Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Rollenspielbereich: Betritt die Welt von Kihromah und werde Teil des großen Abenteuers
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Nyala
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyala » 11. Februar 2019, 19:43

Die weiße Fähe schenkte ihrem wohl ältesten Freund ein fast schon freundliches Nicken, als er sich daran machte ein paar Büschel ihres Fells zusammen zu zupfen, um seine Art der Markierung zu vervollständigen. Je mehr sie davon hinterließen und desto unterschiedlicher sie waren, desto wahrscheinlicher erschien es Nyala den Weg zurück auch wirklich zu finden. Sie hatten von den Tücken des Waldes gehört und spürten sie nun auch selbst am eigenen Leib. Keine Gerüche, nur schwer auszumachende Geräusche, so es sie denn gab und Wege und Pfade, die einfach aussahen wie ein und derselbe. Diese Mission offenbarte sich als schwieriger als ursprünglich angenommen und insgeheim war Nya froh darüber, dass sich die anderen ihren Anweisungen fügten. Selbst Kailan schien einzusehen, dass es wichtigere Dinge gab, die sie zuerst erledigen mussten.
Dennoch ließ der Hilferuf der Bärin im Wald die Wölfin nicht gänzlich kalt, innerlich kämpften Vernunft und ein Herz, dass sanfter war als es oft den Anschein machte, um die Vorherrschaft. Es war nicht einfach, es war nie einfach Entscheidungen zu treffen, doch in diesem Fall gab es nur einen Weg, den sie gehen konnten und der weiter voran.
Was wenn ihr nicht zurück kommt?, hallten die Worte von Brynn in Nyas Ohren nach. Dann wäre deine Rettung von vornerein zum Scheitern verurteilt gewesen, dachte die Fähe stumm für sich, denn sie hätten die Bärin sicherlich nicht allein zurück auf dem Pfad gelassen, sondern mitgenommen und so würde auch sie nicht zurückkehren.

Es half alles nichts, sie mussten das Flehen ausblenden und sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren, etwas das die Helle auch tat. Sie versprach Kailan und der roten Fellnase etwas, dass sie auch um jeden Preis versuchen würde einzuhalten.

“Sofern es mir möglich ist, halte ich meine Versprechen“,

sagte sie im ebenso ruhigen und leisen Ton wie Kailan, so dass nur sie es hören konnte. Sie hatte durchaus bemerkt, dass ihr die Worte von Rhorax vorhin nicht gefallen hatten und sie dem Neuen noch immer sehr misstrauisch gegenüber war. Das durfte und sollte sie auch ruhig sein, dass war durchaus einer der Vorteile, wenn es zwei Leittiere gab. Sie sahen die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln. So störte sich Nya bisher nicht am Verhalten des Bären und kam mit dessen Art gut zurecht. Kailan war in dieser Hinsicht vorsichtiger und behielt ihn besser im Auge. Gut so.
Schließlich sprach sie mit der kleinen Füchsin, bat sie um eine etwas besondere Art der Markierung, der Yaize auch zustimmte. Nur der Ausdruck in den klugen Augen der Roten verriet, dass ihr die Entscheidung nicht besonders gefiel. Ein ebenso großes Herz, wie das der Bärin schlug in ihrer Brust.

Die Gabelung war noch immer ein Problem, denn auch hier mussten sie eine Entscheidung treffen. Nyala hatte sich zunächst gemeinsam mit Kailan den einen Weg angesehen und war dann hinüber zu Nyphteq, während über ihr der Adler kreiste und sich unter den Baumkronen einen Überblick verschaffte.
Die Antwort der Katze war ernüchternd und der Blick auf den Weg bestätigte die Annahme, dass es auch hier nicht anders aussah. Die braunen Augen der Fähe richteten sich auf Lucien, der sich zu ihnen gesellte und genau dasselbe berichtete. Noch ehe sie etwas sagen konnte, geschah etwas sehr Merkwürdiges. Der Wind frischte auf, zerrte an den Blättern der Baumkronen und brachte ein tiefes Grollen mit sich. Als auch das Erdreich zu vibrieren schien, stellte sich das Nackenfell der Weißen auf und Blick huschte zu ihren Freunden und Mitstreitern. Es schien ganz so als würde der Wald sein Missfallen zum Ausdruck bringen, wo der Ton wie ein tiefes Donnergrollen durch ihre Körper wanderte. Nyala legte die Ohren an, sah sich um. Sie suchte nach der Quelle dieses Geräusches, doch es war nichts zu erkennen und letztlich ebbte es beinah genau so schnell wieder ab, wie es aufgekommen war.

Misstrauisch starrte Nya auf die Blätter am Boden und schüttelte sich schließlich.

“Es scheint fast so als würde der Wald selbst lebendig sein und es gefällt ihm ganz und gar nicht was wir hier tun“,

sagte sie für alle hörbar,

“ein Grund mehr für uns genauso weiter zu machen!“

Ein kurzes wölfisches Grinsen erschien auf ihren Lefzen, auch wenn das eben alles ziemlich gruselig war. Dann richtete sie ihr Augenmerk wieder auf Lucien und Nyph.

“Da beide Wege sich gleichen, wie ein Reh dem anderen, bleibt uns nichts anderes übrig als uns einfach für einen zu entscheiden. Wir nehmen den rechten und heben uns diesen hier für später auf“,

sagte sie und nickt hinüber zu Kailan,

“versuchen wir unser Glück bei diesem Weg. Lucien, ich möchte das du voraus fliegst. Nur soweit, dass du uns nicht aus den Augen verlierst.“

Der Adler würde von oben mehr sehen können, zumindest erhoffte die Weiße sich das. Schließlich drehte sie sich zu der Puma und legte den Kopf einen Moment zur Seite, da sie überlegte, welche Aufgabe sie ihrer Freundin geben konnte. Ihre Augen blieben an den Pfoten der Katze hängen.

“Kannst du dich mit Rhorax beim Markieren der Bäume abwechseln?“,

ihr Kopf drehte sich hinüber zum Bären,

“hee Großer, setzt an jeder Biegung des Pfades eine weitere Krallenspur. Aber lass die Bäume dabei stehen.“

Mit diesen Worten trabte sie hinüber zu Kailan, sah zu ihr hinauf und sprach etwas leiser weiter:

“Ist es in Ordnung, wenn du weiterhin hinten bleibst? Du bist groß genug, um die Gruppe im Auge zu behalten und ich möchte niemanden unterwegs verlieren, nicht nachdem dieser Wald immer zwielichtiger wird.“

Wer wusste schon, ob die Wurzeln und Äste nicht plötzlich zum Leben erwachten? Bei diesen Gedanken schüttelte die Wölfin innerlich den Kopf. Geistergeschichten und Märchen erzählte man den Jungen! Letztlich blieben nur noch Yaize und Raaka, der sein Federkleid mit weißen Federn aufgehübscht hatte, übrig. Für die kleine Füchsin hatte sie vorerst keine Aufgabe und auch der Raberich hatte vorerst genug Feder gelassen, auf diese Art der Markierung würden sie an der nächsten Weggabelung vielleicht noch einmal zurückkommen. Auch wenn Nyala hoffte, dass diese nicht sobald kam. Das fehlte noch, wenn sich dieser Wald als Irrgarten entpuppte.

“Ihr zwei halten Ohren und Augen offen, falls euch etwas komisch vorkommt, sagt sofort Bescheid“,

bat sie die beiden und stupste Yai kurz an der Schulter an, bevor sie Raaka eine kleine Feder klaute und sie sich zwischen das Brustfell steckte. Er würde es verstehen, genau wie sie seinen weißen Halsschmuck wieder erkannte. Nachdem sie alle instruiert hatte, sah sie ein letztes Mal zurück zwischen die Bäume.

“Brynn, wir kommen zurück und werden dir helfen!“,

rief sie der jungen Bärin zu und untermalte dieses Versprechen mit einem kurzen, aber intensiven Heulen. Danach trabte sie vorbei an ihren Freundin und setzte sich wieder an die Spitze, wo sie Lucien mit einem Nicken zu verstehen gab, dass es losging.

[ spürt das merkwürdige Geschehen / entscheidet sich für den rechten Weg / spricht mit den anderen / gibt schon wieder Anweisungen / spricht zu Brynn und läuft los ]


ooc: Falls irgendwem etwas nicht passt, sagt Bescheid!

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Raaka » 12. Februar 2019, 22:30

Richtig hübsch war sie geworden, seine Feder-Fell-Komposition. Wie ein Mahnmal im Miniaturformat, das sich mit präzise aufgestellten Federn aus dem Waldboden erhob und von einem Kreis schneeweißer Felllocken gesäumt war, die, in kleinen Abständen strahlenförmig angeordnet, einen neugierigen Blick auf sich zu lenken wussten. Anscheinend jedoch gefiel dieser Anblick nicht jedem. Den plötzlich aufkommenden Wind hatte der schwarze Vogel erst kaum wahrgenommen, auch wenn dieser allein ein außergewöhnliches Ereignis in diesem Wald darstellte. Doch als sich das buchstäblich markerschütternde Dröhnen dazu mischte, flatterte der Raberich erschrocken auf und konnte nur mit Mühe den Instinkt im Zaum halten, sich hoch über die Baumwipfel zu flüchten. Völlig unwillkürlich konterte er das Donnern mit lautem Krächzen und Zetern und wollte sich auch dann noch eine Weile lang nicht beruhigen, als das Grollen wieder abgeklungen war.

„Was um alles in der Welt…?!“,

krächzte er letztlich, von der eigenen Schimpftirade noch außer Atem. Ihm war, als hätte er, kurz bevor er abgehoben war, den Boden zu seinen Füßen vibrieren gespürt und selbst die Luft zwischen seinen Schwingen hatte merkwürdig geflimmert. Der plötzliche Adrenalinausstoß wollte noch nicht so recht verebben und so flog der Raberich noch einige hektische Runden um seine Freunde herum, ehe er sich getraute, auf dem Boden zur Ruhe zu kommen. Wenigstens war dieser nun wieder still. Nyalas Erklärung erschien im schlüssig, nein, er zweifelte gar nicht erst daran. Allerdings war sie auch nicht wenig besorgniserregend. Sie mussten unbedingt auf der Hut sein.

„Was für ein Schreck!“,

quittierte Raaka schließlich, mehr an sich selbst denn an die anderen gerichtet, aber dennoch deutlich hörbar, nachdem sich sein Atem wieder normalisiert hatte und der anfängliche Schock verdaut war. Und nun begann es in seinem Hirn zu rattern. Während er einige von Nyalas Fellbüscheln wieder zurecht rückte, die durch die seltsame Begebenheit in Unordnung geraten waren, sortierte er auch die Fragen in seinem Kopf und versuchte sich einen Reim auf die Geschehnisse zu machen. Es kam ihm gerade recht, dass Nyala auf ihn zukam, denn wenn jemand seine Gedanken verstand, dann doch wohl sie. Die Geste, mit welcher sie ihn bedachte, war eine willkommene Ablenkung und entlockte dem Schwarzen ein dankbares Blinzeln. Doch dieses Zeichen der Wertschätzung, das ihm eigentlich so viel bedeutete, musste warten. Kaum, dass er seine Anweisung erhalten hatte und wieder Bewegung in die Truppe gekommen war, hüpfte der Raberich auf die weißen Schultern seiner Freundin und schob den Schnabel vorsichtig an ihr Ohr. Er flüsterte sie zwar nicht, sprach seine Fragen jedoch mit gedämpfter Stimme aus.

„Meinst du, das eben war Re, der uns etwas sagen will? Aber was nur? Und warum klang es so unerfreut? Denkst du, wir haben irgendwie seinen Zorn auf uns gezogen?“

Bei den letzten Worten kribbelte es ihm unangenehm in den Federspitzen. Raaka war doch immer ein treuer Anhänger Res gewesen. Der Herr des Windes hatte ihn stets mit Faszination erfüllt. Er wollte bei ihm ganz sicher nicht in Ungnade geraten, geschweige denn sich ihm zum Feind machen.

[ erst beim Federhaufen | erschreckt sich heftig vom Donnern | spricht zu Nya ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Yaize » 18. Februar 2019, 14:58

Nachdem Yai ihrer Pflicht nachgekommen war und die Gabelung für sie markiert hatte, beobachtete die Füchsin neugierig und auch ein wenig hoffnungsvoll die Versuche ihrer Gefährten, den Richtigen Pfad für ihre weitere Reise auszuwählen. Dabei hatte sie den Kopf leicht zur Seite geneigt. Irgendwie mussten sie sich doch voneinander unterscheiden und letztendlich preisgeben, welcher sie nun zum Ziel führen würde. Ihre Hoffnungen wurden durch die Erkenntnisse ihrer Begleiter aber jäh zerschlagen und sie bekam mehr und mehr das Gefühl, der weiße Rabe wollte vielleicht gar nicht von ihnen gefunden werden. Oder irgendetwas wollte nicht, dass der Rabe gefunden wurde. Auch das konnte nicht ausgeschlossen werden. Was auch immer, beides würde ihnen ihre Mission nicht vereinfachen.

Kailan schien durch Yaizes Worte nur wenig beruhigt und rang Nya ein Versprechen ab sich um die Bärin zu kümmern, sobald sie ihre Mission abgeschlossen hätten. Das der Wölfin zugewandte Ohr zuckte leicht, als Nya dieses Versprechen gab, allerdings mit dem Zusatz, sofern es ihr möglich sei. Das klang wie eine Rückversicherung es nicht halten zu müssen, wenn es später vielleicht nicht mehr so ohne Weiteres möglich sei und die Zweifel in Yaizes Augen sprachen Bände. Vielleicht würde dies ihre einzige Möglichkeit bleiben Brynn zu helfen und sie vergaben diese nun. Sie hoffte, die Geister wären gnädig und würden sie irgendwie zu der Bärin zurück führen.

Als der Wald selbst dann den Eindruck machte lebendig zu werden, die Baumkronen vom Wind getrieben raschelten und ihre Blätter abwarfen und zugleich ein gewaltiges, für die sanften Fuchsohren markerschütterndes Grollen erklang, suchte Yai die Nähe von Kailan. Eng drückte sie sich an das Bein der Bärin, während der Blick und die Ohrmuscheln unstet umher gingen und die Quelle für das laute Geräusch suchten. Dabei waren die Augen geweitet und der Fuchskörper zitterte leicht im selben Rhythmus, wie der Boden unter ihren Pfoten. Sie hatte so etwas noch nie im Leben vernommen und verspürte fürchterliche Angst. Was auch immer dieses Geräusch verursachte, es musste sich um etwas gewaltig Großes und, zumindest verfestigte sich der Eindruck immer mehr, auch furchtbar Wütendes handeln. Als das Geräusch dann wieder abebbte benötigte Yai einen Augenblick um sich zu fangen. Sie schüttelte einmal den Pelz durch und leckte sich gefühlt ein Dutzend Mal über die Nasenspitze. Ihre Ohren verfolgten die wiederaufkommenden Gespräche der Anderen. Während Nya ihre Anweisungen für alle gut vernehmbar aussprach, suchte Raaka eher das stille Gespräch mit der Wölfin, nachdem er sich auf ihrer Schulter niedergelassen hatte. Wäre Yai nicht zuvor an ihre Seite getappt, hätte sie die Worte des Raben vermutlich nicht mitbekommen und so ihre Neugier stillen können.

"Wenn du mich fragst, dann klang das eindeutig nach einem Drachen. Ich meine, ich habe noch nie einen Drachen getroffen oder brüllen gehört. Aber wenn ich mir vorstelle wie das Brüllen eines Drachen klingen könnte, dann doch bestimmt so. Und der plötzlich aufkommende Wind, vergesst den nicht! Der könnte von einem gewaltigen Flügelschlag stammen. Das würde viel erklären. Denkt ihr, in diesem Wald lebt ein Drache?"

Der Gedanke war so beunruhigend, dass sich die Füchsin immer wieder zu allen Seiten umsah. Sie erwartete fast, dass gleich ein gewaltiger Schatten aus dem Wald auf sie zustürmen und sie alle in wenigen Augenblicken auffressen würde. Das wäre auch die Erklärung dafür, weshalb keiner diesen Wald wieder lebendig verlässt. Läge sie richtig, dann hätten sie sich dem Ungetüm quasi direkt ins Maul begeben und es musste nur noch zuschnappen.

"Was auch immer das war, es klang auf jeden Fall nicht glücklich. Ja Raaka, ich finde das klang definitiv zornig. Und wenn das tatsächlich an uns lag… ich weiß ja nicht, ob es so gut ist sich mit etwas anzulegen, das so ein lautes Geräusch verursachen kann…"

Bei ihrer letzten Bemerkung blickte sie Nyala an, die vor kurzem noch gemeint hatte, das Geräusch sei ein gutes Zeichen dafür, dass sie auf dem richtigen Weg waren und weiter machen sollten wie bisher. Sie schluckte schwer und sah wieder nach vorne. Sie blieb noch einen Moment bei den Beiden, aber als sie den rechten Pfad folgend dann schließlich aufbrachen, begab sich die Füchsin nach einer Weile an die Seite von Nyphteq. Die Katze kannte Nyala länger als der Rest der Truppe und es gab eine Beobachtung, über die die Füchsin unbedingt mit jemanden sprechen musste. Sie verringerte den Abstand zwischen sich und dem Puma und sprach mit deutlich gedämpfter Stimme.

"He… Nyph. Sag mal, ist dir aufgefallen, dass Nya irgendwie anders wirkt in letzter Zeit? Insbesondere, seit wir den Wald betreten haben? Irgendwie… ich weiß nicht wie ich es nennen soll… netter und sozialer und teilweise sogar freundlich und… verspielt? Gar nicht so grimmig und verbissen wie üblich."

Die Füchsin blickte verstohlen zu der weißen Fähe, ehe sie weiter sprach.

"Also nicht, dass mich das stören würde. Aber glaubst du, der Wald beeinflusst uns irgendwie?"


[ an der Seite von Nyphteq | bekommt beim lauten Grollen furchtbare Angst, vermutet einen Drachen hinter dem Lärm und tuschelt zuletzt mit Nyph über Veränderungen, die ihr an Nya aufgefallen sind ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyphteq » 18. Februar 2019, 22:14

Bereits das erste leise Rascheln der Blätter über ihr hatte Ohren und Augen der Raubkatze nach oben schnellen lassen. Ein kurzer Gedankenblitz suggerierte zuerst Erleichterung darüber, dass endlich mal etwas Normales in diesem Wald zu geschehen schien. Doch diese Hoffnung wurde nur allzu schnell zerschlagen und schickte sich an, in blanken Horror überzugehen, als das ohrenbetäubende Brüllen auf sie herniederging und dabei gefühlt die Luft verdickte. Vom Nacken bis zur Schwanzspitze zog sich ein straffer Kamm über das Fell der Berglöwin, die sich reflexartig duckte und den unerwarteten Stress der Aufregung in einem scharfen Fauchen entlud. Die Ohren flickten unwirsch hin und her in dem vergeblichen Versuch, die Quelle des Grollens auszumachen. Aus ihren Pranken traten die scharfen Krallen hervor, bereit, jeden Moment zuschlagen zu müssen, während das Beben in ihren Knochen, ausgelöst durch den Lärm und den zitternden Boden zu ihren Pfoten, ihre Muskeln angespannt hielt. Doch ehe sich die vermeintliche Gefahr zeigte, kehrte wieder Stille in den Wald und nach einigen kräftigen Atemzügen, war es nur noch das schnell schlagende Herz der Katze, das von der unwirklichen Erscheinung übrig blieb.

Nyphteq richtete sich auf, und fuhr sich mit der rauen Zunge einige Male hektisch über den Brustpelz, um sich wieder zu sammeln. Das Nackenfell glättete sich wieder und zuckte nur noch leicht, wenn eines der letzten kleinen Blätter auf sie nieder rieselte. Ihr Blick glitt zu Nyala, die als erste die Worte über das eben Geschehene fand, und die schließlich auch wieder eine Aufgabe für die Katze parat hatte. Diese nickte nicht undankbar darüber, eine Beschäftigung zu haben, auf die sie sich konzentrieren konnte. Dennoch huschten ihre Augen kurz zweifelnd zu Rhorax, den sie wohl noch davon überzeugen musste, einige Bäume für sie übrig zu lassen.
Während die Wölfin die übrigen Ansagen verteilte, setzte sich die Katze in Bewegung und beschritt den Weg, den sie eben gekommen war, zurück zur Verzweigung, ordnete sich dann in der Mitte der Gruppe ein und folgte den anderen den rechten Pfad entlang. Wieder suchten ihre Augen aufmerksam die Umgebung nach etwas Ungewöhnlichem oder möglichen Hinweisen ab, während sie gleichzeitig Ausschau nach einem geeigneten Baum für ihre erste Markierung hielt. Ihr Blick bleib auch weiterhin aufrecht, als Yaize mit einer Frage an sie herantrat. Die Ohren jedoch waren für den Moment auf die Füchsin gerichtet und kurzzeitig wirkte es sogar so, als läge ein leichtes Lächeln auf den Lefzen der Berglöwin. Tatsächlich war auch ihr der Wandel der Wölfin nicht entgangen, jedoch war sie im Gegensatz zu der Roten sicher, die Antwort darauf bereits zu kennen und konnte ihr damit womöglich die erste Furcht schon einmal nehmen.

„Dieser Wald mag uns vielleicht an unsere Grenzen treiben, aber sicher nicht in solch einer Art und Weise“,

sprach sie und betrachtete dabei den weißen Pelz ihrer Freundin, ehe ihre Augen dann doch kurz zu Yaize abschweiften.

„Das ist die Verantwortung, die jetzt auf ihr lastet. Eine solche Aufgabe ist größer als wir selbst. Wenn du für das Wohl deines … Rudels sorgen musst, dann sind deine eigenen Empfindungen zweitrangig.“

Damit entzog die Katze der Füchsin wieder ihren Blick und betrachtete eine sich nähernde Biegung des Pfades. Ihre Gedanken hingen jedoch weiterhin an dem eben Gesagtem.

„Wenn du mich fragst“,

fügte sie nachdenklich hinzu und sprach dabei noch leiser als zuvor.

„Ich bin zwar kein Wolfsexperte, aber es wundert mich, dass Nyala nie ihr eigenes Rudel hätte. Sie würde eine gute Leitwölfin abgeben.“

Nyphteq hatte zwar grob mitbekommen, dass Nyala in ihrer Familie nicht das höchste Ansehen genoss, aber sie verstand nicht, warum sich die Wölfin deshalb nie abgesetzt hatte. Dass sie der Verantwortung gewachsen war, stand für die Katze völlig außer Frage und ihr derzeitiges Verhalten war Beweis genug. Himmel, sie hatte ja sogar die eigenständige Raubkatze beinahe soweit, dass sie ihr blind folgen würde. Und das war mit Sicherheit kein Zugeständnis, das Nyphteq leichtfertig von sich geben würde. In diesem Moment bedeutete das zudem, dass die Berglöwin einen der Bäume an der nahen Windung des Pfades ansteuerte und Yaize damit für den Moment mit einem letzten Nicken allein ließ.

„Der hier gehört mir“,

waren ihre Worte knapp an Rhorax gerichtet, ehe sie sich an die Front der Gruppe begab und am ausgewählten Baum Halt machte. Auf die Hinterbeine gestellt, trieb sie ihre Krallen tief in die knorrige Borge und zog sie mit durchgestrecktem Rücken den Stamm hinab. Die Ohren waren angelegt und die Augen leicht verengt, während sie abwechselnd mit der linken und der rechten Pranke über das Holz fuhr. Im Gegensatz zu dem Bären, der dabei den halben Baum ramponiert hatte, hinterließen ihre Krallen schmalere, aber dennoch deutlich erkennbare, tiefe Striemen in der Borke, durch die das hellere Innenleben des Stamms hindurchschimmerte. Nur an einigen Stellen blätterte die Rinde in kleinen Brocken komplett ab und hinterließ dabei leichte Flecken in ihrer Markierung. Das Kratzen, das für die Berglöwin nicht mehr als ein natürliches Verhalten war, gönnte ihr dabei gleich mehrere positive Nebeneffekte. Sie schärfte ihre Krallen, entlud den Stress, dehnte die angespannten Muskeln und sorgte nebenher auch noch dafür, dass sie ihren Weg wieder zurück finden würden. Als sie fertig war, spürte sie deshalb sofort, wie es ihr wieder ein wenig besser ging. Auf diese Weise aufgefrischt ordnete sie sich wieder in ihrer ursprünglichen Position in der Gruppe ein und wartete darauf, was der Wald noch für sie zu bieten haben würde.

[ letztlich in der Mitte der Gruppe | antwortet Yai | markiert einen Baum | kehrt dann zurück ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Rhorax » 19. Februar 2019, 15:57

Das Grollen, das aus heiterem Himmel ihre Gruppe traf, überrumpelte auch Rhorax, jagte ihm aber verglichen mit den anderen deutlich weniger Furcht ein. Er musste sofort an das herausfordernde Brüllen eines großen Tieres denken, auch wenn ihm spontan kein Tier einfallen wollte, das ein dermaßen lautes Organ haben könnte. So blieb der vermeintliche Kontrahent in seinem geistigen Auge ein undeutlicher Schemen. Was Herausforderungen betraf gab es aber gewohnheitsmäßig selten etwas, dem Rhorax sich nicht gewachsen fühlte und so folgte eine gewisse Routine. Der Bär richtete sich zu voller Größe auf, präsentierte sich gefährlich und kräftig wie er es oft tat, wenn er glaubte ein Kampf stünde bevor und der Gegner ließe sich vielleicht von seiner Statur einschüchtern. Er sah sich in alle Richtungen um, erfasste aber erwartungsgemäß nichts und als das Geräusch wieder verschwand, ließ er sich nach zwei längeren Atemzügen auch wieder auf alle Viere fallen und knurrte einmal bedrohlich. Was auch immer ihnen Angst einjagen wollte, es sollte nicht glauben, dass sie sich so einfach einschüchtern ließen, auch wenn man das Grollen unstrittig als einschüchternd bezeichnen konnte.

Bevor die Gruppe dem rechten Pfad folgend schließlich aufbrach, sah sich Rhorax noch einmal nach den von ihnen platzierten Wegmarken um. Rabenfeder und Wolfsplüsch, zerkratzte Baumrinde und Fuchsgeruch. Die Wölfin hatte sich einige clevere Strategien ausgedacht, das musste der Bär anerkennend zugeben. Der Respekt ihr gegenüber als Leittier stieg. Dann reihte er sich vor Kailan in ihre Kolonne ein und stapfte los.

Als sie nach einer Weile die erste Biegung erreichten, wandte sich die Raubkatze ihrer Gruppe an ihn und beanspruchte die nächste Wegmarkierung für sich. Rhorax brummte nur leise und tappte dann langsam weiter. An der nächsten Biegung übernahm er dann die Wegmarke, wobei er nun nicht mehr das Bedürfnis hatte Stress abbauen zu müssen und somit umsichtiger mit den Bäumen umging. An den Gesprächen der anderen beteiligte er sich zwar nicht, aber er folgte ihnen hier und da. Es war mal wieder die einzige Abwechslung während ihrer Weiterreise, abgesehen vom Setzen der Markierungen. Allerdings mussten sie auch nicht lange auf die nächste Überraschung warten. Es waren kaum ein halbes Dutzend Wegmarkierungen von ihm und dem Puma platziert wurden, da gelangten sie erneut an eine Weggabelung. Diese unterschied sich aber gewaltig von ihrer Letzten und brachte selbst den Großen gewaltig ins Stocken. Ungläubig ließ er den Blick schweifen. Beinahe hätte seine Stimme versagt, aber auch wenn er es schaffte sie einigermaßen unter Kontrolle zu halten, so brach er doch mitten im Satz ab. Ihm fehlten schlichtweg die Worte.

"Das KANN einfach nicht… "

[ bei den anderen | markiert immer mal wieder einen Baum, erfasst die nächste Gabelung, verschlägt es die Sprache ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Spielleitung » 19. Februar 2019, 15:59

UPDATE:


Die nächste Weggabelung

Es dauerte nicht lange, da erreichte die Gruppe die nächste Weggabelung. Vor ihnen lag ein Punkt, von dem aus, der Pfad von dem sie kamen eingeschlossen, insgesamt fünf Pfade sternförmig abzweigten. Insgesamt gab es also vier Möglichkeiten für sie ihren Weg fortzusetzen, sollten sie nicht umkehren oder sich selbst einen Weg durch den Wald schlagen wollen. Wie an der letzten Gabelung unterschieden sich die Wege auf den ersten Blick nicht von dem, was sie bereits kannten, abgesehen von einer bedeutenden Ausnahme: Seitlich an jedem Pfad steckte eine kleine, schwarze Rabenfeder im Boden, umgeben von weißem Wolfsfell. Zudem roch es nach Fuchsmarken und auch die Bäume trugen von Krallen verursachte Markierungen. Und diese waren nicht nur von Bärenkrallen verursacht, an zwei Bäumen stammten die Beschädigungen der Rinde eindeutig von Pumakrallen und sahen genau so aus wie die, die Nyphteq nun schon mehrmals hinterlassen hatte.

Sollte sich jemand entscheiden die ungewöhnlichen Marken genauer zu untersuchen, so wird er schnell feststellen, dass die Feder eindeutig Raaka, das Fell eindeutig Nyala und auch die Fuchsmarke eindeutig Yai zuzuordnen war. Optisch, vom Geruch und ja, wenn man so wollte, auch vom Geschmack her. Alle Sinne würden bestätigen, dass diese Zeichen von ihnen hinterlassen worden waren, auch wenn dies jeglicher Logik widersprach.

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyala » 21. Februar 2019, 20:09

Das seltsame Geschehen ging an niemanden spurlos vorbei, es hatte sie alle erschreckt und so war es kein Wunder, dass Raaka emporflog, sich Yaize dichter an Kailan drückte und Nyphteq fauchender Weise einen Buckel machte. Dieser Wald war sonderbar, unheimlich und nun auch noch verärgert. Dennoch ließ sich die weiße Fähe von alldem nicht aus der Ruhe bringen, ganz im Gegenteil fachte es des den Enthusiasmus nur noch mehr an. Vielleicht hatten sie endlich eine Möglichkeit gefunden sich hier zurecht zu finden.

Nachdem sie allen ein paar weitere Anweisungen gegeben hatte, setzte sich Nyala wieder an die Spitze, wobei ihr der schwarze Gefiederte auf die Schultern hüpfte und ihr ein paar Fragen stellte, die Nya einige Augenblicke lang nachdenken ließ. Ihr Ohr, dass der Füchsin zugewandt war, zuckte leicht, denn auch Yaize hatte eine Vermutung, woher der Wind und das Grollen gekommen war. Die alten Geschichten aus ihren Kindertagen hatte die Helle nie vergessen, sie sogar selbst ihren Nichten und Neffen erzählt. Früher einmal hatte sie auch sehr fest an all das geglaubt, heute sah die Sache anders aus. Mythen und Legenden, Erzählungen, um die Jungen zu erschrecken.
Doch vielleicht lag doch mehr Wahrheit in all dem, was sonst hätte ein solches Spektakel verursachen können, wenn nicht die Elementbestien höchstselbst? Oder einer der Wächter?

“Ich glaube nicht das es Re war, es passt nicht zu ihm. Der Wind vielleicht, doch das Beben der Erde nicht. Möglicherweise hat das Rotfell recht und es war ein Drache, doch warum sollte er sich dann vor uns verstecken?“,

sie neigte den Kopf etwas zu Yai und ließ die Frage offen im Wald stehen. Wenn es Drachen wirklich gab und sie so mächtig und riesig waren, wie Nyala sie sich vorstellte, dann bräuchten sie sich nicht zu verstecken. In ihren Augen war es weder Re noch ein Drache, trotzdem hatte sie keinen besseren Einfall, was es stattdessen war, wenn nicht der Waldgeist höchstpersönlich.
Die kleine Füchsin setzte sich ab, leistete Nyph Gesellschaft, was Nya nur am Rande mitbekam, die sich viel mehr auf den Weg konzentrierte, der genau so eintönig war, wie ihr bisheriger Fußmarsch. Hier und da eine Biegung, das wars dann aber auch schon.

“Weißt du Raaka, ich glaube wirklich nicht, dass es Re war. Warum sollte er nicht wollen, dass wir den weißen Raben finden, wenn er einer von den Wolkengeschöpfen ist, wie du meinst?“,

sagte sie zu ihrem Freund und versuchte ihn dadurch auch ein klein wenig aufzumuntern, immerhin schien der Schreck noch in seinen Knochen zu stecken, außerdem war er doch ein Fan von Re, dem Gott des Windes.

Nach weiteren Metern und einer erneuten Biegung lichtete sich der Weg vor ihnen, so dass die Weiße ihre Schritte etwas beschleunigte nur um kurz darauf ungläubig stehen zu bleiben. Was zum Teufel ging hier vor? Sie starrte die fünf Abzweigungen an, doch was sie mehr aus dem Konzept brachte waren die Markierungen. Kratzer an den Rinden, Fell und Federn und ihre Nase witterte Fuchs. Das konnte doch nicht wahr sein. Wie war das möglich?
Die Worte Rhorax nahm sie nur am Rande wahr, auch wenn es ihr ganz genau so erging. Sie verstand die Welt nicht mehr.
Langsam spannte sich ihr Körper an, stellte sich ihr Rückenfell auf. Nichts was sie kannte, konnte erklären, wie das vor ihnen zustande kam. Es war einfach unmöglich und doch verrieten all ihre Sinne ihr, dass es keine Einbildung war. Das musste ein ganz schlechter Alptraum sein! Ihre eigene kleine Hölle, was sonst hielt sie so zum Narren? Ganz sicher träumte sie das alles nur. Sie war in Wirklichkeit gar nicht hier im Wald. War weder Leittier der Gruppe, noch hatten sie jemals diesen bescheuerten Auftrag bekommen. Wer glaubte schon an weiße, blinde Raben, die ihnen den Weg zu mysteriösen Artefakten sagen konnte, damit sie die blöden Krabbelbiester endlich loswurden?

Nyala schloss einen kurzen Moment die Augen, atmete tief durch und zählte bis vier, dann öffnete sie die Seelentore wieder. Nichts. Es hatte nichts verändert, die fünf Wege mit den Markierungen waren immer noch da. Ihr wirklich gut durchdachter Plan war vollkommen umsonst gewesen! Wie verdammt zum alten Grimmbart sollten sie jemals den Raben finden und hinterher wieder hinaus aus dem Wald?!
Ein tiefes Knurren bildete sich in ihrer Kehle, dass zum Ende hin in ein fast schon verzweifeltes Jaulen überging und dann setzten ein paar Synapsen in ihrem Verstand für einige Augenblicke aus. Sie sprang nach vorne, vernichtete einen der Feder-Fell-Kreise, rannte weiter zu einem Baum, wo deutlich die Spuren von Puma- und Bärenkrallen zusehen waren und biss in die Rinde, bis sie ein Stück davon hinausriss und letztlich buddelte sie noch Sand über eine Fuchsduftnote, ehe sie aufgebracht und leicht zitternd stehen blieb und die restlichen Markierungen anstarrte.

Das hatte nun auch nicht viel gebracht, außer dass sie ihrer Wut etwas Luft gemacht hatte.

“Ich hasse diesen Wald!“,

knurrte sie und fletschte die Zähne,

“Ich hab die Nase voll von diesem Ort und seinen Geistern, die Schabernack mit uns spielen!“

Mit diesen Worten drehte sie sich herum zu ihren Freunden und seufzte tief.

“Einer von euch darf sich den nächsten Weg aussuchen und wir werden nicht aufhören Markierungen zu setzten“,

sagte sie und benahm sich gerade vielleicht ein klein wenig, wie ein bockiges Junges. Aber was der doofe Wald konnte, konnte sie schon lange.

[ spricht mit Raaka und Yai / glaubt nicht was sie da sieht / rastet kurz aus / ist bockig ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Raaka » 23. Februar 2019, 02:45

Mit vereinten Kräften gelang es Yaize und Nyala mit wenig Aufwand, dem Raben die größte Sorge schnell wieder zu nehmen. Ja, bestimmt hatte sich Re noch nicht gegen sie gestellt. Es gab ja auch eigentlich keinen Grund dazu, immerhin standen sie auf seiner Seite und ihr Ziel war es schließlich, Kihromah vor den grässlichen Krabbelviechern zu befreien. Etwas das doch nur in Res Sinne sein konnte. Daran erinnerten ihn die Worte von Nyala, die sie an den Schwarzen richtete, nachdem Yaize sich wieder abgesetzt hatte.

„Du hast recht!“,

quäkte Raaka hörbar erleichtert von den Wolfsschultern herab.

„Wenn Re nicht wollte, dass wir uns mit Wolkengeschöpfen anfreunden, dann hätte ich dich ja auch nie kennengelernt. Und ich glaube nicht, dass Re zulassen würde, dass die Ska seine Welt zerstören!“

Aber da war auch noch etwas anderes. Eine Möglichkeit, die beide seiner Freundinnen angesprochen und für denkbar befunden hatten – Drachen. In seinem Kopf klaubte der schwarze Vogel bereits all sein Wissen über Drachen zusammen, das er über die Jahre erlangt hatte. Besonders viel war das nun nicht. Mythen und Legenden, nicht mehr. Selbstverständlich war Raaka – auch wenn er mit einigen Tieren gesprochen hatte, die diese Erzählungen für bloße Märchen hielten – davon überzeugt, dass es Drachen gab oder zumindest einmal gegeben hatte. Sie seien einst die Wächter der Welt gewesen, hieß es.

„… Aber dann ist irgendetwas passiert …“,

murmelte der Schwarze, ohne zu bemerken, dass er dabei laut gedacht hatte. Irgendetwas hatte einen Teil der Drachen dazu bewegt, sich abzuwenden. Über das, was danach geschah, hatte der Raberich bisher nur wenige Überlieferungen sammeln können. Aber so wie er das sah, musste das ja bedeuten, dass es gute und böse Drachen gab, sofern sie nicht wirklich vor langer Zeit ausgestorben waren. Und ja, dieses Ereignis eben könnte tatsächlich ein Indiz dafür gewesen sein, dass sie es eben nicht waren.

Dann muss es einer der Bösen gewesen sein. Warum sollte ein guter Drache uns so erschrecken wollen?,

fragte sich der Schwarzschnabel und war bereits damit beschäftigt, innerlich Verknüpfungen zwischen einem wütenden Drachen und dem Wolkenraben zu erstellen, als Braunpelz Rhorax’ laute Stimme ihn unwirsch aus den Gedanken riss.
Als der Rabe den Blick hob und die Bilder, die während seiner tiefen Grübelei mit wenig Beachtung an ihm vorbeigegangen waren, wieder in seinen Kopf drangen, erkannte er auch sofort den Grund des Aufruhrs und brachte selbst ein verblüfftes Krächzen hervor. Kurz darauf begann es unter ihm mächtig zu grollen. Der Rabe spürte die Vibration von Nyalas Geknurre deutlich in den Klauen und hob die Schwingen bereits zur Hab-Acht-Stellung an. Nicht umsonst, wie sich bald herausschnellte, denn als die Wölfin plötzlich nach vorne preschte, riss es dem Raben förmlich den Boden unter den Füßen weg und nur der schnellen Reaktion seiner aufmerksamen Flügel war es zu verdanken, dass er nicht kopfüber zu Boden purzelte, sondern sich mit kräftigen Schlägen in der Luft hielt und sich schließlich sanft zur Erde gleiten ließ. Mit großen Augen beobachtete er indes Nyalas Ausraster und tippelte erst als sie sich wieder gefangen hatte ruhig in die Mitte der Abzweigung.
Hier waren zweifelsohne mystische Mächte am Werk gewesen, aber offensichtlich beunruhigte dies den Raben weniger als der vermeintliche Drachenschrei zuvor. Er keckerte sachte, während er sich nach allen Richtungen umblickte und die Markierungen, die Nyala übrig gelassen hatte, begutachtete, ehe er seine Gedanken mit den anderen teilte.

„Man könnte meinen, dass wir diese Markierungen tatsächlich selbst gesetzt hätten und dann irgendetwas unsere Gedanken ausgelöscht hat, aber“,

sprach der Schwarze seine erste Theorie aus, die er direkt selbst zu widerlegen wusste.

„Dieser Federhaufen hier, er sieht überhaupt nicht aus wie meiner. Hier steckt nur eine Rabenfeder, nicht mehrere wie bei meinem und mir scheint, das Fell hier ist auch eher amateurhaft da herum drapiert.“

Er musste es schließlich wissen, soviel Mühe, wie er sich damit gegeben hatte.

„Natürlich könnte man nun denken, dass wir diese Markierungen vielleicht unter Zeitdruck setzen mussten und sie deshalb so stümperhaft anmuten. Aber selbst dann wären wir doch sicher klüger gewesen, als sie alle gleich aussehen zu lassen!“

Er zumindest wäre es sicher gewesen.

„Das heißt, jemand anderes muss sie gelegt haben, um uns in die Irre zu führen. Und zwar jemand, mit sehr großer Macht, mit der er unser Gefieder und Fell kopieren konnte. Vielleicht … wirklich ein Drache?“

Sein Blick huschte zu Yai während er noch einmal ihre Worte bedachte. Vielleicht hatten sie ja den Drachen gehört, als er gerade auf dem Weg zu dieser Gabelung war. Zugegeben, er wäre beeindruckend schnell gewesen, ganz so als hätte er sich aus dem Nichts zu ihnen teleportiert. Aber das war eine Kraft, die Raaka einem Drachen durchaus zutrauen würde.

„Aber was auch immer es war – wäre ich ein Wesen mit einer solchen Macht und der Absicht, uns vom rechten Weg abzubringen, ich würde alle vier Pfade in die Irre laufen lassen. Ich meine, wenn es schon unsere Markierungen aus dem Nichts herzaubern kann, wieso sollte es dann nicht auch neue Wege erschaffen können? Oder zumindest eine ziemlich überzeugende Illusion davon? Haltet mich für bekloppt, aber ich glaube, der einzig logische Weg ist der, von dem wir gekommen sind. Rabenintuition. Ich würde mich auch nicht wundern, wenn wir an der Gabelung dann auch etwas Neues vorfänden.“

In den Federspitzen spürte Raaka bereits ein aufgeregtes Zittern. Wo mystische Kreaturen am Werk waren und ihnen Rätsel aufgaben, entfachte sein Feuer. Ob er mit seiner Intuition richtig lag, wusste er selbstverständlich nicht, aber er war sicher, dass ihnen der Weg zurück neue Erkenntnisse bringen würde, selbst wenn sie nichts vorfänden. Außerdem würden sie dann den anderen Pfad ausprobieren können. Und ein wichtiger Teil des Rätselknackens war es doch, sich alle Hinweise ganz genau anzusehen.

[ Denkt über Yaizes und Nyas Worte nach | hoppelt bei der Kreuzung in die Mitte und teilt seine Beobachtungen mit ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Yaize » 28. Februar 2019, 20:03

Die Füchsin lauschte den Worten von Nyphteq aufmerksam und warf ein-zwei Mal einen verstohlenen Blick in Richtung der weißen Wölfin. Dann sah sie wieder auf den Weg und nickte bedächtig.

"Wahrscheinlich hast du Recht. Ich war auch schon Leittier und erinnere mich, dass ich mich damals anders gefühlt habe als sonst. Es war zwar auch aufregend und spannend entscheiden zu können, wie es weiter geht, aber zu wissen, dass eine falsche Entscheidung die anderen in Gefahr bringen könnte, das hat mich immer wieder ziemlich lange beschäftigt. Ich glaube ich bin einfach noch nicht bereit für so viel Verantwortung."

Sie sah auf zur Puma an ihrer Seite und lächelte. Auch ihre Stimme war in ein leises, irgendwie verschwörerisch klingendes Wispern übergegangen, so als teile sie gerade die dunkelsten Geheimnisse über ihre gemeinsame Freundin mit Nyph.

"Aber bei Nya ist das anders. Ich hab ihr vor der Mission auch schon gesagt, dass ich sie für ein gutes Leittier halten würde, noch bevor Brastk es verkündet hat. Du kannst dir ganz bestimmt vorstellen, wie sie reagiert hat."

Das Lächeln wandelte sich zu einem fuchsvergnügtes Grinsen. Auch wenn Yai die Weiße inzwischen meinte als Freundin gewonnen zu haben und sie sehr gerne mochte, so ließ sich nicht abstreiten, dass sie manchmal auch ziemlich störrisch, eigenwillig und verbohrt sein konnte. Nya schien sich selbst gegenüber besonders hart zu sein, ziemlich hohe Anforderungen an sich selbst zu haben. Darin glichen die Füchsin und die Wolfsfähe sich. Anders als Yaize, die aber überzeugt war mit genug Anstrengung irgendwann an einen Punkt zu gelangen, an dem sie sicher über sich hinaus wachsen würde, schien Nyala der Ansicht zu sein, dass sie einfach nie gut genug sein würde. Das war natürlich absoluter Unsinn, aber es würde noch sehr, seeehr viel Überzeugungsarbeit nötig sein, diese Tatsache in den sturen Wolfskopf einzupflanzen.

Yaize leckte sich einmal über die Nasenspitze und beobachtete, wie Nyph die nächste Wegmarke platzierte. Da dies einen Moment dauerte, spähte sie noch eine Runde um sich, schnupperte und spitzte die Lauscher. Nichts. Sie zweifelte daran, dass sich so bald etwas an den Sinneswahrnehmungen ändern würde. Es schien beinahe so, als versuche der Wald etwas vor ihnen zu verbergen.

Als Nyph fertig war und sie weiter trotteten, setzte Yaize wieder zu Reden an, weiterhin in gedämpftem Tonfall.

"Ich schätze wir sind jetzt erst mal eine Weile ihr Rudel. Ich bin jetzt lange genug dabei und habe mich ziemlich daran gewöhnt mit anderen Tieren unterwegs zu sein, aber ich vermute sie tut sich da noch etwas schwer mit."

Dann fiel ihr etwas ein und sie sah zu Nyphteq auf, den Kopf leicht zur Seite geneigt und ein Ohr abgeknickt.

"Wobei das für dich sicher auch noch ein bisschen komisch ist, oder? Ich meine ihr Pumas stromert in der Regel ja eher alleine durch die Gegend, nicht wahr?"

Yaize war ins Plaudern geraten. Sich zu unterhalten war Inmitten dieses unheimlichen Waldes eine willkommene Abwechslung. Dennoch bemühte sie sich, immer mal wieder einen Blick, eine Nase und einen Lauscher auf ihre Umgebung zu haben.

Als sie dann nach einer Weile an eine weitere Kreuzung gerieten, verschlug es sogar ihr für einen langen Augenblick die Sprache. Irritiert wanderten die Augen der Roten von einer vermeintlich echten Markierung zur Nächsten. Ab jetzt konnten sie sich sicher sein, dass etwas mit diesem Wald ganz und gar nicht stimmte. Es schien beinahe, als stelle er sie auf die Probe, versuche sie zu strapazieren und aus der Fassung zu bringen und so irgend einen Fehler zu provozieren. Und auch wenn Yai durchaus erwartet hat, dass dieses Spiel oder was immer es war eine Reaktion bei ihren Freunden auslösen würde, die wenig glücklich ausfallen konnte, so war sie doch überrascht von der Art, wie Nyala sich schließlich Luft machte. Vorsichtig wandte sie den Kopf in Richtung von Nyphteq, suchte den Blick der Puma und zuckte ratlos mit den Schultern.

Als der Anflug von Wut etwas nachgelassen zu haben schien, tappte Yai vorsichtig an die Seite von Nya und stupste sie einmal ganz leicht mit der Nasenspitze an.

"Na na... gaaanz ruhig. Alles wird gut. Wir packen das. Irgendwie..."

Als Raaka die Lage analysiert hatte und voller Überzeugung seine Meinung kundtat, da nickte Yai zustimmend und schenkte der Weißen ein mildes Lächeln.

"Siehst du, das ist doch schon mal ein Plan. Vielleicht teilt sich ja der andere Weg nicht auf und führt direkt um weißen Raben. Könnte doch sein. Wir hätten einfach nur links gehen müssen. Wir sind bestimmt bald da und können dann wieder verschwinden."

So hundertprozentig glaubte nicht einmal Yaize daran, dass es so einfach sein würde. Dennoch klangen ihre Worte beinahe glaubwürdig. Was sie definitiv gar nicht weiterbringen würde, wäre sich aus der Ruhe bringen zu lassen. Egal was der Wald noch alles für sie parat hielt, so lange sie zusammenhalten und einen kühlen Kopf bewahren würden, sollte diese Mission doch sicherlich irgendwie zu schaffen sein.


[ bei Nya und Raaka | unterhält sich mit Nyph, tappt dann an der Kreuzung zu Nya um sie zu beruhigen ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyphteq » 28. Februar 2019, 20:35

Nyphteq konnte sich in der Tat vorstellen, wie Nya bei Yaizes Bemerkung reagiert haben musste. Ihrer Einschätzung nach war die Weiße weder anfällig für Komplimente, noch für Beleidigungen. Jedoch hielt die Katze das im Allgemeinen für keine allzu schlechte Eigenschaft, bedeutete es doch, dass man sich nicht durch genügend Honig ums Maul einlullen ließ, aber gleichzeitig imstande war, böswillige Kritik rational zu betrachten. Abgesehen davon natürlich, dass derjenige, der sich traute Nyala zu beleidigen, unter Umständen seinen Kopf riskierte. Yaizes Grinsen erhielt also als Antwort ein Nicken gepaart mit einem wohlwollenden halben Lächeln. Als die Unterhaltung jedoch nach der kurzen Unterbrechung so gut wie nahtlos weiterging und die Katze selbst Gegenstand des Gesprächs wurde, verfinsterte sich ihr Blick um einige Nuancen. Das Alleinsein, auf der anderen Seite aber auch die Gemeinschaft in ihrer Gruppe, auch wenn sie sich mittlerweile zunehmend daran gewöhnt hatte, waren immer noch ein wunder Punkt für die Raubkatze. Dementsprechend knapp fiel ihre Antwort aus.

„Richtig.“

Viel weiter wäre aber sie wohl ohnehin nicht gekommen, denn es waren nur noch albzählbare Schritte, die sie und ihre Gruppe von der nächsten Herausforderung trennten und diese war gewiss nicht ohne.
Als ob sie es nicht besser wüsste, als das Schicksal heraufzubeschwören – wenn auch nur gedanklich! Der Anblick, der sich Nyphteq an der nächsten Weggabelung darbot, bereits von Rhorax aussagekräftig genug kommentiert, jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken und ließ ihre Muskeln augenblicklich erstarren. Mit noch halb gehobener Pfote starrte sie ungläubig auf die schwarzweißen Haufen, die ihr als erstes aufgefallen waren, ehe sie auch die übrigen Markierungen entdeckte und der Fuchsgeruch in ihre Nase stieg. Die dunklen Ohren waren flach angelegt und die Schnurrhaare zitterten angespannt, während sich dieses Bild in ihren Kopf einbrannte. Es gab einfach keine andere Erklärung, als dass hier übernatürliche Kräfte gewirkt hatten. Genau das also, was Nyphteq so vehement wegzudiskutieren versucht hatte. Und was immer dafür verantwortlich war, es schien nicht gerade darauf aus zu sein, ihnen zu helfen.

Ihre Pfote sank langsam wieder zu Boden, als Nyalas Knurren den Wald erfüllte und die Weiße kurz darauf und offenbar nicht weniger schockiert als die Katze nach vorne schnellte. Nyphteq beobachtete den Zerstörungsakt, ohne in jenem Moment den Sinn dahinter zu verstehen, so es denn einen gab. Dann huschte ein Seitenblick zu Yaize, deren Schulterzucken ein für sie eindeutiges Signal sendete. Mit einem knappen Nicken bestätigte sie der Füchsin, dass sie beide eben denselben Gedanken teilten. Zusätzlich, jedoch ohne groß darüber nachzudenken, tuschelte sie der Roten ein paar Worte zu.

„Meistens zumindest.“

Damit bezog sie sich natürlich auf die vorangegangene Unterhaltung und die Aussage, dass ein Leittier seine eigenen Empfindungen zurückstellte. Was darauf folgte war ein eher dümmliches Grinsen, das gleichermaßen gequält und verzweifelt aussah. Humor war wohl noch nie die Stärke dieser Berglöwin gewesen und geholfen hatte er ihr jetzt gerade auch nicht wirklich. Sie fühlte sich immer noch genauso überfordert und hilflos, wie zuvor.
Als die Weiße fertig war und Raaka in die Mitte des Weges hoppelte, lief die Katze vorsichtig und mit leicht geduckten Schultern zu einem der Bäume, die ihre Krallenspuren trugen. Eindringlich untersuchte sie die Rinde, zunächst mit den Augen, dann mit der Nase. Was der schwarze Vogel da bezüglich der Authentizität dieser Markierungen von sich gab, konnte Nyphteq zumindest für „ihre“ Kratzer nicht bestätigen. Sie könnte schwören, dass dem Baum ihr Geruch anhaftete und hätte er in ihrem Revier gestanden, sie hätte keinen Zweifel daran gehabt, dass sie diesen Baum erst kürzlich als ihr Eigentum markiert haben musste. Aber sie war sicher, nein, sie wusste, dass sie diesen Baum an dieser Gabelung noch nie im Leben angerührt hatte. Wie konnte es also sein, dass er ihre Spuren trug? Sollte sie an ihrem eigenen Geist zweifeln, so wie Raakas Gedächtnisverlust-Theorie es besagte? Oder sollte es wirklich ein Drache gewesen sein? Oder war es eine der anderen wilden Phantasien, die der Katze durch den Kopf gingen, die sie jedoch nicht aussprach, aus Angst, sie würde dann tatsächlich noch abergläubisch werden. In diesem Moment war sie ohnehin schon haarscharf dran an der Grenze, die sie eigentlich nicht übertreten wollte.

Letztendlich aber war es vielleicht auch gar nicht so sinnvoll, sich mit dem Warum zu beschäftigen. Es änderte nichts daran, dass sie eine Entscheidung treffen mussten. Raaka hatte seinen Vorschlag gemacht und da Nyphteq keinen besseren hatte, wartete sie lediglich schweigend ab.

[ unterhält sich mit Yai, dann an der Gabelung | schockiert über den Anblick | untersucht die Krallenspuren ]

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