Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Rollenspielbereich: Betritt die Welt von Kihromah und werde Teil des großen Abenteuers
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Spielleitung
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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Spielleitung » 24. Juni 2019, 20:15

UPDATE:
Unerwarteter Besuch

Während so mancher der Gruppe unlängst bemerkt hatte, dass der Pfad dem sie folgte sich verändert hatte und jeweils auf seine ganz eigene Art darauf reagierte, gab es jemanden, den all dies nicht kümmerte. Für ihn war der Geisterwald ein Wald wie jeder andere, ein Ort zum Umherstreifen und Jagen. Farlan, ein betagter, grummeliger Wolf aus den nördlichen Graubergen, Kämpfer, Grübler, Wanderer, hatte sich am Morgen auf gemacht an just diesem Ort sein Frühstück zu finden. Anfangs konnte man vielleicht noch meinen die Beute verstecke sich einfach zu gut, doch inzwischen musste auch dem stursten Dickkopf und Leugner jedweder Fantastereien klar geworden sein, dass dies kein Ort wie jeder andere war. Die Abstinenz jedweder Fährten, Spuren und Gerüche, dem Schwirren der Insekten, allgemein allem was einen Wald auch nur im geringsten Lebendig wirken lässt, war allgegenwärtig.

Anders als die Widerstandstruppe hatte Farlan keine Einweisung erhalten, wie sie Tamtam der Otter ihnen mit auf den Weg gegeben hatte, so dass er schon aufgebrochen war, noch ehe die Sonne vollends über den Horizont gekrochen war. Er hatte sich ganz einfach eine eigene Route durch den Wald gesucht, abseits aller Pfade. Querfeldein hinein ins Unbekannte. Und auch wenn der Rüde einfach seiner Nase gefolgt und wenig nach links oder rechts ausgeschwenkt war, so hätte er nach einer Weile schwören können, immer und immer wieder im Kreis gelaufen zu sein. Ein Baum sah aus wie jeder andere und jeder Stein, der irgendwo herum lag, genau so wie ein anderer, an dem man kurz zuvor schon einmal vorbei gekommen war.

Eine helle, aufgeregte Fuchsstimme war so ziemlich das Erste, das die Stille des Waldes durchbrochen und seinen Weg in den Lauscher Farlans gefunden hatte. Neugierig und immer noch hungrig folgte der Rüde den Geräuschen und Gerüchen, die ihm mitteilten, dass die Füchsin nicht alleine war. Fuchs, Puma, Bär, einiges kam dort zusammen.

Die Gruppe andererseits konnte, wenn sie ihre Aufmerksamkeit über den Wald schweifen ließ, vielleicht bemerken, dass sich ihnen aus dem bisher so unscheinbar wirkenden Unterholz ein struppiger, schwarzer Schatten näherte. Laub raschelte leise, während Nyala sich bemühte, die Aufregung die Yaize ergriffen hatte zu zähmen.

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Farlan » 12. Juli 2019, 10:36

Hunger. Dieser infernalische Hunger! Und wenn er ein Gesicht gehabt hätte, oh ja, er hätte wie er höchstselbst ausgesehen: Farlan!
Da konnte man ja nur grummelig sein, wenn sich allerorten nichts auftat. Und dann noch dieses blöde Gefühl, ständig im Kreis unterwegs zu sein und jedes Bäumchen so anzusehen, als habe er das doch schonmal gesehen. Nun war Farlan kein Stinowolf, der jedes Bäumchen zu markieren gedachte, somit schien diese Form schon einmal aus. Nein, er musste sich weiter auf sein Gefühl verlassen – aber auf das schien auch kein Verlass mehr zu sein.

Das Gefühl mochte ihn trügen, aber er war mit einem Male nicht mehr alleine – zumindest verrieten Nase und auch die halbtauben Lauscher, dass es hier irgendwo ein mächtiges Palaver geben musste! Also beschleunigten sich die etwas haarig wirkenden Schritte des Unikums, das dennoch genau aufpassen musste, wo es hintrat, um nicht aus der Bahn geworfen zu werden. Vor allem aber musste er sich bemühen, nicht wieder gefühlt etliche Male im Kreis zu laufen! Das wiederum fiel dem Schwarzfell mit grauen Abzeichen dann doch ein wenig leichter als gedacht….

….und da hielt er auch schon inne! Aus den leisen Stimmen, die er ebenso geträumt hatte haben können, wurden lautere! Und was keifte denn da in aller Unbeflissenheit?! Wie unhöflich! Wobei es sicher nicht aus Unhöflichkeit zu moppern schien, wie es dem Rüden sicher sehr bald wie Schuppen von den Augen fallen würde – jetzt aber erreichte er erst einmal das kleine Vorfeld, feststellend, dass seine Deckung mit einem Male weg war. Und nicht nur weg, sondern GANZ weg!

„Aiaiai….was zum….zur….“ brachte Farlan nur hervor und beschloss, auf dem Absatz kehrt zu machen. Aber irgendetwas, so schien es, hielt ihn an Ort und Stelle und verhinderte, dass er schnellstens verduftete.

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Raaka » 24. Juli 2019, 19:38

Nicht nur, dass dieser Wald eine abartige Farce mit ihnen spielte und den Weg vor ihnen mehr und mehr in einen Irrgarten verwandelte, nein, scheinbar begann er nun auch, ihnen nach und nach den Verstand zu rauben. Rotnase Yaize war die erste, die davon betroffen war und auch wenn Raaka sich zuerst von den emotionalen Ausbrüchen hatte mitreißen lassen, so drängte ihn doch, irgendwo tief in seinem Kopf, sein Verstand, sich nicht auch noch anstecken zu lassen. Er lauschte den Worten, während er auf einem der knorrigen Äste Platz genommen hatte, machte sie seinen eigenen Reim auf das Gesagte, hob dabei jedoch den Blick gen Himmel – oder zumindest die Fetzen davon, die durch das dichte Geäst zu sehen waren – als würde dieser ihm dabei helfen, nicht selbst dem Wahnsinn zu verfallen. Sie hatten doch einen Auftrag, eine Mission. Und man hatte sie vorgewarnt, dass es nicht einfach werden würde. Aber war nicht er der selbsternannte Meister des Rätselratens? Die sich ändernden Wege, die mysteriösen Markierungen und schließlich der unheimliche Drachenatem – alles Rätsel, die nur darauf warteten, gelüftet zu werden und an deren Lösungsweg hoffentlich am Ende der weiße Rabe saß. Sie durften jetzt nicht aufgeben und schon gar nicht – wenn er so die aufgebrachte Füchsin betrachtete – zusammenbrechen!

Glücklicherweise kümmerte sich Wolkenwölfin Nyala bereits um das Sorgenkind und der Rabe konnte nur hoffen, dass ihre wohl beabsichtigt barsch gewählten Worte ihren Zweck erfüllten. Dem Schwarzen jedenfalls hätten sie in dieser Situation sicherlich geholfen, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. So sehr jedenfalls, wie das auch ein Baumstamm gegen den Kopf schaffte. Sein Blick haftete einen Moment lang auf Kailan, deren Rat, weiterzugehen, er gerne beherzigen wollte. In seinem Schwingen spannten sich bereits die Muskeln, bereit, sich von dem Ast zu stoßen und endlich voranzukommen. Je schneller, desto besser. Doch noch ehe der tragende Lufthauch auch nur eine seiner Federn strich, zog eine Stimme, die Raaka zuerst und auch nach weiterem Nachdenken nicht zuordnen konnte, seine Aufmerksamkeit auf sich.

Viel hatte der Fremde, auf den die Rabenaugen schlagartig gerichtet waren und der Abseits jeglicher Deckung beinahe schon tolldreist vor ihnen stand, nicht gesagt. Trotzdem entrann der Kehle des Gefiederten ein protestierendes Keckern, teils aus Schreck, teils aus Überforderung mit ihrer gegenwärtigen Situation.

„Wolf!“,

brachte der schwarze Vogel noch heraus, um seine Mitstreiter, obgleich sie dessen Anwesenheit auch schon längst bemerkt haben mussten, zu warnen.

Nein, sie hatten nicht den Wolkenraben gefunden. Vielmehr glich dieser zottelige Geselle einer Gewitterwolke und das konnten sie gerade eben womöglich am wenigsten gebrauchen. War das ein neuer Trick des Waldes? Ein neues, gefährliches Rätsel? Oder hatten sie hier wirklich nur einen armen Irren vor sich, der sich in diesem Wald verlaufen hatte? Aber war das überhaupt möglich, sich hier zu verlaufen und dann irgendetwas oder irgendjemanden zu finden?

[ auf nem Ast | beobachtet Yaizes Ausbruch | versucht cool zu bleiben | bemerkt Farlan ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Lucien » 9. August 2019, 09:28

Es war wie ein Kreis. Wieder und wieder liefen sie die selben Bäume, die selben Wege, die selben Gerüche und Geräusche ab. Er hatte noch nie erlebt, dass etwas so wiederholend, so sehr übereinstimmend war wie dieser Wald. Und diese Gleichheit brachte den Adler zu der Überzeugung, dass der Wald sie nur testen wollte. Lucien war überzeugt davon - irgendwo, ganz tief in dem braun gefiederten Kopf - dass es egal war, welchen Weg sie einschlugen, es war nur wichtig weiter zu gehen. Dem Weg zu folgen und zu zeigen, dass sie sich nicht klein kriegen ließen. Leider schien es dem Adler so, dass es die anderen nicht alle ähnlich sahen. Es kam was kommen musste und Yaize schien auszusprechen, was so viele dachten: Es war alles sinnlos. Doch der Fuchs endete in einer Panikattacke. Lucien hüpfte - seine Bewegungen auf dem Boden konnte man kaum anders nennen - auf den Fuchs zu und legte den Kopf leicht schief.

"Wenn du dich wirklich in einem Erdloch verbuddelst komm ich mit, dann bist du nicht alleine. Und da entwickeln wir dann einen Schlachtplan wie wir den verfluchten Otter und seine Regeln ausschalten können."

Seine Stimme hielt er bewusst ruhig und versuchte Yaize darüber zu beruhigen ihre Ideen zu unterstützen - und wer weiß, vielleicht war Einbuddeln in ein Erdloch ja gar nicht so falsch?!

"Und schau mal, Yaize, wenn wir das hier geschafft haben - und ich bin sicher wir schaffen das! - dann kannst du diesem Fuchs, dessen Namen nicht genannt wird, solltest du ihm jemals wieder begegnen klar machen, dass er die obercoolste Mission überhaupt verpasst hat! Dass wir es ohne ihn geschafft haben. Wenn wir den weißen Raben finden und dieser uns eine Lösung bietet - dann hast du geholfen die Ska endgültig zu vernichten und er nicht. Aber dafür müssen wir den Schlachtplan und das Erdloch noch warten lassen."

Der Adler schaute Yaize nochmal kurz an und seine Augen funkelten leicht ob der Worte, die er an die Füchsin gerichtet hatte. Ein letzter Blick dann bewegte er sich wieder nach vorne zurück. Am liebsten würde er über die Baumwipfel, er hasste das Gefühl unter den Bäumen eingesperrt zu sein. Er brauchte den Luftraum, die Freiheit des Himmels wie andere die Luft zum Atmen. Kurz bevor er bei Raaka ankam hörte er Geräusche und den Ausruf des schwarz-gefiederten und richtete seinen Blick auf das Tier das plötzlich vor ihnen Stand, als hätte der Wald es persönlich ausgespuckt. Ausgemerkelt, schwarzes Fell, graue Schnauze.

"Du!"

, entfuhr es dem Adler vollkommen perplex. Es war der Wolf von der Hasenjagd. Der Tag als 3 vollkommen unterschiedliche Tiere ausgerechnet das selbe Tier bzw. den selben Bau zur Jagd aufsuchten.

[ spricht auf Yaize ein | entdeckt und erkennt Farlan ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyphteq » 31. August 2019, 00:49

Es sollte nicht lange dauern, bis Nyphteq ihren vorangegangen Kommentar bereute. Denn wenn auch nicht der alleinige Auslöser, so mochte er doch wohl unnötiger Zunder sein, für das, was sich kurze Zeit später direkt vor ihren Pfoten abspielte, als einer ihrer kleinsten Mitstreiter kurzerhand die gesamte Gruppe zum Stillstand brachte. Die Raubkatze, die hinter Yaize gelaufen war, musste zwangsweise stehen bleiben und beobachtete den aufkeimenden Anfall in einer Mischung aus Besorgnis und Argwohn. Eine leise Stimme wisperte ihr, dass eine leichte Schelle vielleicht nicht die schlechteste Idee war, um die Füchsin wieder zu Verstand zu bringen. Bevor sich ihre Pfote jedoch so recht entscheiden konnte, ob sie nun wirklich ausholen sollte oder ob das doch etwas zu sehr über die Stränge geschlagen wäre, kam ihr bereits Nyala zuvor und erteilte der Roten, zumindest verbal, eine ähnliche Abfuhr. Und während sich dann auch der Adler einmischte und den Verständnisvollen mimte, betrat Nyphteq, dem Rat beider Leittiere folgend, bereits einige langsame Schritte nach vorne.

Weiterlaufen war nach Nyphteqs Meinung, keine schlechte Idee. Sie wollte sich einfach nicht länger mit den Drecksideen des Waldes auseinandersetzen, wenigstens für den Moment lang die Unannehmlichkeiten verdrängen und sich erst dann wieder damit beschäftigen, wenn die nächste unausweichliche Hürde ihren Weg kreuzte. Leider war diese offenbar bereits im Anmarsch.

Zuerst war es ein unschuldig genug klingendes Rascheln, dann aber die Wortmeldung beider Gefiederter im Bunde, die den unerwarteten Besuch ankündigten. Und als dieser sich alsbald in seiner vollen, wenn auch zugegebenermaßen nur mäßig beeindruckenden, Pracht präsentierte, konnte Nyphteq dem ungläubigen Ton Luciens nur beipflichten. Mit vielen hätte sie ja gerechnet, nicht aber mit dem Zottelwolf, der Henker über Hasen spielte. Aber immerhin etwas Gutes hatte diese Begegnung doch, im Vergleich jedenfalls zu potentiellen Alternativen:

„Der Adler und ich kennen ihn. Er ist harmlos.“

Zumindest hatte ihr der Dunkle bisher keinen Grund zu einer gegenteiligen Annahme gegeben. Das allerdings beantwortete noch nicht die Frage, warum sie ausgerechnet hier erneut auf ihn stießen und die Verwunderung war auch in Nyphteqs Augen eindeutig zu sehen.

[ anfangs hinter Yai | lauscht ihrem Ausbruch | geht weiter | bemerkt Farlan ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Rhorax » 4. September 2019, 11:03

Rhorax benötigte etwas länger als der Rest der Truppe um zu bemerken, dass sich der Pfad dem sie folgten zunehmend verändert hatte. Das Gespräch mit Nyala beschäftigte ihn. Die Beschwichtigungen der Weißen klangen wenig überzeugend, waren im Kern aber nicht gänzlich falsch, so dass der Bär auf einen weiteren Austausch verzichtete und einfach nur leise brummte. Das konnte man als Zustimmung interpretieren, aber auch als “Was auch immer.”

Als das kleine, orangene Etwas vor dem Bären stehen blieb und eine Art Gefühlsausbruch erlitt, stoppte auch er und bemerkte, wie Nyala hinter ihm den optimalen Zeitpunkt anzuhalten knapp verpasste. Als die Wölfin an seine Seite trat und ihm ob des Gebarens von Yaize einen skeptischen Blick zuwarf, zuckte der Dickpelz nur leicht mit den Schultern. Er könnte das Füchschen einfach bei Seite schieben, sie würden ihren Weg fortsetzen und der Rotpelz könnte halt nachkommen, wenn er sich wieder beruhigt hätte. Oder auch nicht. Aber so liefen die Dinge in dieser Gruppe nicht, das hatte Rhorax verstanden. Zuerst widmete sich Nyala dem hysterischen Fellball auf ihre unverkennbar strenge, aber auch etwas witzige und beruhigende Art und Weise. Er glaubte nicht daran, dass sie Yaize wirklich fressen würde. Fuchs schmeckt... nun ja, es gibt Dinge die deutlich besser schmecken. Außerdem vermutete Rhorax inzwischen, dass Nyala gerne die ganz harte und unnahbare Wölfin mimte, doch wenn man sie beobachtete, dann stellte man zumindest im Verhalten gegenüber den gefestigten Mitgliedern der Gruppe fest, dass ihre raue Schale deutliche Risse hatte.

Als nächstes widmete sich dann auch noch Lucien der Seelenpflege der Füchsin, allerdings ging er mehr auf das Gesagte ein und zeigte sich einfühlsamer. Rhorax schnaufte leicht und tappte an den anderen Vorbei an die Spitze der Gruppe zu Kailan. Sie verschwendeten nur Zeit. Als er sich gerade umsehen und die Nase heben wollte, bemerkte er ein Rascheln in ihrer Nähe. Ein schneller, wachsamer Blick, dann entdeckte er etwas dunkles, dass sich ihnen Näherte. Ein Wolf, wie ihm seine Nase kurz darauf mitteilte und dem Anschein nach eher tot als lebendig - oder zumindest nicht mehr in der Blüte seiner Jahre. Der Bär baute sich am Rand der Gruppe auf, hob kopf und Schultern, suchte sich festen Stand, schob die Ohrmuscheln nach vorne und fixierte mit seinem Blick den unerwarteten Ankömmling. Raakas Ausruf kam relativ spät, aber zumindest wussten nun alle bescheid. Als direkt darauf Lucien und Nyph erklärten, diese Gestalt irgendwoher zu kennen, beruhigte das den skeptischen Bären nur wenig.

"Falls das wirklich DER Wolf ist, den ihr kennt. Und nicht irgendein... Ding des Waldes."

Er trat einen Schritt vor und witterte noch einmal in Richtung von Farlan.

"Hmm... zumindest scheint es wirklich ein Wolf zu sein."

Rhroax hatte ein Talent dafür, das Offensichtliche zu benennen. Der Braune musterte Farlan kurz und kam zu den Schluss, dass dieser für ihre Gruppe wohl keine große Gefahr darstellte. So entspannte sich der Bär wieder etwas und trat zurück an die Seite von Kailan. Zwar war es merkwürdig, dass ihnen ausgerechnet an diesem Ort ein anderes Tier über den Weg lief und noch merkwürdiger, dass eben dieses Tier einigen von ihnen nicht fremd war. Doch das, was er bis jetzt schon im Wald gesehen und erlebt hatte, genügte, um ihn diese Tatsache einfach akzeptieren zu lassen. Für ihn war das Auftreten von Farlan somit nur ein weiterer Faktor, der sie ablenkte und aufhielt. Die anderen würden sich schon um ihn kümmern.

Er selbst tat, was er eigentlich vorgehabt hatte und hob nun wieder die Nase in Richtung des vor ihnen liegenden Pfades. Er lauschte, witterte und sah sich aus seinen kleinen Augen heraus um. Was ihm seine Augen nicht verraten konnten, das offenbarte ihm zunächst die Nase, dann mit etwas größerer Anstrengung auch seine Ohren. Er wandte die Schnauze um in Richtung der Anderen.

"Vor uns liegt Wasser. Dem Rauschen nach würde ich sagen... vielleicht ein Fluss. Oder ein breiter Bach."

Er schwenkte die Schnauze zu Kailan und sah der Bärin in die Augen. Auch wenn sie von beiden Leittieren dasjenige zu sein schien, das ihm immer noch am Meisten misstraute, so war sie doch immer noch das ranghöhere Tier und Entscheidungsträgerin. Leise und gedämpft brummte er in ihre Richtung.

"Sollten wir nicht weiter? Das alles hier hält uns nur auf."

[ erst bei Nya, dann an der Seite von Kailan | ignoriert die Füchsin, bemerkt Farlan und checkt ihn ab, drängt darauf weiter zu gehen ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Yaize » 10. September 2019, 11:06

Das Herz der kleinen Füchsin raste und ihr Atem ging stoßweise, als sie ihre Schimpftirade beendet hatte. Was war hier los? Hatte sie gerade die Fassung verloren und das vor allen anderen? Sie versuchte zu schlucken, doch ihr Maul und ihre Zunge fühlten sich so trocken an, dass ihr die Bewegung im Halse stecken blieb. Als ein großer, weißer Schatten neben ihr auftauchte, hob sie den Blick und erkannte Nya erst einige Momente später. Alles wirkte verschwommen, wie in einem Traum. Die Füchsin musste einige Male blinzeln, ehe sie ihre Gefährtin scharf und klar vor sich sah. Die Stimme der Wölfin klang zunächst dumpf. In den großen, flauschigen Ohren des Rotpelzes pochte das Blut, doch auch das verging nach kurzem wieder. Nyalas Worte waren streng und unsensibel wie nicht anders zu erwarten. Trotzdem folgte sie der Empfehlung und versuchte erst einmal tief durchzuatmen. Den Kniff in die Ohrspitze wollte sie mit einem leisen Knurren quittieren, doch der Ton, der aus ihrer Kehle kam, klang genau so leise und heiser wie ihre Stimme, als sie sprach.

"An dem Tag an dem du mich frisst, bleibe ich dir im Halse stecken und du erstickst elendig an meinem Pelz."

Die Worte klangen ernster und finsterer, als beabsichtigt. Yai wusste, dass sie überreagiert hatte, so wie Nya an der letzten Weggabelung zuvor. Und sie wollte das Ganze am Liebsten ganz schnell wieder vergessen. Und auch, dass die anderen es ganz schnell wieder vergaßen. Zumindest schnaufen konnte sie noch ganz gut und das tat sie dann, schenkte Nya noch einen entschuldigenden Blick und wandte sich dann Lucien zu, der auf sie zu getappt kam.

Die Worte des Adlers waren das genaue Gegenteil von denen, die Nya gewählt hatte. Auf sie eingehend, empathisch und motivierend. Er schaffte es tatsächlich, sie nicht nur äußerlich, nein auch im Inneren etwas zu beruhigen. Ihr kleiner Ausbruch hatte mehr von ihren Gedanken herausplatzen lassen, als sie die Anderen eigentlich wissen lassen wollte. Sie schüttelte einmal ihren Pelz durch und stupste dann Lucien einmal dankbar gegen die gefiederte Brust.

"Du hast ja recht. Danke dir."

Als der Gefiederte sich wieder auf machte und es schien, als könne die Truppe ungehindert weiterziehen, da wurden sie erneut aufgehalten. Wie aus dem Nichts erschien ein mehr oder weniger fremder Wolf, trottete direkt neben ihnen aus dem Wald heraus, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Einige schienen den offen gestanden recht zerrupft wirkenden Rüden zu kennen. Yaize blieb zunächst an der Seite von Nya stehen. Aus ziemlich offensichtlichen Gründen fühlte sie sich in der Nähe der “weißen Bestie” sicherer als alleine und Kailan war im Moment zu weit entfernt. Sie beobachtete, wie Rhorax den Eindringling überprüfte und für echt befand.

Aus neugierigen Augen musterte sie den Fremden und murmelte dann halblaut das Erste vor sich hin, was ihr durch den kleinen, pelzigen Kopf schoss.

"Das ist ja mal wieder typisch. Wir dürfen den Pfad nicht verlassen und der da kann einfach durch die Gegend schlendern wie es ihm gefällt."

Doch im nächsten Augenblick fragte sie sich, ob das nicht vielleicht vorschnell geurteilt war. So wie der Rüde aussah irrte er schon seit Tagen, Monaten oder Jahren durch diesen Wald. Wer weiß, vielleicht hatte er ihn einst als junger, starker Wolf betreten und dann... ist das passiert. Stand ihnen das allen bevor, wenn sie vom Pfad abwichen? Zeigte ihnen was auch immer im Wald herrschte hier, was passieren würde, wenn sie seine Regeln nicht befolgen würden?

[ an der Seite von Nya | regt sich wieder ab, auch dank Lucien, bemerkt Farlan und beschwert sich ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Kailan » 15. September 2019, 20:52

Kailan war erleichtert, dass sie endlich weitergehen würden, auch wenn sie nun die Gruppe anführte, es war auf jeden Fall besser, als die ganze Zeit zu beraten und herumzustehen. Plötzlich bekam aber ihre älteste Freundin eine Art Panikattacke und hielt wieder die gesamte Gruppe auf. Dies brachte die Bärin allmählich an den Rand ihrer Geduld und sie hatte das Gefühl, dass wenn sie so weiter machen würden, sie nie an ihr Ziel geschweige denn hier rauskommen würden. Sie atmete tief durch, dieser Wald brachte sie wirklich alle an die Grenzen ihrer Belastung hatte die Braune langsam aber sicher das Gefühl. Kailan kam nicht um den Gedanken herum, dass ja noch nie jemand aus diesem Wald wiedergekehrt war, vielleicht hatten sie sich einfach gegenseitig getötet. Sie schnaubte und gerade als sie sich zu ihrer kleinen Fuchsfreundin umdrehen wollte, hörte sie, dass sich schon Nyala um sie kümmerte. Dies erleichterte die Bärin, denn so musste sie es nicht tun. Also konnten sie bestimmt bald weitergehen. Bevor sie diesen Gedanken zu ende denken konnte, passierte abermals etwas unvorhergesehenes. Es raschelte, Kailan drehte sich halb um und grollte immer lauter je näher dieses Geräusch kam. Sie hörte Raakas Ausruf und dann trat plötzlich ein fremder Wolf aus dem Gebüsch. Er war zottelig und musste schon viele Jahre gesehen haben. Außerdem war er nicht nur zottelig, sondern auch an einige Stellen grau. Anscheinend war nicht nur für sie sein Erscheinen so überhaupt nicht mit Logik verknüpft. Nachdem Nyphteq und Lucien angaben den Wolf zu kennen und es auch nur…. ein Wolf war, ebbte Kailans Knurren allmählich ab. In dieser Zeit schaffte es auch Yaize langsam sich wieder gänzlich zu beruhigen und wirkte auch wesentlich entschlossener und Rhorax gesellte sich zu der Bärin. Sie selbst konnte es nicht fassen, dass dieser Wolf durch den Wald gegangen war ohne dem Pfad zu folgen, vielleicht mussten sie dies ja doch nicht zwingend tun. Augenscheinlich schien er keine Schäden dadurch davon getragen zu haben. also warum sollten sie es nicht auch versuchen. Diesen Gedanken wollte sie auf jeden Fall im Hinterkopf behalten. Die Bärin beantwortete Rhorax Worte mit einem Nicken, danach richtete sie kurz ein paar Worte an ihre Gefährten, ihre Stimme war sanft, klang aber so, als ob sie keine Widerrede zulassen würde:

„Lasst uns weitergehen. Das Wasser ist nicht mehr weit und wenn es dann erforderlich erscheint, können wir immer noch beraten, wie es weiter geht.“

Die Bärin drehte sich nach diesen Worten wieder um und setzte sich langsam in Bewegung, ein paar Meter entfernte sie sich und tat sie so, als ob ihr Farlan gerade erst wieder eingefallen wäre. Aber diese Überlegung hatte Kailan schon die ganze Zeit im Kopf gehabt. Ihre Stimme war nun etwas lauter, der Grund dafür war aber nur, dass sie sich nicht nochmal extra umdrehen wollte:

„Wolf, du kommst bitte nach vorne zu mir. Ich hätte ein paar Fragen an dich und es wäre von uns beiden von Vorteil, wenn ich dich dann nicht die ganze Zeit Wolf nennen müsste…“

So konnte sie ihn im Auge behalten, falls er doch nicht der war, der er vorgab zu sein und von dem die anderen glaubten, dass er es war. Außerdem fand sie es noch interessanter, ob sich dieser Wolf vielleicht daran erinnern konnte, wie lange er schon in diesem Wald war. Danach ging sie weiter, in der Hoffnung und der Vermutung, dass die anderen ihr folgen würden und wenn sie es nicht taten die Bärin darauf aufmerksam machen würden.

[ knurrt vor Farlans Erscheinen | dieses ebbt ab, als sie erkennt das es ein Wolf ist | spricht zu den anderen | zitiert Farlan mehr oder weniger zu sich | geht dann weiter und denkt das die Gruppe ihr schon folgen wird ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Nyala » 17. September 2019, 15:47

Die weiße Wölfin war sich nicht sicher was sie mit ihren Worten, die sie an den großen Bären gerichtet hatte, erreichte. Ob sie einen positiven oder negativen Effekt erzielten und Rhorax war nicht gerade der gesprächigste Braunpelz, dem Nya begegnet war. Das machte ihn gleichzeitig sympathisch und doch konnte sie ein leichtes Schulterzucken nicht verbergen als er nur leise brummte und sie ihren Weg durch den verdammten Wald weiterführten. Zumindest solange bis die Rotpelzin eine kleine Panikattacke bekam und sich die Wölfin gezwungen sah, sich an Rhorax vorbeizuschieben und der Kleinen auf ihre ganz eigene schroffe Art zu helfen. Sie selbst hatte vorhin einen kurzen Aussetzer gehabt und nahm es Yaize nicht übel, jeder von ihnen machte sich seine Gedanken und vieles von dem was Yai aussprach, schlich sicherlich auch durch die Köpfe der anderen.

Auf das heisere Knurren und die bittere Antwort hin, zog Nyala skeptisch eine Braue empor und kräuselte leicht den Nasenrücken. Die Vorstellung von unverdaulichen Fuchspelz im Rachen war wenig erfreulich und so schüttelte die Weiße nur leicht den Kopf, während sie den entschuldigenden Blick der Fähe wahrnahm.
“Dann hoffen wir für uns beide, dass dieser Tag niemals kommt.“

Im Gegensatz zu Nya war Lucien sehr viel einfühlsamer und ging an die Sache ganz anders heran als er Yai ebenfalls aufmunterte und damit deutlich mehr Erfolg hatte als die Wölfin, was nicht besonders verwunderlich war. Nyala wollte sicherlich keinen Preis gewinnen und war lediglich froh, dass es der Rotnase scheinbar wieder etwas besser ging.
Abgelenkt durch Lucien und Yaize bekam sie die potenzielle Gefahr selbst erst spät mit, zum Glück waren die anderen Mitglieder aufmerksam geblieben und so erreichte Raakas Ausruf beinah zeitgleich mit Luciens „Du!“ die Ohren der Wölfin, die sich sofort herumdrehte und den Fremden misstrauisch musterte. Ganz automatisch stellte sich ihr Nackenfell auf und sie nahm eine offensivere Haltung an, während die Füchsin offenbar Schutz bei ihr suchte.
Das struppige, dunkle Fell und das alte Gesicht kamen ihr nicht bekannt vor, was man von Nyph und Lucien nicht behaupten konnte. Die beiden kannten den Strubel also bereits.

Nur kurz huschten die braunen Augen der Wölfin zum Puma, um in ihrem Blick eine ähnliche Verwunderung wie bei den anderen zu erkennen. Rhorax hatte sich inzwischen zu Kailan gesellt und sich groß gemacht ob der Bedrohung, die da aus dem Wald gestolpert war und seine Worte waren gar nicht so abwegig, nachdem was alles bereits in diesem Irrgarten passiert war, konnte man sich nicht mehr sicher sein, ob da vor ihnen wirklich ein Wolf stand. Allerdings sah er nicht nur so aus, er roch auch so und Nyala war sich sicher, dass er sich auch wie einer anfühlen und wie einer schmecken würde, sollte jemand auf die Idee kommen das auszuprobieren. Allerdings hatte das meiste von dem auch auf ihre Markierungen – die gar nicht ihre Markierungen waren – zugetroffen.

Im Gegensatz zu Kailan und Rhorax hätte sich Nyala den Fremden gerne etwas genauer angeschaut und ihn nicht beim Laufen ausgequetscht, allerdings hatte die Bärin und Leittier Nummer eins bereits entschieden und letztlich verloren sie nur noch mehr Zeit, wenn sie nicht endlich weitergingen.
Wasser war nicht unbedingt etwas schlechtes und bei all den Bäumen versprach es wenigstens Abwechslung und vielleicht eine weitere Hürde auf dem Weg zum weißen Raben, so es ihn denn überhaupt gab.

Als sich der Trupp wieder in Bewegung setzte, wartete Nya bis sich der Fremde ebenfalls rührte und schließlich zu Kailan trottete, die ihn zu sich gerufen hatte. Argwöhnisch behielt sie ihn im Auge und neigte nur kurz den Kopf zu Yaize.

“Wer weiß wie lange er schon durch den Wald irrt“,

murmelte sie und folgte am Ende der Gruppe, um niemanden zu verlieren. Kailan war allein groß und stark genug, um es mit dem schlaksigen Rüden aufzunehmen, sollte der es wagen einen Angriff zu starten und außerdem war auch Rhorax da.
Was der weißen Fähe nicht behagte, dass der fremde Kerl anscheinend allein unterwegs war. Das passte nicht zu einem Wolf und so blickte sie sich immer mal wieder misstrauisch um, fast so als erwartete sie einen Hinterhalt.

“Nyphteq, Lucien, behaltet den Wald im Auge. Ich habe keine Lust auf eine weitere Überraschung“,

bat sie die beiden, während sie dem Geräusch von Wasser immer näherkamen.
[ bei Yaize / bemerkt den Fremden recht spät / ist argwönisch / folgt am Ende / bittet Lucien und Nyph darum den Wald im Auge zu behalten ]

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Re: Kapitel 6: Die Kraft der Elemente

Beitrag von Raaka » 23. September 2019, 20:11

Die Ankunft des fremden Wolfes wurde offenbar mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Während die einen vorgaben, ihn bereits zu kennen, bekundeten die anderen Missgunst und wieder einem Teil seiner Gefährten schien er so ziemlich egal zu sein. Ein echter Wolf wollte er sein, der Graubart. Aber was bedeutete in diesem Wald schon „echt“? Das einzige Zugeständnis, das Raaka dem Baumgewirr ohne Zweifel machen konnte war, dass dieser Ort echt abgefahren war. Wobei dies mitnichten als Kompliment zu verstehen war.

Als Braunpelzin Kailan die Gruppe zum Weitergehen ermutigte, lies sich auch der schwarze Vogel in die Lüfte gleiten. Allerdings war sein Ziel nicht besonders weit gesteckt. Die hohen, brauen Schultern seines Leittieres waren mit wenigen Flügelstrichen erreicht und als er sich darauf niederließ und die Klauen im dichten Pelz versenkte, was die Bärin wohl kaum hätte spüren dürfen, lag sein Blick sehr aufmerksam auf dem Neuling. Ein Wolf – vielleicht gar nicht mal so weit entfernt von einem Gewitterwolf – der einfach so in diesem Wald herumstrich und auf sie stieß. Nach allem was ihnen bisher begegnet war, schien das doch von Zufall weit entfernt. Und außerdem: Wölfe waren doch praktisch das Gegenteil von Raben. Und ein schwarzer Wolf war gleich noch viel mehr das Gegenteil von einem weißen Raben. Was, wenn dieser Geselle hier es eben darauf abzielte, sie in genau die falsche Richtung zu locken? Gleichzeitig kam der Raberich nicht umhin, einen Vergleich zu sich und Wolkenwölfin Nyala zu ziehen. Damals hatten sie tauschen wollen. Er hatte er ihr einige seiner schwarzen Federn in den Pelz gesteckt und im Gegenzug etwas von der weißen Wolkenwatte bekommen. Dieser neue Wolf und der Wolkenrabe waren also gewissermaßen genau das, was er und Nyala damals zu sein versucht hatten. Ob das etwas zu bedeuten hatte? Fakt war jedenfalls, dass sich Raakas Theorie um die Wolkenwesen nur einmal mehr festigte und er überzeugt war, dass dies alles eine enorme Bedeutung hatte. Zunächst aber galt es, Kailan von seinen Mutmaßungen zu unterrichten – und das bevor der Unbekannte ihrer Bitte nachkommen und zu ihr aufschließen konnte. Der Rabe reckte also den Schnabel an das plüschige Ohr der Bärin und begann leise zu wispern.

„Werte Bärenschwester, hast du nicht auch ein seltsames Gefühl bei diesem Weggesellen? Bedenke doch nur, der Pfad ändert sich die ganze Zeit und auf einmal steht wie aus dem Nichts ein schwarzer Wolf vor uns – oder zumindest einer, der vor Urzeiten sicher mal ganz schwarz gewesen war. Was, wenn auch er ein Gesandter des Waldes ist, der versucht, uns vom Weg zum Wolkenraben abzubringen? Immerhin ist ein schwarzer Wolf doch genau das Gegenteil von dem, was wir suchen…“

Auch, wenn er glaubte, Kailans Antwort bereits zu kennen und für eine ausführliche Aussprache sicherlich die Zeit gefehlt hätte, verblieb der Raberich neugierig auf den Schultern seiner großen Gefährtin. Darüber hinaus wollte er ohnehin um keinen Preis das Gespräch zwischen ihr und dem Unwettervierbeiner verpassen. Vielleicht konnte er sich ja sogar einbringen und dabei behilflich sein, die Wahrheit aus ihm herauszubringen.

[ Fliegt auf Kailans Schulter | äußert Misstrauen gegenüber Farlan | will das Gespräch mithören ]

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