete Orte für ihre... wie hieß das noch gleich? Staat? Véandur schloss seine Lefzen, seine Schnurrhaare zuckten leicht als er an diese Insekten dachte. Sie waren leider keine freundlichen Wesen. Für sie war keine Beute zu groß. Ein kleines Seufzen entfloh seiner Lunge, seine Gesichtszüge verzogen sich missmutig. Schade eigentlich, dass diese Kreaturen so... mordlustig werden konnten. Der Puma lies seinen Blick zurück wandern, sah die höher gelegene Katze an. Sein Haupt hob sich von Boden, halb drehte er sich in ihre Richtung.

“Véandur.“

, sagte er und blickte zur ihr hoch. Ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Sie würde bestimmt wissen, was es mit diesen Namen auf sich hatte. Er schätzte sie als sehr aufmerksam ein, also würde sie schnell den Zusammenhang zwischen ihm und den Namen herstellen können.
Er nickte freundlich. Innerlich war er wirklich Neugierig und war gespannt, wie sich der Verlauf dieser „Konversation“ entwickeln würde. Und ob er weiterkommen würde – seinem Ziel immer ein Stück näher sein würde.

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Re: Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyph

Beitrag von Nyphteq » 11. Januar 2018, 00:30

Während die Berglöwin die Reaktion des Katers im Auge behielt – darauf bedacht, jeglichen Stimmungswechsel, der vermeintlich feindliche Absichten verriet, schon beim ersten Anzeichen zu enttarnen – entging ihr auch seine Mimik nicht, die er ob ihrer Antwort an den Tag legte. Was an ihren Worten so witzig sein sollte, dass es das Schmunzeln auf seinen Lefzen rechtfertigte, konnte wohl nur er selbst sagen. Auch ihr freundlich gemeinter Rat schien den Kater zu amüsieren, obschon seine Antwort darauf genau der entsprach, die sie eigentlich hätte erwarten sollen. Nur ein äußerst naiver Puma verirrte sich aus Zufall unbeabsichtigt in die Nähe eines Artgenossen. Was wiederum die Frage aufwarf, was die Absichten dieses Exemplars gewesen sein mochten. Mit seiner Vermutung jedenfalls hatte der Fremde nicht unrecht und die Art, wie er seine Gedanken in Worte fasste, erinnerte die Berglöwin abermals an einen bestimmten anderen Kater.

„Ruhe, Dunkelheit und vor allem eine kühle Brise“,

war ihre Antwort, als das Lächeln aus dem Gesicht des Katers verebbte. Während er sich nun abwandte und Schritt und Schritt von ihrem Baum entfernte, nutzte die Kätzin die Gelegenheit, ihren Artgenossen genauer zu mustern. Sein Pelz war nicht so lang, dafür aber nicht weniger dicht als ihrer. Sicherlich war auch er nicht für diese Hitze geschaffen. Darunter zeichneten sich kräftige Muskeln ab, die ihm eine gesunde Statur gaben. Allerdings wirkte er noch jung, vermutlich nicht älter als sie selbst. Womöglich würde seine Unerfahrenheit ihr im Zweifel einen entscheidenden Vorteil bieten. Jede seiner Bewegungen sendeten widersprüchliche Zeichen. Sein Gang war entspannt und er hatte ihr den Rücken zugewandt, doch die angelegten Ohren zeugten von Wachsamkeit. Als er schließlich den Kopf senkte, ging eine unwillkürliche Anspannung durch Nyphteqs Körper in der Vermutung, er ducke sich zu einem Sprung. Der Impuls wich langsam, als sie erkannte, dass er lediglich am Boden schnupperte. Eine gewisse Restspannung verblieb jedoch in ihren Muskeln, als er den Blick erneut zu ihr wandte. Die Zehen ihrer Hinterpfote, die zuvor noch locker vom Baum gehangen hatte, waren gespreizt und gaben den Blick auf die Spitzen dunkler Krallen frei. Ihre Ohren zuckten nach vorne, als der Kater erneut die Stimme erhob und einen Namen preisgab.
Die Augen der Kätzin verschmälerten sich leicht bei dieser unerwarteten Vorstellung. Noch immer hielt sie an den alten Gepflogenheiten fest, dass eine Katze ihren Namen niemals leichtfertig verriet. Wenn sie jedoch an ihre letzten Begegnungen mit Artgenossen zurückdachte, musste sie wohl annehmen, dass sie die einzige war, die dieser Sitte treu geblieben war. Und doch passte es abermals zu der Mutmaßung, die sie bereits zu Beginn über den Fremden aufgestellt hatte und die sie nun erstmalig in Worte fasste.

„Véandur vom Widerstand, nehme ich an?“

Es wäre die perfekte Erklärung für sein Verhalten. Das, oder er befand sich auf Brautschau. Dafür hätte er sich allerdings, und das musste ihm bewusst sein, den falschen Zeitpunkt ausgesucht. Ihr eigener Name kam ihr indes noch nicht über die Lippen. Zu tief waren diese Grundsätze in ihr verankert und noch konnte sie auch nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob sie Freund oder Feind vor sich hatte.

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Re: Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyph

Beitrag von Véandur » 13. Januar 2018, 18:04

Dieses Weibchen hielt wirklich an die alten Gepflogenheiten dieser Art fest. Es fühlt sich nicht so an, als wolle eine richtige Unterhaltung aufkommen. Schade. Véandur sah weiterhin zu ihr, innerlich überlegend, was er noch tun konnte, um der Kätzin ein paar mehr Worte zu entlocken. Da war er wohl auf eine harte Nuss gestoßen. Oder auf einen Fels? Der Kater neigte den Kopf seitlich zur Seite, seine Schwanzspitze zuckte weiterhin um seine Hinterläufe. Er hatte ein paar Gelegenheiten, sich mit anderen Vertretern zu unterhalten, die sich nicht gleich bedroht gefühlt hatten. Und diese waren genauso karg in Kommunikation wie diese Kätzin. Véandur drehte ihr abermals den Rücken zu, als er ihre Antwort auf seine Frage hörte, um sich noch etwas weiter umzusehen. Kühle Brise? Sein Blick glitt in einer bestimmte Richtung, wo er den Weißwasser See vermutete. Seine Nase steckte er in die Luft, öffnete seinen Fang und schnupperte kurz. Das Süßwasser müsste etwas weiter rechts liegen. Der Puma leckte sich über den Fang und ging ein paar Schritte vorwärts. Wenn er sich recht überlegte, konnte er eine kleine Erfrischung jetzt gut gebrauchen. Seine Ohren zuckten nach hinten als er die Stimme der Kätzin hinter sich hörte. Sein Kopf folgte. Regungslos betrachtete sie.

Vom Widerstand hatte er gehört. Eine Truppe... kämpfend gegen diese Insekten-Kreaturen. Und der Rat des Widerstands war ihm auch zu Ohren gekommen, doch zu tun hatte noch nichts mit ihnen. Er würde sich jedoch noch nicht als Mitglied sehen. Er hatte ein paar Begegnungen mit den Ska's gehabt, die alle zu seinen Gunsten und ohne schwere Verletzungen verliefen. Und andere Widerstandskämpfer hatte er noch nicht getroffen. Was schon etwas merkwürdig war. Oder er hatte erfolgreich um jene einen Bogen gemacht. Ohne es wohl zu bemerken. Véandur starrte die Kätzin fragend an.

“Vielleicht. Ich weiß es nicht.“

, äußerte er ernst, seine Ohren zuckten. Langsam verschwand seine Neugierde und machte dem Misstrauen platz. Seine Schnurrhaare sowie seine Schwanzspitze zuckten erregt. Er wurde das Gefühl nicht los, dass die Kätzin auf dem Baum, nach etwas bestimmten suchte. Nach einer bestimmten Information. Ohne direkt zu Fragen – kein Vertrauen aufbauend. Véandur drehte sich wieder herum.

“Wenn du mehr wissen möchtest, kannst du mir folgen. Der See ist in der Nähe.“

, informierte der Kater sie über sein Vorhaben und setzte sich – ohne auf eine Reaktion zu warten – in Bewegung. Doch zuvor nickte er ihr zu, um ihr zu signalisieren, dass er sie wahrgenommen hatte. Ob sie mitkam oder nicht, war ihre Entscheidung. Bis er zum See angekommen war, hatte er Zeit, zu grübeln. Er verspürte einfach ein unangenehmes Ziehen in seiner Brust – und das machte ihm Sorgen. Irgendetwas störte ihn. Und es war nicht die Tatsache, dass diese Berglöwin nicht wirklich auf seine Kontaktversuche einging oder ihn nach dem Widerstand gefragt hatte. Er nahm an, dass sie bereits selbst zum Widerstand gehörte. Vielleicht war etwas in der Nähe. Eine Insekten-Kreatur? Véandur hoffte nicht. Sein Blick wurde skeptischer, seine Ohren zuckten nervös. In der Ferne konnte man einzelne Laute von anderen Tieren wahrnehmen.

Nach einer Weile sah der Kater das Glitzern auf der Wasseroberfläche des Sees, leicht rot beleuchtet von der untergehenden Sonne. Gemächlich schritt er auf den See zu, schaute sich um, um sicher zu gehen, dass keine Gefahr bestand. Als er am Ufer angekommen war, nahm er den See kurz in Augenschein, bevor er näher trat und seinen Durst stillte.

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Re: Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyph

Beitrag von Nyphteq » 14. Januar 2018, 22:38

Nyphteq legte den Kopf leicht schief. Die Reaktion des Katers ließ auf sich warten, ganz so als habe ihre Frage ihn auf der kalten Pfote erwischt. Sein fragender Blick sorgte dafür, dass die Berglöwin allmählich die Augen zusammenkniff. Sie hatte ihm bloß eine simple Frage gestellt, was gab es da so lange zu überlegen? Selbst wenn er es ihr aus irgendeinem Grund nicht verraten wollte, hätte ein einfaches ‚Geht dich nichts an‘ mitnichten solcher Grübeleien bedurft. Die Antwort, die er ihr stattdessen aber letztendlich gab, war für sie noch viel weniger nachvollziehbar. Er wusste es nicht?!
Aus den goldgrünen Augen der Katze, die inzwischen nicht mehr als schmale Schlitze von sich preisgaben, glühte Skepsis. Die Ohren waren unschlüssig angelegt und die Schnurrhaare weit aufgefächert.

„Wie kann man nicht wissen, ob man zum Widerstand gehört?“,

fragte sie mit hörbarer Entrüstung in der Stimme, die sie ihre Lefzen zurückziehen und den Nasenrücken kräuseln ließ. Fast verstörender jedoch empfand sie das Minenspiel, dass sich nun im Gesicht des Katers zeigte und die Luft um sie herum erkalten zu lassen schien. Offenbar war ihr Misstrauen nun auf ihn übergeschwappt. Eine Antwort erhielt sie nicht. Stattdessen drehte sich der Puma um – wieder einmal. Interessierte es ihn überhaupt nicht, dass sie ihm jeden Moment völlig unerwartet auf den Rücken hätte springen können? Oder war er sogar noch deutlich unerfahrener, als sie anzunehmen gewagt hätte? Und doch hatte es etwas Gutes für ihn, dass er der Katze den Rücken zugekehrt hatte, denn so konnte er ihren empörten Blick nicht sehen. Der See ist in der Nähe? Hielt er sie für einen Narren? Als ob sie nicht wüsste, wo sich der vermaledeite See befände, dessen Geruch und der seiner temporären Bewohner noch deutlich in ihrem Fell haften musste? Nyphteq stieß kopfschüttelnd ein Schnaufen aus.
Dann war da noch diese andere Sache. Sie solle ihm folgen, wenn sie mehr erfahren wollte. Was für eine eigenartige Auskunft war das? Noch ehe Nyphteq Gelegenheit hatte, die Bedeutung dieser Worte zu erwägen, blickte er sie wieder an und warf ihr ein Nicken zu, nur um sich abschließend in Bewegung zu setzen und dabei eine nun doch etwas verdatterte Berglöwin hinter sich zu lassen.

Eine Weile lang blickte sie dem dahinschreitenden Kater nach, noch im Unglauben darüber, ob diese Unterhaltung eben tatsächlich stattgefunden hatte. Als er schließlich aus ihrer Sicht verschwunden war, konnte sie endlich ihre Aufmerksamkeit darauf legen, sein Verhalten zu deuten. Alles an ihm war eigenartig. Gut, offenbar hatte sie sich geirrt und er gehörte nicht zum Widerstand. Zumindest nicht wissentlich – was auch immer das bedeuten sollte. Warum aber hatte er ihr dann ständig den Rücken zugekehrt, als fühle er sich völlig unverwundbar? Reine Provokation konnte es kaum sein, schließlich hatte er sich immer wieder umgeschaut und gewittert, als erwarte er irgendetwas Bestimmtes. Eine Gefahr vielleicht? Aber wieso? Selbst wenn er kein Mitglied seiner war, so musste er doch wissen, dass sich der Widerstand in diesem Gefilden niedergelassen hatte. Seine Anwesenheit war unübersehbar. Oder glaubte er, in ein Revier gestolpert zu sein, dass sich Bären, Füchse, Wölfe und Pumas in Eintracht teilten? Nein, für einen Jäger wie ihn drohte ihm hier keine direkte Gefahr.
Es sei denn – und bei dieser Idee begannen die Gedanken der Kätzin erst recht zu kreisen – er selbst war die Gefahr. Wenn sie so darüber nachdachte, war sein Verhalten wirklich verdächtig. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie bislang nicht einmal erwägt hatte, ihm zu folgen. Unter diesen Annahmen machte das durchaus Sinn. Vermutlich war ihr Unterbewusstsein längst zu der gleichen Einsicht gelangt und hatte sie gewarnt. Erst machte er sie mit einer vagen Antwort neugierig, dann lud er sie auf einen vermeintlich unschuldigen Spaziergang ein. Führte er etwas im Schilde? Eine Falle oder einen Hinterhalt?

Für einen Moment mahnte Nyphteq sich zur Vernunft. Was sollte ein einzelner Kater im Gebiet des Widerstandes schon anrichten können? Trotzdem, das Misstrauen blieb und mit ihm die Überzeugung, dass irgendetwas faul war. Ihre Pläne, die Nacht gemütlich auf ihrem Ast zu verbringen, hatten sich in Luft aufgelöst. Stattdessen machte sich der Drang in ihr breit, dieser Sache auf den Grund zu gehen. Allerdings würde sie ihm nicht folgen, zumindest nicht direkt. Sie würde den Weg über den Lagerplatz ihrer Gefährten nehmen – nur um sicherzugehen, das dort noch alles in Ordnung war. Die Lager befanden sich nicht weit nördlich der Richtung, in die der Kater abgestiefelt war. Wenn der See sein Ziel war, war es möglich, dass er dem ein oder anderen von ihnen sogar begegnete.
Mit einem geschmeidigen Satz sprang Nyphteq von dem Baum und setzte in zügigen Schritten in Richtung ihrer Gruppe. Es dauerte nicht lange, bis sie den Lagerplatz erreichte und dort die ersten selig schlummernden Gefährten entdeckte. Andere schienen sich ihrerseits zu einem nächtlichen Spaziergang oder der Jagd aufgemacht zu haben und weil Nyphteq der Meinung war, dass sich hier seit ihrem Weggehen ein paar Stunden zuvor nichts verändert hatte, setzte sie ihren Weg in südlicher Richtung fort.

Das Lager lag nicht viel weiter als einen Horizont hinter ihr, als sie ihre Schritte verlangsamte und flehmend die Luft einsog. Wenn sie sich nicht irrte, befand sich der Kater tatsächlich in der Nähe, oder war vor kurzem hier gewesen. Ansonsten vernahm sie nur die üblichen Gerüche und Geräusche, die ihr an diesem See bereits vertraut geworden waren. Nichts, das auf einen etwaigen Hinterhalt deutete. Trotzdem setzte sie die letzte Etappe schleichend fort, wobei sie den üppigen Uferbewuchs und die dicht stehenden Bäume als Deckung nutzte. Tatsächlich entdeckte sie bald darauf unweit vor sich das bekannte fremde Gesicht. Da der Wind günstig stand und ihre Witterung nicht direkt zu ihm trug, nutzte sie die Gelegenheit, sich unbemerkt in Position zu bringen. Den Rücken in Richtung ihres Lagers gewandt, das immerhin einige Laufminuten entfernt war, setzte sie sich in Ufernähe auf die Hinterläufe, während sie ihn aus skeptischen Augen heraus beobachtete.

„Für jemanden, der nicht weiß, ob er zum Widerstand gehört, streifst du ziemlich selbstverständlich in seinem Gebiet herum.“

Es war eine Feststellung und weniger ein Tadel. Immerhin war es nicht so, dass der Widerstand irgendwelche Besitzansprüche an dieses Gebiet setzte, zumal jede helfende Pfote herzlich willkommen war. Vielleicht, so flüsterte ihr eine Stimme, war der Kater auch nur unschlüssig und wollte sich diese ungewöhnliche Vereinigung erst einmal aus der Nähe anschauen, bevor er ihr beitrat. Nachvollziehen könnte sie es nur zu gut. Das allerdings änderte nichts an der Tatsache, dass sein Verhalten merkwürdig war.

„Mir sagt etwas, dass das kein Zufall ist“,

sprach sie ihren Gedanken aus. Und wieder erübrigte sich die Antwort. Ein Gebiet das so voll von anderen Jägern war, war für einen Puma kein ansprechendes Revier.

„Falls du Entscheidungshilfe brauchst, ob du dich dem Widerstand anschließen willst, solltest du dich vielleicht mal unter seinen Mitgliedern umhören.“

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Re: Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyph

Beitrag von Véandur » 15. Januar 2018, 20:57

Während er der Stille um ihn lauschte, atmete langsam ein und aus. Sein Verhalten... war dumm gewesen. Und kindisch, wenn er recht überlegte. Véandur starrte regungslos auf die stille Wasseroberfläche des Sees. Einzelne Luftbläschen zogen sich hinauf an die Oberfläche und wurden eins mit dem Wasser, während die Luft zur Luft aufstieg. Der Berglöwe schnitt eine verzerrte Grimasse – spürte, wie sein Blut ihm heiß in den Ohren lag. Mit seinem Verhalten vor einigen Minuten hatte er es wohl übertrieben.
Führte sich auf als wüsste er, welches Revier/Gebiet er hier betreten hatte. Als ob keine Gefahr von dem Land, den Tieren oder sich selbst ausging. Hatte er sich zu selbstsicher gefühlt? Er hatte Grenzen überschritten, wohl möglich auch die Grenze der Kätzin. Véandur schloss die Augen zusammen, ein reumütiges Lächeln auf den Lefzen, welches seine momentane Gefühlslage gut widerspiegelte.
Es war einfach nur peinlich gewesen. Für ihn mehr als für die weibliche Vertreterin seiner Art. Zischend atmete er die kühle Abendluft durch die Lefzen ein, um sie langsam wieder aus seiner Lunge entweichen zu lassen. Versuchte, dass beklemmende Gefühl aus seiner Brust etwas zu mindern. Sein Kopf hob sich, sein grauer Blick glitt ziellos umher.

Er musste versuchen, diese Situation wieder zu bereinigen. Seine Ohren zuckten. Jetzt war die Frage, ob er die Kätzin nicht schon verschreckt hatte – ob seiner selbstgefälligen Art. Nachdenklich blickte der Puma wieder auf die Wasseroberfläche. Dachte erneut über sein eigenes Verhalten nach; es passte überhaupt nicht zu seinem Charakter. Möglicherweise hatte ihn etwas verunsichert oder etwas ging gegen seine Prinzipien. Grübelnd legte er die Ohren an. Nur was? Véandur hatte doch nicht die Zeit, sich weiterhin Gedanken zu machen. Seine Ohren zuckten, sein Blick glitt schräg hinter sich. Die Kätzin – die vorher noch auf den Baum verweilt hatte – saß auf ihre Hinterläufe und beobachtete ihn skeptisch.
Misstrauisch. Verübeln konnte er es ihr nicht. Er hatte sich seltsam verhalten und nicht gerade vertrauenerweckend. Als ihre Stimme den Weg an sein Gehör fand, drehte er sich vollends zu ihr um, langsam ausatmend. Wie wahr, wie wahr!, dachte er bei sich, als er die Worte hörte, jedoch noch sagte er nichts. Wartete ab. Sein grauer Blick war starr auf die Kätzin gerichtet, während seine Schwanzspitze erregt um seine Hinterläufe schlug. Seine Schnurrhaare zuckten leicht. Zufall?, erstaunt verengte er leicht seine Augen, jedoch im nächsten Moment glitt ein reumütiger Ausdruck über sein Gesicht als die Kätzin ihren dritten Satz beendet hatte.
Sein Blick glitt kurz zur Seite, seine Ohren legten sich an den Nacken. Er lies ein paar Sekunden verstreichen, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf sie richtete.

“Nein...Zufall ist es nicht. Ich... Tut mir leid, wie ich mich benommen habe. Das war unhöflich, kindisch und... idiotisch.“

, antwortete Véandur und biss sich etwas auf die Lefzen. Auch, wenn er mitbekommen hatte, dass der erste Satz kein Tadel, sondern eine Feststellung war, fühlte es sich etwas nach Tadel an. Nichtsdestotrotz sah er die Berglöwin neutral ins Gesicht. Es sollte keine Gefahr von ihm ausgehen. Sie sollten ihn nicht als Bedrohung wahrnehmen.

“Der Ruf des Widerstands eilt euch voraus. Doch, habe ich nicht direkt nach euch gesucht, ich verfolgte meine eigenen Ziele. Mein Ziel ist es, so viel von der Welt – in der wir leben – zu lernen, wie nur möglich.“

, erzählte der Kater weiter, währenddessen hatte er sich auf die Hinterläufe gesetzt. Er hatte noch so viel zu lernen. Und es gab noch so viel zu lernen – Unmengen an Wissen anzusammeln, zu experimentieren, auszuprobieren und zu analysieren. Ein freudiges Kribbeln schlich sich über seine Haut, ein seliges Lächeln bildete sich auf seinen Lefzen. Er schaute wieder zu der ihm unbekannten Kätzin.

“Die Skas sind ebenso meine Feinde, sowie eure, nehme ich an. Doch Kämpfen hat für mich weniger Priorität. Doch, bin ich nicht sicher, ob ich überhaupt als „Widerstandskämpfer“ geeignet wäre.“

, erklärte Véandur und sah hinauf zum Himmel. Für ihn war von Bedeutung, warum diese Insekten-Kreaturen so sind, wie sind. Weshalb errichten sie unterirdische Tunnel? Warum überfallen sie die ganzen Länder und zerreißen jedes Tier, welches ihnen über den Weg lief? Wie versorgten sie sich?
Der Kater sah wieder zu der Berglöwin. Neben seinen schlechten Gewissen, schlich sich wieder das altbekannte Gefühl der Neugierde ein.

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Nyphteq
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Re: Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyph

Beitrag von Nyphteq » 15. Januar 2018, 23:35

Eines musste man dem Kater lassen: er ließ keine Gelegenheit aus, Nyphteq zu überraschen. Es schien fast so, als habe sie einen komplett anderen Puma vor sich. Begonnen damit, dass er sich ihr einmal direkt zugewandt hatte, aber mit Leichtigkeit getoppt dadurch, dass er sich … entschuldigte? Und unangebrachtes Verhalten einräumte?
Nyphteq legte den Kopf schief und musterte den blassbraunen Kater. Wenn sie an sein Verhalten bei ihrer vorigen Begegnung dachte, flüsterte die Skepsis, dass er bloß ihr Vertrauen gewinnen wollte. Doch sein Tonfall, sein Blick, ja, jedes seiner Gebaren sprachen dagegen. Er wirkte weder besonders selbstsicher noch charmant dabei, vielmehr nahezu beschämt. Hatte sie ihr Misstrauen so getäuscht und sie hatte letztendlich doch nur einen sehr unerfahrenen Artgenossen vor sich? Seine nächsten Worte vermochten diese Vermutung zu bestärken. Er wollte lernen?
Die Ohren der Katze waren zur Seite geneigt. Beinahe empfand sie so etwas wie Mitleid für den Kater. Zu lernen hatte er gewiss noch einiges wie ihr schien und die Zeiten waren ungünstig, um dabei hinterher zu hängen. Dass er damit etwas anderes meinen könnte als sie, schenkte sie dabei weniger Beachtung. Wie wollte er in Angesicht der nahenden Gefahr überleben, wenn er nicht einmal vor Seinesgleichen seinen Pelz zu schützen wusste? Und während sie ernsthaft seine Überlebensfähigkeit hinterfragte, lächelte dieser Torf seelenruhig vor sich hin. Die Erklärung dafür ließ nicht lange auf sich warten und erntete nun doch wieder einen äußerst verstörten Blick vonseiten der Berglöwin.

„Wie kannst du so etwas sagen?!“,

rief sie und die blanken Zähne, die hinter den zurückgezogenen Lefzen zum Vorschein traten, zeugten von Empörung. Es war ihr egal, ob er sich als Widerstandskämpfer sah. Aber dass der Kampf gegen die Ska keine Wichtigkeit für ihn hatte, war mehr als töricht. Als ginge ihn das alles überhaupt nichts an. Ein Anflug von Wut durchdrang die Augen der Raubkatze, nicht nur über die Leichtfertigkeit ihres Gegenübers, sondern vielleicht auch ein wenig über ihre eigene. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte auch sie der Gefahr keine Beachtung geschenkt. Bis sie sie eingeholt hatte und sie den Preis zahlen musste. Die Katze schloss einen Moment lang die Augen, um nach Fassung zu ringen, die Ohren weiterhin aufmerksam auf den Fremden gerichtet. Als sie die Lider wieder öffnete, war das feurige Funkeln verschwunden. Zurück jedoch blieb ein strenger Blick, mit dem sie den Kater bedachte.

„Ich weiß nicht, aus welchem Hinterland du kommst, dass der Kampf gegen die Ska keine Priorität für dich hat. Aber da du offenbar keine Ahnung hast, was diese Viecher anrichten, gebe ich dir gerne etwas Nachhilfe.“

Nyphteq war unwillkürlich aufgestanden. In ihren Läufen prickelte es bei diesen Gedanken unangenehm, sodass sie die Pfoten nicht stillhalten konnte. Ihre Schwanzspitze peitschte unstet über den Boden und fegte feine Staubkörner auf, während sie einige Schritte hin und her lief, ohne dabei die Distanz zwischen sich und dem anderen zu verringern.

„Die Ska haben innerhalb kürzester Zeit den halben Norden eingenommen. Himmel, sie haben sich bereits den Silberfels unter die Klauen gerissen!“

Bei diesen Worten lag ein Knurren in ihrer Stimme. Für einen Moment blitzten die dunklen Krallen aus ihren Vorderpranken hervor, ehe sie stehenblieb und den Artgenossen mit starrem Blick fixierte.

„Wo sie auftauchen sorgen sie für Zerstörung und Tod. – Sie töten alles, was sich ihnen in den Weg stellt und selbst mit einer Vereinigung wie dem Widerstand ist unsere Gegenwehr bislang nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Am Silberfels haben sie ein riesiges Massaker veranstaltet. Davon ist jetzt nur noch ein Schlachtfeld übrig. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie den gesamten Kontinent erobert haben und wir froh sein können, wenn wir irgendwo einen Unterschlupf finden, in dem wir hoffen und bangen können, eine weitere Nacht von ihnen verschont zu bleiben.“

Der Kopf der Kätzin richtete sich in die Höhe. Die Schultern gestrafft ließ ihr grimmiger Blick nicht von dem Kater ab. Diese Art, die Belehrende zu spielen, das war nicht sie. Und doch geboten ihr weder Vernunft noch Stolz Einhalt, diesem ausgewachsenen Puma, in dem noch ein Jungtier zu stecken schien, die Augen öffnen zu wollen.

„Kämpfen“, sprach sie mit rauer Stimme. „ist das einzige, was jetzt zählt. Es ist das einzige, das wir tun können, wenn wir unser Land nicht bereitwillig in die hässlichen Klauen dieser Mistmaden geben wollen. Versteh mich nicht falsch: es ist mir egal, ob du dich dem Widerstand anschließt, oder ob du dich selbst als Kämpfer siehst. Aber wenn du weiterhin deine Augen vor der Gefahr verschließt, unterzeichnest du damit dein eigenes Todesurteil. Und dann…“

Die Katze seufzte leise. Die Rage, in die sie sich geredet hatte, hatte ihr die Kräfte geraubt. Sie spürte das Herz in ihrer Brust protestierend gegen ihren Pelz pochen. Ihr Körper löste sich aus der straffen Haltung, ließ sie mit hängenden Schultern dastehen, während sich ihr Blick zu Boden senkte. Ein Lächeln huschte über ihre Lefzen, merkwürdig fehl am Platz wirkend, das ihren nächsten Worten einen zynischen Ton beimischte.

„… kannst dich von deinem Ziel verabschieden. Denn dann gibt es nichts mehr, was du noch lernen kannst.“

Diesmal war es die Katze, die sich abwandte, jedoch nur für einige wenige Schritte, mit denen sie nah an das Ufer des Sees herantrat. Ihr Blick glitt über die spiegelnde Oberfläche und die auf den seichten Wellen tänzelnden Lichtfetzen des aufgehenden Mondes. Zu lange hatte sie schon dieses Bild gesehen. Anstatt einem Fremden Standpauken zu halten, war es an der Zeit, zurück an die Front zu gehen und so viele Ska wie möglich dem Erdboden gleich zu machen. Der Stillstand, in den ihre Gruppe geraten war, bereitete ihr von Tag zu Tag Bauchschmerzen und der eben zutage gequollene Ausbruch trug Zeuge davon.

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Re: Nachts sind alle Katzen grau [vor Kap. 5] Véandur & Nyph

Beitrag von Véandur » 16. Januar 2018, 22:13

Véandur kniff ein Auge zusammen, legte die Ohren an den Nacken als er die laute Stimme der Kätzin vernahm. Ruhig erwiderte er den empörten Blick der Berglöwin. Er war überrascht, gar erstaunt, dass seine Erklärung sie in Rage brachte. Vielleicht missverstand sie da etwas an seiner Äußerung. Véandur beobachtete sie.
Nach dem Ausbruch, hatte sie die Augen geschlossen – schien nach innerliche Ruhe zu suchen, schien ihre Wut hinunter zu schlucken. Und konnte es nicht. Im nächsten Moment sah er in strenge, vor Wut feurige Augenpaare, die ihn an funkelten als ob er das nächste Abendessen sein würde. Dem Tode nahe. Der Berglöwe beschloss, erst ein mal abzuwarten. Der Kätzin die Gelegenheit zu geben, ihre angestaute Wut und ihre Gefühle auszutoben. Es würde nichts nützen, wenn er jetzt dazwischen ging.

Ausatmend zuckten seine Ohren nach vorne, um ihre nächsten Worte verstehen zu können: Zuerst erzählte sie ihm, was die Skas schon alles angerichtet hatten und was sie noch alles in ferner Zukunft tun würden. Während dieser Erzählung war sie aufgestanden und lief sichtlich erregt vor unterdrückter Wut nahe vor ihm auf und ab. Als könne sie nicht fassen, dass sie diese Erklärung nochmals geben musste. Noch davor vor einem Artgenossen. Auch nach den geknurrten Worten sah er sie abwartend an. Sie gab ihm Einblicke.
Ein Ausschnitt aus ihrer Persönlichkeit. Sie redete sich weiterhin in Rage, brachte eine Definition oder gar die Erklärung, wofür der Widerstand kämpfte. Damit alle anderen eine Zukunft haben konnten. Véandur schüttelte bedauernd den Kopf als er sah, wie sie nach der Erklärung leise seufzte und ihren Satz zu Ende sprach. Die angespannte Haltung löste sich aus ihrem Körper, ihre Schultern fielen in sich zusammen und sie lies den Kopf hängen. Hatte ihren Blick zu Boden gerichtet.

Es kostete sie Energie, ihre Wut Freiraum zu lassen. Ihn zu belehren. Mit ihm wie ein Junges zu reden! Der Kater folgte er ihr mit seinem grauen Blick, während sich die Löwin abwandte und sich dem See zuwandte. Die Skas waren eine Bedrohung; schon so lange. Das war ihm bewusst. Schon so oft. Er sah Tiere sterben, unschuldige Junges von Müttern getrennt. Es gab aber auch die andere Seite: Anstatt die Schwachen zu beschützen, zogen sich manche Artgenossen zurück. Überließen die Hilfslosen den Skas, um ihre eigene Haut zu retten. Véandur schloss kurz die Augen, bevor er sie wieder öffnete, hatte er sich aufgerichtet und sich in Richtung der Kätzin gedreht.

“Hör zu: Du missverstehst mich. Kämpfen bedeutet nicht gleich, dem Feind nur mit der Pranke oder dem Maul die Beine auszureißen. Es gibt mehrere Methoden. Ein Stock ins Auge, eine Falle präpariert. Eine Taktik entwickeln anstatt drauf los zu stürzen und hoffen, dass schon alles glatt geht.“

, erklärte er ruhig, während er die Kätzin fixierte. Für einige Sekunden lies er seine Erklärung einwirken, bevor er weitersprach:

“Ich unterstelle euch nichts. Ihr habt viel mehr dieser Kreaturen getötet und ausgelöscht als ich. Und wie ich schon sagte: Eurer Feind ist auch mein Feind! Ich werde diese Kreaturen nicht hassen und doch werde ich nicht zulassen, dass sie weiterhin Unschuldige ihr Leben nehmen!“

, knurrte er leise und sah die Kätzin weiterhin an. Er würde nicht auf ihre Aussagen eingehen; das würde zu nichts führen. Und er würde auch nicht weiter auf sein Verhalten eingehen. Er hatte sich für sein Fehlverhalten entschuldigt und ihren emotionalen Ausbruch über sich ergehen lassen. Obwohl er sich nicht alles gefallen lassen müsste, würde er sich hüten, sie seinerseits zu belehren.
Véandur legte leicht den Kopf schräg, seine Ohren legten sich in den Nacken, seine Schnauze kräuselte sich leicht. Sein grauer Blick glitt über die Wasseroberfläche. Sachte schimmerte sie im Licht des Mondes.

“Vielleicht mögen viele Widerstandskämpfer das Kämpfen an sich. Das Adrenalin, welches durch den Körper jagt, wenn man mit voller Wucht auf den Feind zustürmt. Ich mochte den Kampf nie. Doch, wenn es sich nicht vermeiden lies, musste ich kämpfen. Und ich werde kämpfen mit Methoden, die nicht den Kampfmethoden unserer Art entsprechen!“

, bekräftige er mit Nachdruck seine Worte und sah die Kätzin wieder an. Wenn sie mit seiner Art zu kämpfen nicht klar kam, war das nicht sein Problem.

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